adbust a move

Ich weise auf Twitter oder Linkedin ja öfter mal auf Adbusting-Content hin. Wer das mal selbst ausprobieren möchte, findet hier und da nützliche Hinweise. Und wer nicht lesen möchte, kann sich diese Video-Doku von des Leftstyle-Magazins Supernova ansehen.

Wenigstens für die gesteigerte Unerkennbarkeit durch Mund-Nase-Bedeckungen ist Corona bei solchen Aktionen gut.

Ich verstehe nicht, wie man das Thema so ernst nehmen kann. Werbetreibende sollten es sportlich sehen oder sich in manchen Fällen sogar geehrt fühlen, daß man ihr Motiv eines Bustings für würdig erachtet. Zumal die rechtliche Einschätzung der Strafbarkeit nicht so eindeutig, wenn nicht sogar zweifelhaft ist.

Mit der Polizei suchen sich die Buster hier aber natürlich auch einen unangenehmeren Gegner als mit Unternehmen wie Nestlé oder Marlboro.

Ad Favs again

Ich sollte mal wieder was zum Thema Werbung erzählen, ist ja meine Arbeit. Damit das kein trockener Vortrag wird, habe ich eigentlich nur ein paar Beispiele gezeigt, die mir persönlich gefallen. Und dazwischen kurz erzählt, was alle diese (nicht mehr ganz taufrischen, aber immer noch eindrucksvollen) Spots eint.

Das habe ich natürlich auch direkt genutzt, um eine weitere Alternative zu Powerpoint auszuprobieren. Bin soweit ganz angetan von Pitch.

Heldentatsächlich

Kann man so sagen, muß man vielleicht sogar. Weil es ja die Wahrheit ist.

Aber wie sie dann alle darauf einprügeln. Fühlen sich angegriffen, weil in der Bude hocken und nichts tun einen eben nicht zum Helden macht, auch wenn die Werbung ihnen das versprochen hat. Da hilft auch kein selbstvergewisserndes Schulterklopfen privilegierter Home-Officers, während sie mantra-artig „Action Bias“ vor sich herwiederholen.

Denn natürlich schwingt bei „keine Leistung“ ein gewisser Unterton mit. Es ist nicht bloß Beschreibung der Situation, sondern klingt wie ein Vorwurf. Und weil besonders Social Media kaum Dazwischen zulässt, finden sich schnell ein paar Clicktivisten, die sich diesen Schuh auch gerne anziehen. Dabei muß man gar nicht systemrelevant sein, um als unverzichtbar angesehen zu werden. Bzw. sich selbst dafür zu halten. Wenn man schon nicht an der Impforganisation oder in der Intensivstation direkt mitarbeitet und Corona an vorderster Front bekämpft, dann wenigstens jeden Tag einen neunmalklugen Tweet ablassen, um sich auf der richtigen zu Seite zu wissen.

„You’re either part of the solution or you’re part of the problem. There is no middle ground.“

Ich habe immer gedacht, der Spruch sei aus einem Rambo-Film. Jetzt überlege ich, warum Holger Meins den Satz zu „entweder du bist ein teil des problems oder du bist ein teil der lösung“ bei der Übernahme von Eldridge Cleaver umgedreht hat.

Und wie hängt das mit Kirchenvater Augustinus zusammen?

Alter!

Find’s immer wieder geil, wie die Werbebranche seit gefühlt mindestens zehn Jahren mit jeder NEUen Pressemitteilung, mit jedem NEUen Whitepaper und NEUem Fachartikel auf’s NEUe die Entdeckung von Silver-Agern als der NEUen Zielgruppe wie den allerersten, weltrevolutionierenden Schritt gegen Altersdiskriminierung – und damit natürlich auch pro Diversity – feiert.

Dabei ist man doch einfach mangels geklauter fehlender junger Kaufkraft von Gen X über Millennials bis Gen Z geradezu gezwungen, auf Boomer zu setzen. Dem vergreisenden Kapitalismus bleibt gar nichts übrig.