Was mit Vorfahrt

Wenn man immer so von Verkehrswende liest, dann vergisst man gerne, daß beispielsweise in Köln „die Gesamtzahl aller Pkw seit 2010 um rund elf Prozent auf annähernd 475.000 gestiegen ist.“ Laut Kölner Stadt-Anzeiger „bleibt der Anteil der reinen E-Fahrzeuge vernachlässigenswert gering (gerade einmal 16 von 10.000 Kraftwagen).“

Herrentoilette Ratiborufer

Woran liegt es? Wohl kaum an den Lieferengpässen bei Tesla. Während die Kölner Verkehrsdezernentin noch an den Ausbau der Ladestationen glaubt, um durch reine Sichtbarkeit im öffentlichen Raum die Chance zu erhöhen, dass sich die Leute eher für ein Elektro-Auto entscheiden, liest man in der Süddeutschen Zeitung anderes: „Was fehlt sind die E-Autos, nicht die Ladestationen“ lautet hier die Headline. Dort heißt es, „die Betreiber der Stationen wie Energieunternehmen oder Stadtwerke wollen nicht länger den Kopf für die zögerliche Verbreitung hinhalten“. Die staatliche Kaufprämie nütze nichts, wenn die Autobranche keine attraktive Modellauswahl biete.

Das ist doch alles Bullshit. Ohne ÖPNV gratis wird sich gerade in den Städte verkehrstechnisch wenig ändern – aus bzw. mit welchem Antrieb auch immer.

Menschenskindergarten

Gestern noch kopfschüttelnd an so einem großen Saugwagen vorbeigelaufen. Der stand mitten im Düsseldorf auf einer Kreuzung und hielt seinen Rüssel in ein Kanalloch. Dabei parkte er lieber eine Fußgängerampel und einen Radweg komplett zu, als daß er auch nur das kleinste bißchen PKW-Verkehrsfluß zu verlangsamen riskierte.

Rollen muß die Blechlawine, das ist oberste Priorität im Land. Daran dachte ich jedenfalls, als ich heute Morgen unter der Überschrift 300.000 Kleinkinder finden keinen Kita-Platz auf SpOn diese zwei Sätze las:

Wie prekär die Situation ist, zeigte kürzlich ein Polizei-Einsatz in Leipzig. Dort mussten die Beamten bei einer Kita anrücken, weil 450 Menschen für einen Kita-Platz bei einer Kindertagesstätte anstanden und die Warteschlange sogar den Autoverkehr beeinträchtigte.

„Beeinträchtigung des Verkehrs“ – schlimmer geht’s wirklich nicht. Hoffentlich sind einige der Eltern für eine solche Unverfrorenheit im Knast gelandet.