Abonnierenschaden

Ich halte Paywalls für einen großen Segen, ihr Wert für die Menschheit ist nicht zu überschätzen. Diese ganze unsägliche Diskussion über Filterbubbles wäre ohne den Irrweg, einfach Gratis-Content ins Internet zu kippen, niemals geführt worden.

Ich sehne mich dem Tag entgegen, an dem man nicht mehr alles gesehen und gelesen haben muß. Früher hatte man die seiner PeerGroup und den eigenen Interessen nächstgelegene Tageszeitung abonniert, ab und an ein paar Magazine gekauft. Und als vernünftiger Mensch seinen Büchergeschmack gerade am Anti-Mainstream ausgerichtet. Soweit zu den Lesegewöhnlichkeiten.

Gucken war anders: Wenn etwas Interessantes im TV lief, dann war das auch früher schon Talk of the Town – so wie jetzt auch Serien. Kino ist da nicht mehr der Vorreiter, aber adressiert immer noch die große Masse. Insofern hinkt der Vergleich natürlich nicht nur etwas.

Das wollte ich nur kurz anmerken, bevor ich die Artikel in der NZZ lese „Paywalls: Schaden sie der Demokratie?“ Ich sehe es prinzipiell eigentlich nicht ein, daß ein wenig Distinktionsgewinn hier und etwas Elitebildung da gleich demokratiezersetzend sein sollen, aber nun gut…

Da schreit doch bei Opernsubventionen auch kaum einer nach. Aber Musik ist ja sowieso egal geworden.

Mach’s gut, Dirk

Ich war nie ein Mavericks-Fan. Und Banken mag ich sowieso nicht. Trotzdem ist Dirk Nowitzki mir immer sympathisch gewesen. Anläßlich seines Karriereendes vermelden w&v und Horizont eine Abschieds-„Kampagne“ (?) von einer Accenture-Agentur für DAZN. Also dieses Filmchen.

Peinlicher Offsprecher. Kein echtes Tribute, weil alles vor „Werbung“ trieft. Zugegeben, der Hashtag #ALL41 ist gut. Aber für alles andere gilt: Sein Verein zeigt, wie man so etwas richtig macht.

PS: Wenn das alles ist, ING – sehr schwach.

It’s the örgsonomy, stupid!

Das sind zwei Seiten ein und derselben Medaille. Also hier bitte Kopf oder Zahl einfügen:

The Millennial home economy: Consumer homes into work spaces

Beim Trendbeobachter WGSN klingt das alles noch erträglich. Auch wenn man den Weichzeichner der Marketingbrille aus jedem Absatz herauslesen kann.

The sharing economy is going to innovate us into the Victorian Era

The Outline liefert dann sozusagen die harte Realität. Vielleicht sollte ich mal wieder in Hauptmanns Die Weber reinschauen.

Musikexpresswehen

Ob Linus Volkmann jetzt regelmäßig Klassiker ver- oder zerreißt, da scheint man sich noch nicht ganz einig zu sein. Aber amüsant zu lesen ist das allemal.

Oasis – Musik für Freizeit-Hools, die gern mal was brüllen, wenn sie nachts aus ihrer Langweilerkneipe stolpern – und die privat aber auch gern wandern und träumen.

„Standing On The Shoulder Of Giants“ ist Powerpop für Halbsteife

Die Mentos-Travestie im Clip zu „Big Me“ beweist, dass die Band nicht nur aus mittelmäßigen Rockern bestand, sondern sie auch das Zeug zu mittelmäßigen Comedians besaßen. Ein bisschen wie tapsige blink-182 mit der Coolness von bierseligen Lehramtsstudenten.

Foo Fighters – Dave Grohl, das freundliche Nagetier

Die Peppers und Tool hat’s auch schon erwischt. Ich habe das Tag gleich per RSS abonniert – mal gucken, was da noch kommt.

Lesestoffhose

Diesen Goncourt’schen Zeitschriftenvorschlag würde ich auf jeden Fall kaufen – und höchstwahrscheinlich dann nicht lesen.

Angefangen, das aktuelle Taschenbuch wirklich ständig in der linken Arschtasche mit mir herumzutragen. Weil das Smartphone (vorne rechts) sonst einfach zehnmal schneller gezückt ist, als daß ich ein Buch aus den Tiefen meines Rucksacks gefischt habe.

Das hat zwei nebeneffektive Vorteile:
1. Ich habe eine Ausrede, keine ewig dicken Wälzer mehr mit mir herumzuschleppen.
2. Damit selbst mäßig voluminöse Paperbacks reinpassen, kann ich nur noch bequeme Baggy-Jeans tragen.