Bitte nicht Chanel Couture mit Cancel Culture verwechseln

Was soll ich noch zum Sommerlochthema sagen, wenn Margarete Stokowski im Spiegel doch schon fast alles WRichtige geschrieben hat? Halte ich die Klappe? Nein. Ich könnte ja meinen spezifisch werbeweltlichen Senf zur Abkanzelungskultur dazugeben.

Es hat schon immer ein paar Regelungen und Verbote gegeben, an die Werbung sich zu halten hat. Wettbewerbsverzerrung ist nicht okay, Alkohol- und Zigarettenwerbung nur an bestimmten Orten und nicht an Kinder. Grob lügen geht auch nicht, aber beschönigen geht in Ordnung. Wenn einen nicht gerade die Konkurrenz anschwärzte, hatte man wenig zu befürchten – höchstens eine Rüge vom Werberat wegen sexistischer Botschaften. Und die ist als provokativer Möchtegern-Multiplikator oft mit eingeplant.

Ich habe das Gefühl, hier ändert sich etwas. Und ich rede hier nicht über letztendlich geschmäcklerische Shitstorms auf Social Media. Da wird sich hinterher entschuldigt, niemand nimmt einem diese Entschuldigung ab und zwei Wochen später interessiert es nicht mehr. Ich meine gefühlt häufigere Werbeverbote, hier einige Beispiele aus letzter Zeit:

Es ist allerdings keine Richtung erkennbar, gecancelt wird sowohl aus progressiven wie auch reaktionären Gründen. Das ist wahrscheinlich je nach Land und Behörde unterschiedlich gewichtet. Blöd nur, daß beides dann auf die Legende einzahlt, man dürfe ja nichts mehr sagen.