пик Коммунизма

Ich habe den höchsten Berg der damaligen Sowjetunion vor über 25 Jahren als „Pik Kommunismus“ kennengelernt. Mein Diercke Weltatlas muss also zwischen 1962 bis 1998 gedruckt worden sein. Davor heiß er „Pik Stalin“ (пик Сталина). Nach dem Zusammenbruch der UdSSR liegt dieser 7495 m hohe Gipfel auf dem Staatsgebiet von Tadschikistan. Sein heutiger Name geht auf den Samanidenherrscher Ismail I. (Исмоил Сомонӣ) zurück, den die Tadschiken als Vater der Nation betrachten. Seit 1998 heißt der Berg also „Pik Ismoil Somoni“.

Und jetzt habe ich auf Wikipedia diese interessante Annekdote gelesen:

Bis 1928 wurde der knapp 90 km entfernte Pik Lenin (7134 m) für den höchsten Berg im sowjetischen Teil des Pamir gehalten. Eine Berechnung der sowjetisch-deutschen Alai-Pamir-Expedition unter Willi Rickmer Rickmers zeigte jedoch noch eine höhere Erhebung. Anfangs wurde der Ismoil Somoni mit dem Pik Garmo identifiziert; erst 1932 wurde durch weitere sowjetische Expeditionen klar, dass es sich um zwei verschiedene Berge handelt.

Da kommen mir sofort diese propagandistischen Säuberungen Stalins in den Sinn. In Ungnade gefallene Leute wir Trotzki aus Photographs entfernen. Klingt doch komisch, daß nach Lenins Tod plötzlich ein anderer Berg höher ist und somit nach dem aktuellen Machthaber benannt werden kann. Und dieser Berg taucht ja quasi aus dem Nichts auf, weil man ihn vorher mit einem anderen Gipfel verwechselt hat – der fast tausend Meter kleiner ist und übrigens kein Photo in seinem Wiki-Artikel besitzt.

Ich hätte das gerne als Staffel 2 von Chernobyl aufgearbeitet. Krasses Finale für die letzte Folge wäre jedenfalls gesichert.

Im Jahr 1933 erfolgte durch eine große sowjetische Expedition die Erstbesteigung des Pik Stalin. Man hatte erhebliche Schwierigkeiten wegen der Höhe und der extremen Kälte; von den sechs Bergsteigern der Spitzengruppe konnte nur Jewgeni Abalakow am 3. September 1933 die Erstbesteigung vollenden.

Garmo und gehören zum selben Gebirgszug, der auf den Namen „Kette der Akademie der Wissenschaften“ hört.

The Really Great American Novel

Vorgestern endlich mit Bleeding Edge fertiggeworden. Sicherlich nicht Pynchons stärkstes Werk, obwohl ich da nicht mehr ganz objektiv zu urteilen in der Lage bin.

Apropos Lage: Ich gehe mal stark davon aus, daß der Autor nur nicht auf der Karte unten dabei ist, weil sein bester Roman Gravity’s Rainbow auf europäischem Territorium spielt. Allerdings steckt Mason & Dixon wahrscheinlich die Hälfte auf dieser Karte immer noch in die Tasche. Letzterer ist wohl auch als Pynchons dezidiertester Versuch eben jener Great American Novel zu verstehen.

(Für eine größere Version siehe Quelle.)

Dabei muß ich zugeben, geschätzt etwa nur ein Drittel der hier aufgeführten Romane gelesen zu haben, die wenigsten davon im Original. Trotzdem vermisse ich auf der Liste noch die John Henry Days von Colson Whitehead sowie Don DeLillos Underground. Und selbstverständlich alles von William Gaddis, besonders aber JR.

umme ecke

Für Retrokram und Kartenscheiß bin ich ja immer zu haben. Hier hat zum Beispiel jemand ein Visualisierungstool für Echtzeit-Instagrams aus der direkten Nachbarschaft gebaut. Und zwar mit dem auch hier im Blog schon vorgestellten Toner-Aufsatz für OpenStreetMap. Nachtrag 0506-2012 // Mit der App teleportd lassen sich Photos aus der unmittelbaren Umgebung oder einer bestimmten Gegend auf dem iPhone anzeigen/abrufen – und das nahezu in Realtime (weil ich oben schon einmal „Echtzeit“ geschrieben habe). Ich habe allerdings keine Ahnung, wie die das anstellen bzw. welche Quellen (Flickr, etc.) sie dafür abgreifen. Aber für Coder gibt es eine API. //
Apropos Visualisierung: noch ein Video.

Where Did The Night Go‘ from Steffen K on Vimeo.

Landkrater

Mehr Bezüge, sich ein Polster zulegen, schaffen, anschaffen. Das sieht nach Arbeit aus. Dafür muß man sich aber erst einmal in seinem Job zurechtfinden. Mit dem so verdienten Geld fährtfliegt man dann in den wohlverdienten Urlaub, dienstags. Wenigstens kann man von urlaubsdort aus anderen Leuten Postkarten schicken. Denn wieso sollten das immer dieselben sein?
Dabei können sogar sprichwörtlich trostlose Vororte durch einen Perspektivwechsel ganz anschaulich aussehen. Dahin flieht die ehemals innerstädtische Arbeiterfamilie ja noch recht gerne (ausredundant: „wegen der Kinder“) und spioniert sich dann von Nachbar zu Nachbar über ewig frisch gestrichene Zäune in zu kleine Gärten hinein. Was nichts hahaheißen soll, denn selbst die Anordnung der Höllenkreise folgt einem schicken System. Aber sein Haus bei Google Street View pixeln lassen.

Die weißen Flecken sind längst von den Landkarten verschwunden. Wenn die Natur schon so richtig von vorne bis hinten durchkartographiert worden ist, dann kann man immer noch neue Wege durch den Untergrund visualisieren. Ist ja keine Kunst.

Immer, wenn ich „kreisfreie Stadt“ lese, also z.B. im Falle Aachens, dann muß ich an diesen Comic aus den gar nicht lustigen Lustigen Taschenbüchern denken. Donald, seine drei Neffen und Onkel Dagobert stoßen durch eine Nebelverwirrung auf ein bisher unentdecktes Andental, in dem die Zeit stillzustehen scheint. Jedenfalls haben sich dessen aztekenähnliche Bewohner nicht weiterentwickelt. Dort legen die Hühner viereckige Eier.

Oder ich erinnere mich an die Schule, Erdkundeunterricht. Die Legende im Diercke Weltatlas: Zumindest auf der Deutschlandkarte waren da die Städte mit 20-50.000 Einwohnern anhand von Kreisen mit einem etwas dickeren schwarzen Rand bezeichnet. Von 50-100.000 gab es dann Quadrate und für offizielle Großstädte ab 100.000 Einwohnern waren da so rote Umrißflecken vorgesehen.