verkracht & existent

EurotrashEurotrash by Christian Kracht
My rating: 4 of 5 stars

Der Roman ist selbstredend nicht so (darf man sagen?:) gut wie der Vorgänger. Gelesen habe ich trotzdem auch sehr gerne, aber ich bin ja auch Fan von Spielchen mit der vierten Wand, Intertextualität und so. Ein paar wirklich gelungene Szenen sind drin, wirkt jedoch nicht durchkomponiert, eher wie eine Fingerübung.

Und erinnert nur mich der Titel an Goetz‘ Abfall für alle?

Das kommt noch dazu

Wozu, das erkläre ich dann später. Hier erst einmal Mark Schaefers fünfte und letzte Wahrheit über Social Media, die da lautet: Nobody really wants you to be authentic.

“Authenticity” is by far the most over-used and abused word on the social web. The most common definition of “authentic” is “true and accurate.” If I was presenting a true and accurate version of myself right now I would say that I am a bit gassy after that Mexican food at lunch.

Nobody wants to know that stuff and nobody wants to talk about it either. Whether you’re a person or a brand, you are always presenting a shiny idealized version of your authentic self. It has always been this way and it will always remain this way.

Nobody is authentic, but you can be kind and honest. There is a difference.

Und auf das Feld der Kunst übertragen: Samuel Hamen hat bereits vor einem halben Jahr über die Lektüre unliterarischer Biographien gerantet.

Es geht um Größeres, und so sind dann viele dieser sozialkritisch durchaus wichtigen Romane selbstvergessen und erzähltechnisch anspruchsarm.

Dieser Schwund an erzählerischen Möglichkeiten wird von diesen authentizistischen Schreibverfahren nur zu gerne in Kauf genommen. Schließlich steht ja nichts weniger als das Leben auf dem Spiel.

Mehr dazu in Kürze. Stay turned tuned!

Bein armputiert

Lese derzeit auf dem Smartphone mehr „Bücher“ als etwa meine gespeicherten Instapaper-Artikel. Nach dem halben SuKuLTuR-Katalog nun Das Ende von Eddy. Derweil stapelt sich zuhause das Papier bzw. verknickt im Rucksack.

40

“Bunte als Gleitmittel und Tag für die erschlafften Buntschriftsteller und die grauen, verhärmten, eines Erfolges harrenden, oder auf Erklärung von oben spekulierenden Betriebsheinis mit ihren versessenen, nicht mal versoffenen Hintern.”

Aus: Cotten, Ann. “Das Pferd.” – iBooks

The Hals, my friend, is wendin‘ in the wind

Selbstverständlich muß eine Zeitung, zumal eine große, nicht mit und aus jedem ihrer Artikel sozusagen zentralorganisch mit einer einzigen Stimme sprechen. Im Gegenteil. Einer Redaktion steht ein gewisses Maß an pluralistischer Meinungsvielfalt gut zu Gesicht.

Aber wenn man sich diese beiden FAZ-Artikel durchliest, dann wird man doch ein wenig stutzig, so vong Begriff her. Am gestrigen 13. Oktober 2016 schrieb Andreas Platthaus anläßlich der diesjährigen Verleihung des Literaturnobelpreises:

Dylan ist in seinem Fach unumstritten, und er hat eben überall zahlreiche Bewunderer unter Autoren – seine Lieder sind ein globale(s) Phänomen. Ein unpolitischer Autor ist er keineswegs, aber er will nicht die Welt verbessern, sondern immer wieder die eigenen Songs, und damit hat er die Literatur immens bereichert. Schön, dass das nun die höchste Anerkennung in diesem Fach findet.

Derselbe Autor an gleicher Stelle vorher, FAZ vom 10. August 2014, also vor gerade mal etwas mehr als zwei Jahren:

Seit Jahren wird er als Mitfavorit gehandelt, doch bei den britischen Buchmachern, unter deren heißen Kandidaten sich in den letzten Jahren immer die späteren Gewinner fanden, ist Dylan krasser Außenseiter. Zu Recht, denn egal, für wie gut man seine Liedtexte, für die er ja den Preis bekäme, auch hält – das implizite Zugeständnis, dass man keinen Schriftsteller gefunden hätte, den man für besser hielte als Dylan, wäre doch wohl eine von der Jury selbst als Bankrotterklärung der Literatur empfundene Entscheidung.

Nunja. Interessant allerdings, welche Favoriten – und in der Zwischenzeit tatsächliche Preisträger – der Text damals schon aufzählt. Und wen nicht.

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