Heldentatsächlich

Kann man so sagen, muß man vielleicht sogar. Weil es ja die Wahrheit ist.

Aber wie sie dann alle darauf einprügeln. Fühlen sich angegriffen, weil in der Bude hocken und nichts tun einen eben nicht zum Helden macht, auch wenn die Werbung ihnen das versprochen hat. Da hilft auch kein selbstvergewisserndes Schulterklopfen privilegierter Home-Officers, während sie mantra-artig „Action Bias“ vor sich herwiederholen.

Denn natürlich schwingt bei „keine Leistung“ ein gewisser Unterton mit. Es ist nicht bloß Beschreibung der Situation, sondern klingt wie ein Vorwurf. Und weil besonders Social Media kaum Dazwischen zulässt, finden sich schnell ein paar Clicktivisten, die sich diesen Schuh auch gerne anziehen. Dabei muß man gar nicht systemrelevant sein, um als unverzichtbar angesehen zu werden. Bzw. sich selbst dafür zu halten. Wenn man schon nicht an der Impforganisation oder in der Intensivstation direkt mitarbeitet und Corona an vorderster Front bekämpft, dann wenigstens jeden Tag einen neunmalklugen Tweet ablassen, um sich auf der richtigen zu Seite zu wissen.

„You’re either part of the solution or you’re part of the problem. There is no middle ground.“

Ich habe immer gedacht, der Spruch sei aus einem Rambo-Film. Jetzt überlege ich, warum Holger Meins den Satz zu „entweder du bist ein teil des problems oder du bist ein teil der lösung“ bei der Übernahme von Eldridge Cleaver umgedreht hat.

Und wie hängt das mit Kirchenvater Augustinus zusammen?

Manduh

Das Ding muß ich einfach zu Dokumentationszwecken hier festhalten, weil ich es mir seit drei Tagen immer wieder angucke und auch mein Sohn mittlerweile mitlacht. (Wir schauen die eigentliche Serie gerade zusammen.)

Mir wurde der Mini-Sketch über Twitter bekannt und erst jetzt beim Aufschreiben sehe ich, daß dieses Video nicht das Original ist. Bitter, weil die kopierte Datei dort mittlerweile mehr Views hat als der ursprüngliche Upload auf YouTube. Und da bringt es auch recht wenig, wenn in einem kaum beachteten Folgetweet der eigentliche Schöpfer genannt wird.

Ich bin nun wirklich nicht gerade Copyright-Ultra und verlange kein ausführliches Quellenverzeichnis, aber was ist so schwer daran, den Scheiß einfach zu verlinken?! Im Gegenteil, ein Link wäre ja sogar leichter zu posten als etwa ein Screenshot. Antwort: Soziale Medien belohnen dieses Verhalten eben sogar.

Ich brauche auf LinkedIn und Xing eine Einstellungsoption, von Leuten mit der Jobbezeichnung „Entrepreneur“ nicht angeschrieben werden zu können.

Sonntag war wohl wenig los. Sonst wäre dieser Artikel über ein Kombiangebot Porsche+Jet auf Twitter nicht dermaßen steilgegangen. Ich hatte die Meldung bereits vor einer Woche in meinem kuratierten YellowPress-Flipboard verlinkt.

Es liegt wahrscheinlich weniger an den beiden Ausgangstexten als an den Tweets dazu. Vor sieben Tagen sah das bei der werben&verkaufen so aus:

2 RTs, kein Fav. Schon bitter, daß ein Wirtschaftsmagazin vorgestern dem Marketingorgan zeigt, wie man so etwas engagiger anpreist. Ein wenig Polarisieren im Text, schnittigeres Vorschaubild und eben der richtige Zeitpunkt fürs Posting.

Da wir gerade bei Kombis sind: In die Sitzbank eines Gränkeherstellers, unter die seine Kästen genau passen, würde ich sogar investieren.

Faden verloren?

Was ich noch nerviger als Laber-Podcasts finde, das sind Threads auf Twitter. Habe ich wohl auch schon das eine oder andere Mal erwähnt. Damit es nicht ganz so schlimm ist, gibt es einen praktischen Service namens Thread Reader App. Hier drei lohnende Bespiele:

Die konnte man früher doch sogar embedden, oder? Aber muss ja nicht sein, Links tun es auch. Schön ist Thread Reader App nicht, voller Werbung und bei bildreichen Threads besonders mit unterschiedlichen Formaten schnell unübersichtlich. Aber beliebt, man muß oft gar nicht selbst @threadreaderapp mit „unroll“ replyen – oft hat das direkt unter dem Thread bereits jemand anders getan.

