Alle Artikel in der Kategorie “Reklamierung

Kommentare 0

for real

Ich hatte eigentlich im Kopf, daß der schmale Katalog, der vor zweidrei Wochen der ZEIT beilag, Humanitas Versand hieß. Oder so ähnlich. Nun ist das nicht gerade gut zu googlen, blöd für den Versandservice. Denn bei wagner-sicherheit.de/ bekommt man folgendes Gerät für fast zwanzig zehn Euro billiger.

katalogausschnitt

Nunja, ZEIT-Leser ticken wohl anders - zumindest diejenigen der Printausgabe. Wer weiß, vielleicht hätten sich meine gerade urlaubenden Nachbarn dieses Gerät ja nach ihrer Rückkehr aus der Toscana gekauft, wenn ich ihnen nicht die tagelang im Treppenflur liegende ZEIT und damit auch diesen Katalog vorenthielte. Ich hätte da allerdings noch einen alternativen Marketingansatz im Sinn, der die Zielgruppe von einem anderen Produktstandpunkt aus anspricht, falls man aus Überzeugung gar keinen Fernseher besitzt.

Billiger als jeder Nachbarschaftsstreit!
Fernsehsimulator »Fake TV«
Als Zeit-Abonnent und damit möchtegernelitärer Einbildungsbürger kennen Sie das: Sie sind in weiser Voraussicht in einen kommenden Szenekiez gezogen und nun läßt die Gentrifizierung gerade in Ihrer Straße auf sich warten? Jetzt heißt es, sich zumindest zeitweilig den Anschein von Unterschichtensympathisanz zu verleihen, um den Nachbarn das Gefühl zu geben, Sie seien einer der Ihren. Hier leistet das dank neuester LED-Technologie äußerst sparsame Gerät mit den Maßen 8 x 7 x 5,5 cm gute Dienste. Stellen Sie das Gerät mit integriertem Lichtsensor und steuerbarer Laufzeit einfach auf den Fischgrätparkettboden Ihres Altbauwohnzimmers, während Sie in der Küche mit Ihrer Frau bei einem Glas guten Rotweins über Selbstverwirklichung und Zukunftspläne diskutieren. Oder schweigend in Ihre Smartphones starren. Der scheinbar laufende Fernseher sendet eine klare Botschaft an proletarische Nachbarn: »Hier ist jemand von Euch«.

Now playing: Flimmern.

Kommentare 1

Erkennt die Zeichen

Weil es als Tweet dann doch meist zu schnell vorbeirauscht: Heute erschien auf horizont.net/ die Meldung über die erste Arbeit von thjnk für RWE. Die Agentur hat den Job vom vormaligen Etathalter Jung von Matt übernommen. Kernstück ist dabei wohl folgender TV-Spot.

Ein paar Zitate aus der gewohnt vollmundig formulierten Pressemitteilung dazu:

... stellt RWE die Menschen in den Mittelpunkt, die schon heute die Energiewelt von morgen gestalten ... viele Vorweggeher überall in Deutschland gemeinsam aktiv ... Wir-Gefühl wirkt mitreißend und entlastend zugleich: Keiner muss die Energiezukunft alleine stemmen, jeder einzelne kann aber daran mitwirken. Mit Leistungsstärke, ... Versorgungssicherheit und mit innovativen Angeboten will RWE ...

„Unser Land geht voRWEg“, das ist die zentrale Aussage der Kampagne ... Landmarks kennzeichnen sowohl Energiezukunftspunkte als auch Menschen, die bereits voRWEg gehen. Dieser Ansatz macht aus dem Markenversprechen „voRWEg gehen“ ein gesellschaftliches Projekt.

