Merry Christmas

Die Londoner Dependance von Anomaly hat auch dieses Jahr wieder ein sehr unbeschauliches Weihnachtsvideo produziert.

Die letzten beiden waren ebenfalls schon mehr als ganz nett. (Okay, jetzt wisst Ihr, wie ich meine vorvorletzte Mittagspause dieses Jahr verbracht habe.)

Ich habe übrigens den Job gewechselt. Nach elf Monaten heißt es für mich seit Anfang Dezember wieder arbeitstäglich pendeln.

Ich wünsche Euch allen ein geruhsames Fest und einen spektakulären Rutsch.

Die Springerin

Seit gerade einem Monat ist die Freischreiber-Kampagne Jedes Wort ist’s wert draußen. Der Berufsverband freier Journalistinnen „foppt“ damit die Verleger und ihre Bemühungen, in Zeiten von Fake-News und Abo-Rückgängen das Image von Zeitungen allgemein zu verbessern: Jedes Wort wert.

Die Werbung wird einfach mit ähnlichen Motiven gekapert – was ganz gut funktioniert hat, weil die Verleger zwar per Print, auf Plakaten, im Kino und vereinzelt sogar online geschaltet haben, aber Social Media außen vor geblieben ist.

Apropos Werbung: hier mein Lieblingsmotiv der freigeschriebenen Kaperkampagne gegen miese Bezahlung. Silke Burmester ist sich zu fein für Werbung.

Nun ist Burmester seit einigen Tagen wohl keine „freie Journalistin“ mehr, wie vermeldet wird heuert die ehemalige Medienkolumnistin der TAZ ausgerechnet bei Axel Springer an. (Allerdings nicht festangestellt, s.u.) Der Umstand, daß sie die redaktionelle Verantwortung der dort erscheinenden Zeitschrift DIE DAME übernimmt, ist ihr immerhin eine sich recht windende Erklärung in eigener Sache wert.

Aber für mich entscheidend ist die Möglichkeit, eine Situation – zumindest temporär – verlassen zu können, die zusehends perspektivlos wird.

Ach ja, das liebe Geld. Silke Burmester ist sich nicht zu fein für Springer. Anscheinend zahlen die besser als die Werbebranche.

Update 14:26

Die Klarstellung hier kam als Antwort. Danke dafür.

So geht das heute

Initiativbewerbung vor ein paar Stunden. Soviel zum Thema „cutting out the middlemen“.

Timing so kurz vor dem Wochenende ist natürlich suboptimal. Aber diskutiert wird das in der Marketingabteilung sicher werden. Ob dann was draus wird, ist eine andere Frage.

Eigentlich müßte die Werbeagentur von Bifi da schon längst drauf angesprungen sein. Wer will sich schon die Butter vom Brot nehmen lassen?

Nachschlag // Auch, wenn es nicht klappen sollte…

aufwachen aufweichen

Aus meinem recht ausführlichen Kommentar neulich zur Kritik an der „Kooperation“ von Kosmetikmarke MAC mit social shooting star Caro Daur konnte man meine generelle Meinung zu Influencer Marketing bereits ziemlich gut herauslesen. Ich möchte aber trotzdem noch ein paar Worte über das Thema verlieren, weil es mir derzeit mal wieder verstärkt begegnet.

Bussibussigesellschaft

Den Jahresanfang hat Anna/Mangoblüte mit How Blogs destroy Traveling gemacht. Sie beschwert sich, daß viele Blogger „heute das bewerben und morgen jenes“. Und warum? Sapperlot! Um Geld zu verdienen.

Das Besondere am Bloggen ist, dass der Blogger Glaubwürdigkeit verkauft (im Fernsehen ist es klar ersichtlich, wenn Werbung kommt). Man verbindet das Produkt mit der Person.

Man muß die beiden Wörter noch einmal langsam und Silbe für Silbe hintereinander lesen: „Glaubwürdigkeit verkaufen“. Mit anderen Worten: „Die Nutte liebt mich echt.“

Anna liefert die Erklärung für die postulierte Glaubenswürde auch gleich mit: Während im TV die Werbeblöcke immer brav gekennzeichnet werden, bleibt die Sposor-Finanzierung bei Blogs und Social Media gerne im Dunklen. Und ja, ich weiß, daß es bestimmt anders gemeint gewesen ist.