Viel schicker ist sicher die App Threader. Und wird deshalb sicherlich irgendwann eingestellt werden. So wie eine ganze Reihe vielversprechender delicious-Nachfolger mittlerweile wieder weg vom Browserfenster sind. Während ich immer noch leidlich gut mir diigo fahre.

Rest In Screenshot vs. Scroll In Peace

Von der Partei der immobilienschweren Startupfutzis, gewissenlosen Zahnarztsöhninnen und überambitionierten BWLer erwarte ich inhaltlich wenig anderes, obwohl so ein empathieloser Tweet einen Tag vor Weihnachten selbst für eine „liberale“ Politikerin bemerkenswert merkbefreit ist.

Was mir bei solch einer Äußerung der u.a. bildungspolitischen Sprecherin der FDP-Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag auch unangenehm auffällt: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Also immerhin schon zwei Gründe, sich diesen Film in der besinnlichen Zeit zwischen den Jahren mal wieder anzusehen.

Anita Klahn hat ihren Tweet übrigens gelöscht, weil „der Kontext nicht klar erkennbar war und zu Fehlinterpretationen führte„. Aus keinem anderen Grund.

Zurückgespult

Ein paar Hintergrundinfos zum heute Morgen geposteten Stöckchen.

Die Reihenfolge bildet schon die Konsumhäufigkeit ab. Ich kann mit Sicherheit sagen, daß ich keinen Film öfter gesehen habe als Clerks – Die Ladenhüter. Wenn ich schätzen müßte, würde ich auf mehr als 37 Mal ungefähr 50 Mal tippen. Ich konnte den unsynchronisiert wirklich von der ersten bis zur letzen Minute auswendig.

Einschub: Wir reden hier über die Prä-Onlinestreaming-Ära. Seit ich 15 war, hatte ich einen eigenen Fernseher in meinem Zimmer; ab 16 dann auch einen Videorekorder. Ich habe Unmengen aufgenommen, viele Klassiker von arte oder 3sat, aber auch Blockbuster, die zur Primetime bei den Privaten liefen.

Manche Videos liefen einfach jeden Nachmittag wieder und wieder nebenher, während ich Hausaufgaben gemacht oder gegessen habe. Bei Platz 2 bin ich mir auch ziemlich sicher: C’est arrivé près de chez vous, wie der belgische Film im Original heißt, würde ich auf etwa 20 Sichtungen veranschlagen.

Daß Pulp Fiction mitten in den Top5 landet, ist wohl keine große Überraschung. Tarantinos Regiedebüt würde ich als einzigen wirklichen „Kultfilm“ meiner Generation bezeichnen. Er ist auch der einzige Film in dieser Liste, den ich bei Erstveröffentlichung direkt im Kino gesehen habe. Und mir seitdem vielleicht noch ein Dutzend Mal angeschaut habe.

Platz 4 ist der erste Film, der nicht aus der ersten Hälfte der 90er-Jahre stammt. Harry und Sally finde ich allerdings bis heute stöhnend schreiend komisch, genrebildend und seitdem von keiner anderen RomCom erreicht. Bis zu 10 Mal gesehen, schätze ich.

Ab hier ist die Schätzung nicht mehr möglich. Schlußlicht der Liste könnten genauso gut Casino, Kentucky Fried Movie, The Player, Citizen Kane, Akira, Tote tragen keine Karos oder alles von Kubrick sein – alle mehr als fünf Mal gesehen. Letztlich habe ich Spiel mir das Lied vom Tod auf Platz 5 gesetzt, weil ich keinen Film öfter auf der ganz großen Leinwand gesehen habe, nämlich vier Mal – darunter auch mein einziger Kinobesuch zusammen mit meinem Vater überhaupt.

Ausschub: Die Sammlung Hunderter Videokassetten habe ich übrigens vor ein paar Jahren weggeschmissen, es war eine ganze Mülltonne voll. Der Videorekorder hatte bereits geraume Zeit davor den Geist aufgegeben.