Soweit das Blabla, Appell an den Nationalstolz, etc. Man könnte fast vergessen, daß RWE auch Atomkraftwerke besitzt. Und da haben wir noch gar nicht von Garzweiler und Braunkohle angefangen. Nun kamen mir gerade diese Landmarks ziemlich bekannt vor. Das nachfolgende Bild zeigt eine Installation von Aram Bartholl im Rahmen seiner Austellung Hello World! im Kasseler Kunstverein. Es ist nicht die erste ihrer Art, der Künstler stellt diese aus Google Maps entlehnten Verortungssymbole seit Jahren rund um den Globus auf, wie man nach dem Klick auf das Bild an einem 2012 erschienen Gestalten-Buch sehen kann. Gerade die Photos darin vom Aufstellen der Landmarks ähneln der Anfangssequenz des TV-Spots doch sehr.

Nun ist der Grad zwischen Ideenklau und Inspiration ein schmaler. Aber unter diesen Vorzeichen hat es natürlich schon etwas Seltsames, wenn auf der Website - unter diesen Umständen hätte ich natürlich auch eine Micropage vorgezogen, siehe Verlinkung oben - vorweggehen.de/ nach allerlei komischem Zeug über "verletze Organe" und "leitende Angestellte" im Disclaimer dann unter Punkt 4 Urheberrecht zu lesen ist:

Der Inhalt der RWE Website ist urheberrechtlich geschützt. Die Vervielfältigung von Informationen oder Daten, insbesondere die Verwendung von Texten, Textteilen oder Bildmaterial bedarf der vorherigen Zustimmungen der RWE AG. Die Bildrechte liegen – soweit nicht anders vermerkt – bei RWE.
Das Kopieren und unerlaubte Nutzen, sowohl bei kommerzieller als auch nicht-kommerzieller Nutzung ohne vorherige Genehmigung der jeweiligen Rechteinhaber ist untersagt.

Das zieht sich übrigens durch bis zu den beiden Twitteravataren des Künstlers und der Kampagne. Ich will ja nicht unken, aber "voRWEg gehen" sieht anders aus.

avatarvergleich

Zumal die Claimidee mit dem in den Wörtern großgeschriebenen Firmennamen RWE noch von der alten Agentur JvM stammt. Da ist es doch wenigstens konsequent, daß thjnk die Kunstinitiative add art unterstützt.

Bonuslevel // Wie man in diesem Screenshot sehen kann, steht mein Tweet ohne Namensnennung auf der thjnk-Website. Dort scheint man entweder ungenau zu programmieren oder sich gerne mit fremden Federn zu schmücken. Aber in jedem Fall wenig auf so etwas wie Monitoring zu geben. Hat wahrscheinlich was mit diesem "neue Agentur"-Ding zu tun.

Nachschlag // Hinweis erhalten. Das kann ja nur Zufall sein.

dumm_GElaufen

Kommentare 0

“Stich!”

Fundstück des Monats // Am Wochenende bei meinen Eltern gewesen, auf der Suche nach alten Gameboyspielen dieses Autoquartett in einer Schublade gefunden. Das ist noch in Cellophan eingeschweißt gewesen, also nie zuvor benutzt worden. 2002 habe ich schon vier Jahre nicht mehr dort gewohnt.

gigatrumpf_sportwagen

Ich war nie ein großer Deutschrapfreund, lieber das US-Zeug. Meine mich aber zu erinnern, daß die Massiven Töne noch eine der erträglicheren Combos waren, damals. Bis sie eben dieses alberne Lied veröffentlichten. Aber wenigstens in der Wahl des Werbemittels etwas Stil bewiesen.

tumblr_l43uvzR25J1qzgjfco1_500
Kommentare 0

gesamtkunsTwerking

Es gibt eine Rubrik in der New York Times namens Texas Monthly, aber das nur am Rande. Darin neulich der Bericht darüber, daß dem relativ bekannten Werk Prada Marfa die Aberkennung als Kunst drohe, weil eine Behörde es als Marketingmaßnahme einzustufen gedenkt. Und Werbung im öffentlichen Raum unterliegt selbst im Land of the Free bestimmten Reglementierungen - die Adobe-Bude mit dem Logo des Luxuslabels dürfte damit in dieser Form nicht weiter existieren.