Die Branchenpresse formuliert es natürlich etwas vornehmer. So titelt die W&V: Warum wir Bibi und Sami den Laufpass geben sollten. „Leserautor“ David Eicher (zufällig Gründer einer Agentur, um deren „Kerngeschäft“ es hier geht – womit sei Artikel selbst als Content Eigenmarketing durchgehen kann) grundproblematisiert die „Reichweitenfixiertheit der Unternehmen“, die sich durch „jugendliche Schönheit“ und „den richtigen Promi-Faktor“ geblendet auf den nextbigthingsten „Heilsbringer“ setzten. Für 2016 hieß das:

Damit kam Influencer Marketing so laut und platt daher wie die Humtata-Musi auf dem Oktoberfest.

Gegen die „Strahlkraft einiger weniger Promi-Influencer“ plädiert Eicher stattdessen für die leisen Töne der Schleichwerbung. Nur, daß er sie anders nennt. Bei ihm ist das die „Micro-Ebene“:

Influencer, die ihr Know-how im Familienkreis teilen. Teens und Twens etwa, die ihre Eltern in Sachen Online-Banking beraten.

Ernsthaft? Nochmal: ernsthaft? Sogar Lifta weiß seit Jahrzehnten, daß man nicht nur die ansprechen muß, die einen Treppenlift benötigen, sondern auch deren Kinder. Und wenn man tatsächlich auf diesem Level Fürsprecher sucht, dann sollte man sich vielleicht einfach auf die Überzeugungsqualitäten seiner Produkte konzentrieren, statt auch nur einen Cent in die Marketingstrategie zu stecken, damit meine Tochter mir eine neue Kreditkarte andreht oder mich unaufgefordert auf die günstigen Konditionen eines Ratenkredits hinweist.

Und auch er entblödet sich nicht, dafür die Worte „authentisch“ und „glaubwürdig“ in den Mund zu nehmen.

Sag’s nich‘

Nun schreibt Eicher nicht aus Spaß an der Freud, sondern muß als Chef der Webguerillas die Leistungen seiner Agentur an den Mann bringen. Also kommt er im letzten Absatz auf’s Geschäft zu sprechen mit Buzzwords wie „nachhaltige Mechaniken implementieren“, „organisch aus der Marke heraus entwickeln“, „Stakeholder binden“ und „langfristiger Image-Uplift“. Und selbst?

Es sieht aus, als würde David Eicher den Twitter-Account @de_webguerillas persönlich führen. Im Profil steht sein Name, verlinkt ist das Agenturblog. Dieses ist nicht nur designtechnisch schon etwas in die Jahre gekommen. Stand 27.01.2017 ist der aktuellste Post dort beinahe vier Monate alt. Die letzten Kommentare sind allesamt Spam (siehe Screenshot). Von den aufgelisteten „Autoren“ haben 50 % laut Profilseiten keinen einzigen Eintrag verfasst. Und die „Random Blogroll“ besteht aus ganzen fünf (5!) Einträgen, von denen einer doppelt vorhanden ist. Diese Dopplung hat vor zehn (10!) Jahren einen Domainumzug verkündet, deren URL mittlerweile auch nicht mehr erreichbar ist. Ein anderer schreibt seit Jahren nicht mehr. Ein Refresh hat die Sache nicht besser gemacht.

Ach ja, die in der Sidebar verlinkte Facebook-Seite gibt es auch nicht mehr. Nachdem Territory die Guerillas gekauft hat, ist ein Pagemerge wohl zu aufwendig gewesen. Auf der Website steht übrigens in Versalien: WE DON’T TALK ABOUT SOCIAL MEDIA – WE LIVE IT.
Nur mal so.

Ende Teil 1

Jetzt bin ich zur Besprechung zweier weiterer Links noch gar nicht gekommen. Also wird es nach dem Wochenende wahrscheinlich eine Fortsetzung dieses Blogposts geben. Eins noch zum Schluß: Content-Marketing ist übrigens schuld an der Lügenpresse, sagt Siebenhaar im Handelsblatt – Der Medien-Kommissar: Auf dem Weg zum medialen Brei.