Siebzig Jahre danach

Wie sehr mir die Marketing-Denke in Fleisch und Blut übergegangen ist: Ich kann nicht anders, als die eine Woche vor Weihnachten überall veröffentlichte Meldung über die nun endsieglich gesicherte Eineiigkeit des GröFaZ als einen zweifelhaften, aber dennoch gelungenen PR-Coup zum Ende des Copyrightschutzes von »Mein Kampf« zu verstehen. Seit dem 1. Januar 2016 an ist Adolfs Machwerk gemeinfrei. Schlimm.

Von alten Hüten und schicken Geschenkverpackungen

Soundtrack zum Durchscrollen dieses Posts: das Geräusch eines im Grab rotieren Bill Bernbach. Dazu meditativ über die Frage nachdenken, was zuerst da war: die „Creative Christmas Gifts“ oder die „Creative People“.

Keine Ahnung, wie lange es die Notfallfliege schon gibt. Kaufen kann man sie hier, ein mehr als 1,5 Jahre altes Video findet sich dort.

Der Eintrag bei des Thumb Wrestling Rings auf This Is Why I’m Broke ist mehr als drei Jahre alt. Wer es nicht kaufen will, kann im Netz mittlerweile Anleitungen finden, um das Ding selbst zu bauen.

Betreff Nr. 3: Die Google-Suche liefert zu Toilet Shot Glasses „ungefähr 3.360.000 Ergebnisse (0,52 Sekunden)“. Aber immerhin ist das die erste Nummer mit erkennbaren Reaktionen – 1 RT eines gnadenlosen Selfpromoters und 1 Fav aus der eigenen Firma.

Apropos „shitty ideas“, da verlinke ich das nächste Produkt einfach direkt bei Amazon, aber ohne Affiliategedöns.

Dazu wenigstens noch einen Branchenwitz gepackt: Haha Wochenendarbeit, verstehste? Mir ist allerdings schleierhaft, wie man beim langweiligen Durchexerzieren einer lahmen Idee ohne Stringenz auch nur eine Überstunde zusammenbekommt.

Da kann man sich anhand der Google-Bildersucheegebnisse zu „The upright sleeper“ ja vielleicht mal Gedanken über 1:1 abillustrierte Originalphotos machen.

Scheint wohl doch anstrengender zu sein, als ich dachte. Oder ist es etwa durch reine Lustlosigkeit zu erklären, daß DDB keine 24 Posts für einen anständigen Adventskalender zusammenbekommen hat? Dabei gehen die doch immer, alte Werberweisheit.

Ach nee, halthalt. Handerpants haben immerhin eine eigene Website. Aber was sie nicht haben ist „wifi included“. Wow, was für eine Eigenleistung einer laut Selbstbeschreibung „Kreativagentur“.

Mir gehen schon die Stänkereien aus, deshalb hier einfach nur der Link zu einer mehrhenkeligen Tasse, die statt „Group Mug“ Octo Cup heißt.

DDB presents "Creative Christmas Gifts For Creative People".#8 Grassy Flip-Flops: It's Germany, it's winter and you're in the office? Gotta find joy in the little things.

Posted by DDB Germany on Dienstag, 22. Dezember 2015

Doch, ein Rausschmeißer noch: Auf Facebook spielen DDB einfach dasselbe Programm. Was vielleicht die Formatwahl erklärt. Wobei Instagram (ein Kanal, den sie gerade nicht bespielen) das Quadrat ja auch schon länger hinter sich gelassen.

Google war’s

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Daß Du, wie oben zu sehen (Screenshot echt bis zur Unterkante meines Fensters), Deine Suchergebnisse dermaßen unter Werbung begräbst, so daß man die wirklich für einen relevanten Links mittlerweile mit der Lupe (haha!) suchen muß, ist einer der Gründe, warum ich als Default-Suchmaschine in allen Browsern DuckDuckGo eingestellt habe – und damit leidlich zufrieden bin.

Kann Dir wahrscheinlich egal sein, ich nutze viele Deiner Services immer noch regelmäßig. Wenn auch die meisten davon über die Interfaces von Drittanbietern; die sind meist nutzerfreundlicher – und ich bleibe von Werbung z.B. bei der Bearbeitung von Mails verschont. Eine Tatsache, die Dir wohl nicht ganz so gut gefällt, Google. Oder wie ist es anders zu erklären, daß Du mir solche Termine direkt in meinen Kalender schreibst? Geht’s noch?