Untitled

Wobei die beiden Installateure Michael Elmgreen und Ingar Dragset in der Verteidigung ihrer Schaffens eine erstaunliche Naivität an den Tag legen. Miuccia Prada höchstselbst hat ihnen nicht nur die Verwendung des Markenlogos abgesegnet, sie hat auch eigens die in den zwei Schaufenstern ausgestellten Schuhe ausgesucht und kostenlos zur Verfügung gestellt. Sich auf den formalen Standpunkt zurückzuziehen, sie wären doch von jemand anderem als Prada für ihre Arbeit bezahlt worden und überhaupt sei das Werk "meant as a critique of the luxury goods industry," greift viel zu kurz. Als ob Kunst und Kommerz sich auschließen würden.

Prada ist da dialektisch einen ganzen Schritt weiter und hat beispielsweise als eines der ersten Modelabels verstanden, daß Fake-Produkte ihnen nicht schaden, sondern im Gegenteil kostenlose Werbung sind. Und spätestens, wenn ein Celebrity publicitywirksam in Marfa vorbeischaut, dann ist die Intention der zwei Schweden komplett ad absurdum geführt.

It's the context, stupid!

Der Highway Beautification Act existiere seit 1965, da hätte man schon früher drauf kommen können? “If it really is against the regulations, they should have found out in 2005 when it was erected,” lässt sich Elmgreen zitieren. Das Problem liegt wohl doch woanders, nämlich einige Kilometer die Straße weiter. Seit der Playboy ein ungleich protzigeres Sponsorhip in den Wüstensand geklotzt hat, sieht man auch das Original wenn nicht mit anderen Augen, so doch zumindest aus einem anderen Blickwinkel.

Revolution via

Apropos außergewöhnliche Werbung: Wie man als Fast Food Company auf Pornsites wirbt, daß hat eat24 in einem amüsanten Blogpost festgehalten. Wer keine Lust auf die englische Sprache hat, der kann sich eine der lahmen deutschen Nacherzählungen reinziehen.

ⓒ Elmer van der Marel
Kommentare 1

Erste Worte

Hier eine Liste der Anfangswörter, mit denen Amir Kassaei seine Tweets einzuleiten gedenkt. Es ist die tatsächlich lückenlose Dokumentation seiner Äußerungen vom 24. Juni bis zum 05. Juli 2013, ausgenommen lediglich die von ihm versendeten Reply-Botschaften. Er hat 27mal getwittert in den letzten zwölf Tagen.

Great
Amazing
Interesting
Awesome
Wow
Great
Cool
Nice
There
Looks
Lunch
Interesting
Last
Good
Cool
Interesting
Nice
That's
That's
My
Leider
Our
Making
Interesting
Great
Nice
Great

Die Liste könnte ewig so weitergehen, ich habe sie mal (vom Rückwärtsgang aus gesehen vor, also zeitlich gesehen eigentlich) nach dem Werbefestival von Cannes gestoppt, dort ist dann jeder zweite Tweet ein Hinweis auf von seinem Agenturnetzwerk gewonnene Löwen, die andere Hälfte verlinkt zu von Kassaei selbst gegebenen Interviews. In denen er übrigens gerne erzählt, Werber könnten sich Phrasendrescherei nicht mehr leisten.

Und ach ja: Jemand könnte dem internationalen Chief Creative Officer von DDB auch mal sagen, daß der in seinem Twitterprofil angegebene Link nicht mehr funktioniert. Weil der Service Posterous bereits vor einiger Zeit eingestellt worden ist. // Update 1: erledigt.

Update 2: Scheinbar völlig verdrängt, daß jemand diese Teaser schon vor Monaten in eine Infographik gepackt hat. Habe damals dort sogar kommentiert, wie man sieht.