knock knock

Anläßlich des Kinostarts von „Searching“ hat Quotenmeter vor einigen Wochen tief in die Referenzkiste gegriffen (also ganz interessant zu lesen) und dabei u.a. auch auf dieses Video verwiesen.

Da mußte ich dran denken, als Weezer vor ein paar Tagen einen neuen Song rausgehauen haben. Im Video wird nämlich auch getextet, sogar während des Autofahrens.

Der Song klingt nicht umsonst un-weezy. The Outline ist gar nicht begeistert über die Anleihen bei, die Hommage an, die Verdrehung von einem der ersten Jay Z Hits.

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Gangster Squad

Ich mag ja so Retro-Gangsterfilme. Scorseses Goodfellas oder Casino, selbst Boardwalk Empire gefällt mir als Serie. Mein Lieblingsfilm der Coen-Brüder ist der zu Unrecht etwas unbekanntere Miller‘s Crossing. Ich habe als Kind schon Die Unbestechlichen in schwarz/weiß gesehen. Dick Tracy als Comic und dann hatte auch die Verfilmung mit Warren Beatty und Madonna bei mir Bonuspunkte. Später dachte ich dann, Al Pacino als Gangsterboss und Dustin Hofmann als Murmler haben sich absichtlich bis zur Unkenntlichkeit schminken lassen, damit man nicht sofort erkennt, daß sie sich für solch ein quietschbuntes Popcornkino hergegeben haben. Und als ich neulich meine ausufernde, zugestaubte VHS-Sammlung in die Tonne gekloppt habe, da war ein nicht unerheblicher Anteil der Kassetten mit Film-Noir-Klassikern dabei.

Und jetzt also Gangster Squad.

Eine Szene. Wegen einer Szene mußte ich fast ein halbes Jahr auf den Streifen warten. In dieser Szene haben wütende Mafiosi in einem Theater unschuldige Zuschauer während einer Vorstellung erschossen. Das war den Produzenten wohl zu nah an den tatsächlichen Geschehnissen in einem Kino der US-Stadt Aurora, als dort im Sommer 2012 ein Amokläufer mitten in der Premiere des letzten Batman-Movies den Saal stürmte und zwölf Menschen tötete und viele weitere verletzte. Insofern finde ich die Verschiebung mehr als nachvollziehbar. Besagte Szene ist dann sogar für mehrere Millionen umgedreht worden. Obwohl Gangster Squad eigentlich auf einer wahren Begebenheit basieren soll.

Nun hat das Warten ein Ende. Der Film ist endlich in Deutschland angelaufen und kann mit einer beachtlichen Besetzungsliste aufwarten: Sean Penn, Nich Nolte, Ryan Gosling, Emma Stone oder Giovanni Ribisi, allein das macht ihn wahrscheinlich sehenswert. Ich bin gespannt, was Regisseur Ruben Fleischer (bisher außer für TV-Sendungen nur durch Zombieland aufgefallen) aus der scheinbar soliden Story rausgeholt hat. Es geht um eine geheime Spezialeinheit, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg das organisierte Verbrechen in Los Angeles bekämpft. Wegen des verschobenen Start wird der Film bei den Oscars jedenfalls leer ausgehen.

Der hat gesessen!

Also ich habe gesessen, wenn auch (diesmal) nicht im Knast. Insgesamt zwölf Stunden am Wochenende, auf Sitzgelegenheiten, die sich „Sessel“ zu nennen die Frechheit besitzen. Aber der Sitzreihe nach:
Am Samstag Abend bin ich ins Kino gegangen, Der seltsame Fall des Benjamin Button sollte um 19.30h beginnen, unterstützt von einer langen Kassenschlange bin ich dann um zehn vor 20h endlich im Saal, da hat der Film noch nicht einmal angefangen. Werbung kann man ja ruhig verpassen. Die 166 Minuten des Films selbst laufen dann angenehm unspektakulär ab. Zwar drängen sich mir irgendwie Vergleiche mit Forrest Gump auf und ich habe das unbestimmte Gefühl, aus dieser außergewöhnlichen Grundidee hätte man mehr machen können. Doch dieser ruhige Erzählfluß hat mir sehr gefallen, muß ich sagen. Mal wieder ein guter Fincher.
Danach ein Bier getrunken und direkt in den nächsten Kinosaal gesetzt. Zwei Filme zu einem Preis, das habe ich das letzte Mal vor über fünf Jahren gemacht; damals allerdings mit einem Freund und einem ganzen Rucksack voll Bier – die Studentenzeit. Watchmen hat mich, wie zuvor 300 vom selben Regisseur, nicht wirklich überzeugt. Viel mehr als ein paar gelunge Bilder gibt es nicht zu sehen. Die Story bleibt wieder auf der Strecke. Noch ganz nette Unterhaltung, aber der Comic von Alan Moore ist um Längen besser. Kurz ist der Film auch nicht – als ich letztendlich aus dem Kino komme, ist es nach 02h nachts.

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Am Sonntag also doch eine Veranstaltung der lit.Cologne, nämlich diese hier. Die Schauspielerin Corinna Harfouch liest Textcollagen zu drei archetytypischen Frauenbildern der Antike: Medea, Elektra, Phaedra. Drei Blöcke à 90 Minuten, dazwischen jeweils halbstündige Pausen.
1) Die Auswahl der Texte ist sehr gut, umklammert von Heiner Müllers Medeamaterial gibt es Ausschnitte von Christa Wolf und den antiken Autoren. Das wird von Frau Harfouch alles ein wenig zu wild und chargierend vorgetragen, weniger Schauspielerin und mehr Vorleserin hätte gutgetan.
2) Schwächere Zusammenstellung, besonders der Bataille-Text ist für eine solche Veranstaltung (zu) schwere Kost. Mit seinen assoziativen Motivspielereien lädt er immer wieder zum gedanklichen Abschweifen ein. Die Musikuntermalung macht es ebenfalls nicht einfacher, dem auch insgesamt weniger schwungvollen Vortrag stetig zu folgen.
3) Die Harfouch läuft zu großer Form auf, sie sitzt an einem Tisch und spieltspricht sämtliche Figuren von Racines ‚Phaedra‘. Das Stück ist zwar auf den Kern zusammengekürzt, aber darin liegt auch die Crux des letzten Teils. Der Text ist für diese Eindimensionalität trotz der Lesekünste einer der besten Schauspielerinnen Deutschlands immer noch zu lang, da hätte die Schere noch ein wenig mutiger sein können.

Wir lieben Bücher!
Wir lieben Bücher!

Heute ist mein erster Hörbuchverriß bei den Seitenschubsern erschienen. Todesmutig werde ich dieses Projekt weiterführen und mir in den nächsten Tagen ein neues Audiobook aussuchen, anhören und abstrafen.