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Daß Du Dich an dem ganzen Star Wars Hype beteiligst: geschenkt. Ich lasse einfach so etwas wie den Lichtschwerterquatsch links liegen. Ich ertrage sogar die nervigen Fortschrittsbalken auf YouTube. Aber bloß, weil ich mich vor Wochen für die helle Seite der Macht entschieden habe, um mir aus beruflichem Interesse anzusehen, wie weit Du Deine Marketingaktivitäten treibst, kannst Du nicht einfachen dermaßen in meine Privatsphäre eindringen. Aktive Zustimmung meinerseits: Fehlanzeige.

So empfinde ich das Manipulieren meiner persönlichen Kalenderinhalte nämlich – als aufdringlich und unangemessen. Wie von sich selbst eingenommen muß man sein, um so eine Aktion wahrscheinlich für praktisch zu halten? Das ist nichts als creepy, Google. Du hast (mal wieder) eine Grenze überschritten.

Super Weihnachtsmarkt

Nun ist der große Hype um den Weihnachtsspot von Edeka vorbei. Stand heute 16:00 Uhr hat das Ding über 40 Mio. Views auf YouTube, berichtet worden ist über den Viralhit sogar im fernen Amerika. Und dann gibt es da jetzt noch den TVC vom Supermarkt-Konkurrenten REWE. Wenn Sie bitte mal schauen mögen:

Was gab es im Vorfeld für ein Bohei um REWEs Agenturwechsel. Statt Heimat ist nun thjnk für die Kommunikation der Handelskette zuständig. Und liefert mit dem ersten Spot wie der direkte Wettbewerber ebenfalls eine gefühlvolle Arbeit ab – so gehört es sich schließlich für die Jahreszeit und das Familienfest der Liebe.

Aber um wieviel altbackener, vorhersehbarer kommt diese Werbung daher. Es muß ja nicht immer einer total provokante Idee sein, doch auch die Umsetzung ist etwas langweilig geraten: von den Darstellern bis zur musikalischen Untermalung. Das Übelste in meinen Augen jedoch: die verantwortliche Agentur sieht sich offenbar genötigt, auf Facebook in Eigenregie Werbung für seine Werbung zu schalten. Uh.

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Durch den direkten Vergleich ist die Arbeit von Jung von Matt für Edeka noch mehr im Kurs gestiegen, wie mir scheint.

unsaubere Sache

Wenn man marlboro.de in die Adresszeile des Browsers eingibt, passiert gar nichts. Auf marlboro.com komme ich nur mit einem Account weiter. Und die Website des Mutterkonzern Philip Morris gibt pmi.com auch nicht viele Infos her. Deshalb zitiere ich mal smokersplanet.de – liest sich jedenfalls so, als hätten sie die offizielle Pressemitteilung zur Handelseinführung der MARLBORO ADVANCE BLUE ohne Änderungen einfach irgendwo abgeschrieben.

Die innovative ClearSense™ Technologie besteht aus drei Features: Der nach innen versetzte ClearTip™ FILTER sorgt für weniger Kontakt mit dem Filter und bietet durch die dreifache stabile Ummantelung einen sauberen Weg die Zigarette auszudrücken. Speziell ausgewählte ClearSelect™ TOBACCOS stehen für angenehmen Geruch und das neuartige, extraweiße ClearWrap™ PAPER sieht nicht nur gut aus, sondern sorgt auch noch für weniger lockere Asche.

Begleitet wird die Einführung dieser „absoluten Neuheit auf dem deutschen Tabakmarkt“ mit einer OOH-Kampagne, zu sehen hier auf einer sich automatisch drehenden Litfaßsäule am Kölner Barbarossaplatz.

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Wenn Begriffe wie „light“ etc. im Zusammenhang mit Zigaretten aus gutem Grund seit 2003 verboten sind: Wer hat dann die Headline

A CLEARER SMOKING PLEASURE

hier durchgewunken? Ist das Kundenwunsch oder Agenturidee gewesen? Vielleicht einfach mal beim Deutschen Werberat nachfragen. Wäre ja schließlich nicht das erste Mal, daß Marlboro-Werbung zu Beanstandungen führt. (siehe Updates hier)