Etwas verraten

Ich erinnere mich noch sehr schwach daran, es an der Person(alie) Sigmar Gabriel festgemacht zu haben, auch nur in Erwägung zu ziehen, jemals wieder SPD zu wählen. Der ist seit der neuen GroKo jetzt „nur noch“ einfacher Bundestagsabgeordneter, das scheint alles schon so weit weg zu sein.

Daß Olaf Scholz nach dem Hamburger G20-Desaster auf Bundesebene auch nur kommisarisch noch mal ein Bein auf die Erde bekommt, hatte ich kategorisch ausgeschlossen. Jetzt bekleidet der Mann einen der – wenn nicht den – wichtigsten Ministerposten überhaupt. Und ab nächsten Monat dann also Andrea Nahles.

Und dazwischen die Episode Schulz. Damit man die wohl nicht so schnell vergisst, erscheint jetzt ein Buch. Aus dem veröffentlicht SpOn einen Auszug über einen Besuch im Tonstudio. Ich fand die Lektüre nicht nur witzig, weil ich da selbst öfter zur Gastarbeit bin.

TrumpDon Schwammkopf

Auch mal dankbar dafür sein, jeden, der »tax cuts for the rich« fordert oder verspricht, als »Möchtegern-Trump« beschimpfen zu können. (Wobei »reich« natürlich jeder ist, der mehr verdient als ich.)

Ich habe das symbolische Sprachrohr des dt. Populismus’ auf dem Schrank wiedergefunden.

Wenn Trump souverän wäre: »Sogar die Linken machen einen besseren Job, seit sie mich hassen können.«

Wem steht es besser?

Auf bildliche Unterstützung zur Beantwortung dieser Frage habe ich bewußt verzichtet, denn sonst wäre ich womöglich in die Verlegenheit gekommen, auch nur eine der abgebildeten Personen als „links“ bezeichnen zu müssen. Stattdessen also nur die beiden Headline-Links untereinander; nicht zu Artikeln in Modemagazinen wohlgemerkt, sondern der FAZ:

Hannelore Kraft soll Aufsichtsrätin bei Steinkohlekonzern RAG werden

oder

Torsten Albig wird Lobbyist für die DHL in Brüssel

Wie muß man sich das bei der SPD eigentlich vorstellen? Beruft da jemand in der Kommunikationsabteilung ein Meeting ein und dann brainstormen alle, wie man den Markenkern der Partei stärken könne? Briefing:

Auf die Frage „Wer hat uns verraten?“ darf es nur eine Antwort geben!

Neu denken äh wählen oder noch nicht

Für jemanden, dessen Namen FDPiger nicht klingen könnte, war das sofort auf den Punkt gebracht. Deshalb hier noch einmal als schlecht gemachte Grafik, bei der weder Farben, noch Font stimmen.

Und reflexartig schreiben alle den schwarzen Peter den Liberalen zu. Dabei steht das P für Pest, darin ist sich das Internet einig. Ich war auch schnell damit, im Kopf bereits Sachen zu formulieren wie:
„Wahrscheinlich würde es sich der größenwahnsinnige Lindner noch als höchsteigenen Verdienst anrechnen, wenn eine sich selbst zerlegende AfD in demnächsten Bundestag mit 2-3 % weniger Abgeordneten säße.“

Und wenn es einfach keine Neuwahlen geben wird? Wenn sich die SPD unter leicht bis mittelschwer geänderten Vorzeichen doch wieder zu einer Regierungsbeteiligung breitschlagen läßt? Dann hätte die FDP ziemlich viel richtig gemacht.

Wählen gähnen

Der mittlerweile schon klassisch zu nennende Wahl-O-Mat geht erst am 30. August online. Die Leute sharen derweil munter das (nach Eigenaussage) „Quiz“ DeinWal.de. Viele preisen es allerdings als „Alternative“ zum Wahl-O-Mat an, wobei sie das abweichende Konzept mitunter recht offen als überlegen hervorheben. Denn statt der Wahlprogramme von Parteien stellt DeinWal vergleichende Fragen zum zum wirklich geleisteten Abstimmungsverhalten der letzten Jahre.

Mal abgesehen davon, daß ich – ganz subjektiv – die Fragen mitunter etwas tendenziös formuliert finde, scheint mir das Demokratieverständnis dieser Aufbereitungsart doch recht problematisch. Oder sagen wir genauer: die Art und Weise, mit welchen Worten das Tool auf Facebook und Twitter geteilt wird. Da werden die Programme der Parteien als Wahlversprechen gewertet, wobei diese oft noch nicht einmal komplett in einer Legislaturperiode umzusetzen sind, selbst wenn die jeweilige Partei am Abend der Bundestagswahl auf 100 % Zustimmung käme. Eingegangene Kompromisse durch Koalitionsvereinbarungen werden pauschal als Verrat hingestellt. Aus der Opposition heraus läßt es sich hingegen völlig folgenlos, dafür aber öffentlichkeitswirksam dagegensein; man muß ja selbst nicht zeigen, wie man es besser machen würde.

Ich möchte da nur drauf hinweisen, nicht anfangen von Einladung zur Politikverdrossenheit schreien. Aber wenn man sich so vor Augen führt, daß beispielsweise die SPD in den letzten Jahrzehnten jeder einzelnen Verschärfung der Asylgesetze zugestimmt hat… Da gucken wir uns doch vielleicht lieber bunte Bildchen an. Oder lassen das jemand anders für uns machen.

Ich habe übrigens noch eine App ausprobiert: den „tinderleichten“ WahlSwiper. Der gefällt mir einfach nicht, weil er auf den Beispielscreenshots im AppStore die FDP vorne hat. Und außerdem ist da ein blödes Ergebnis bei mir rausgekommen. So.