Stadt, Land, Puls

Die Leute beschweren sich gerne darüber, dass Metropolen rund um den Globus mittlerweile alle gleich aussehen. Überall wird im selben Architekturstil gebaut. Und in den Innenstädten immer die gleichen Geschäftsketten – ein McDonald’s® neben einem H&M® neben einem Starbucks®. So weit, so klischeekritisch. Solange zwischen all den Allgemeinplätzen noch das eine oder andere Fleckchen für ein Distinktions-Instagram übrigbleibt, stört das den Städtetripper nur bedingt.

Skyline welcher Stadt?

Wenn er dann wieder zuhause ist, dann postet er nach den Urlaubsselfies ebenso gerne kleine Alltagsbeobachtungen mit Abbindern wie «only in New York» oder «dit is Berlin». Wobei es sich in 90 % der Fälle um banalurbanes Zeitgeschehen handelt, das genau so auch in jeder anderen Großstadt abläuft. Stell Dir vor, Hauptstadtbewohner, auch in Köln sieht man schräge Vögel in der Bahn, auch in München hat der Kellner mal einen schlagfertigen Spruch auf den Lippen.

Meine gar nicht so steile These: Leute, die so etwas schreiben, sind selbst erst vor einigen Jahren aus ihrem Provinzdorf zugezogen. Und alle, die später gekommen sind, sind schuld an der Gentrifizierung.

neike knust

Update 0704-2014 // Die unten eingebette Doku über Jeff Koons ist bei YouTube gelöscht worden, weil Copyright. Ich lasse das hier trotzdem mal so stehen.


(via)

Davor waren es Galerien. Die meisten wohl von solventen Ehemännern finanziert, damit sich die Frau Gemahlin daheim nicht langweilt. Was verständlich wäre, denn der workaholische Gatte ist bis spätabends im Büro oder unterwegs und das Haus im Hahnwald macht auch nicht wirklich Arbeit, so ohne Kinder und mit Putzfrau.

Nach den Galerien jetzt also Agenturen. Wo auch immer in der Südstadt ein Friseur, eine kleine Boutique oder ein Reisebüro ihre Pforten schließen, ein paar Wochen später sieht man durch die Schaufenster ein paar Schreibtische mit ihren darauf stehenden iMacs. Ob manchmal noch zusätzlich ein wenig Tand verkauft wird oder nicht, ist dabei vollkommen egal, denn Kunden sieht man in diesen Läden nie, nur betont lässig und doch schick gekleidete Menschen hinter den Bildschirmen ihrer Rechner.

Dabei ist die Südstadt noch nicht einmal ein Hipsterstadtteil, vielleicht war sie es vor zwanzig Jahren mal. Jetzt sind die Mieten dafür einfach zu hoch. Wenn man in diesem Veedel bei Google Maps im 8bit-Modus zu Streetview wechselt, dann sehen hier die unkenntlich gepixelten Häuser besonders schick aus.

Statt eines gelöschten Accounts // Worauf die Welt sicher gewartet hat: noch ein Button.