All Women Are Consumed Equal

Via Digiday schon vor Wochen über diesen Spot gestolpert und immer noch keinen Schimmer, was ich letztendlich genau davon halten soll.

Ich kann mich einfach nicht zwischen „femwashing“, „late stage capitalism“ und „wrong on so mqany levels“ entscheiden. Wahrscheinlich, weil ich den Pragmatismus, den diese Werbung ausstrahlt, nicht komplett daneben finde. Denn selbst die klischeehafteste Sache enthält selbstverständlich noch ein Körnchen Wahrheit.

kommt zu nix

Hier als Liste, weil ich einfach nicht die Zeit finde, das Thema in der ihm gebührenden Ausführlichkeit zu behandeln. Da ruft ein lockerer Einstieg per Video doch wie gekommen.

Dieser sowie die folgenden Links verstopfen mitunter seit Monaten die vordersten Plätze der Tableiste meines Browsers. Mit dabei: die TAZ gleich im Doppelpack. Erstens hat sie anläßlich des Deutschlandstarts des Vice-Newsportal „Broadly“ bereits vor mehr als einem Jahr etwas grundsätzlicher über Leseangebote für Frauen geschrieben. Und zweitens sind Geschlechterrollen Hauptthema beim Interview mit der „Mädchen“-Chefredakteurin.

Wer es noch etwas systemkritischer mag, dem sei der Artikel „Werbung mit bitterem Beigeschmack“ aus der sozialistischen Zeitung ND ans linksschlagende Herz gelegt. Und nur falls man glaubt, für sowas seien nur große Konzerne von oben herab verantwortlich, dem schiebe ich noch „No Sex, Please — We’re Domestic Goddesses“ hinterher – vor fast fünf Jahren ist Laura Sandler nämlich schon aufgefallen, daß insbesondere weibliche Online-Influencer um Penislängen prüder sind als etwa Printveteraninnen wie Cosmopolitan & Co.

Passend dazu auch ein Radiobeitrag des DLF über Geschlechterklischees in der YouTube-Szene. Falls man keinen Bock hat, sich das anzuhören, dann findet man dort auch das Skript zur Sendung.

Und zum Schluß noch ein Link zu Broadly selbst, die darüber berichten „wie eine Frauenseite rechte Propaganda als weibliche Selbstermächtigung verkauft“.

Kein Einlaß für Sophia Wollersheim auf den Gala Fashion Brunch #mbfw

In ihrer monatlichen Social-Media-Kolumne liefert Annekathrin Kohout einen trotz seiner gelegentlichen Holprigkeit lesenswerten Abriß der Body-Positive-Hashtags (POP-ZEITSCHRIFT).

Während der Song eine Anti-Hymne gegen Mobbing, Homophobie und Frauenhass darstellt und das Empowerment seine Kraft aus der Inszenierung einer Gegenkultur bezieht, zielt gegenwärtiges Empowerment auf Inklusion. Die „Anhängerinnen“ der Body-Positive-Bewegung wollen gerade nicht eine Subkultur bleiben und als solche anerkannt werden, sondern zum Bestandteil des Mainstreams werden. Das führt oft zu einer bloßen Nachahmung der Codes und Konventionen der Mode- und Medienwelt, zu denselben Spiegel-Selfies und Schmollmündern, wie sie ihre Vorbilder aus der Size-Zero-Welt zelebrieren.

Trotz der Ästhetik seines Videos brauchen wir über den fehlenden „Indie“-Appeal von Aguilera’s Lied Beautiful selbst wohl nicht zu diskutieren. Sein Beitrag dazu, daß jetzt Jahre die später die Werbung dieses Thema auf breiter Front aufnimmt, aufnehmen kann, ist hingegen unbestritten. Kohout betont hier die Unreflektiertheit, eine Konstante in der Kritik am Femvertising.

Da wird dann einerseits gefeiert, daß mit Ashley Graham endlich mal ein sogenanntes Plus-Size-Model das Cover der Vogue ziert. Andererseits muß man einsehen, daß es noch ein weiter Weg ist, wenn man liest, daß sich diverse Edel-Designer scheinbar geweigert haben, für dieses Photoshooting Teile aus ihren Kollektionen zur Verfügung zu stellen, wie STYLEBOOK die englische Chefredakteurin Alexandra Shulman zitiert.

Morgen ist übrigens Women’s March on Washington.

vereinfacht gesägt

„Populisten sind immer die anderen“, hat Ralf Dahrendorf mal gesagt. Der Satz wird nicht unwahrer, weil ich ihn bei irgendeiner TV-Talkshow aus dem Mund eines Erzkonservativen vernommen habe, dessen Name mir entfallen ist. Vielleicht ist es der unsägliche Tichy gewesen, ich weiß nicht mehr.

Als Reaktion (sic!) auf die Erfolge der Rechten von Trump bis Brexit werden jetzt hier und da vereinfachte Botschaften seitens der Linken bis Liberalen eingefordert. Emotionalisierung der Inhalte, Reduzierung der Komplexität, damit vernünftige Politik die Leute wieder erreicht. Ich weiß auch nicht.

„Kein richtiges Lasern im falschen.“

Dabei sieht man doch, was z.B. in der Musik mit guten Ideen passiert, wenn sie im Mainstream ankommen. Also im Musikgeschäft. Wie nah das in den meisten Fällen an der Pervertierung vorbeischrappt, kann man exemplarisch an Beyoncé ablesen, anläßlich deren letzter Superbowl-Performance Seph Rodney schrieb:

So Che gets reduced to a poster, the renegade figure of Malcolm X to a choreographed arrangement, the struggles against AIDS to a song, and concerted, protracted protest to a hand signal for peace. This is what pop culture does.

Und wenn man der Spex glauben mag, scheint es auch beim neuem Album von Alicia Keys mißglückt zu sein. In der Review zu Here heißt es „ein gutgemeinter, aber öder Ritt entlang der Oberfläche, der allzu oft mit faden empowerment-Hülsen aufwartet“.

Siehe auch Tom Holerts Aufsatz zu Lecture Performance in Pop. Kultur & Kritik, Heft 9 2016, S. 64-68. Auch er kann die Einwände Diedrich Diederichsens und andere Kritiker gegen die VerTEDtalkisierung wissenschaftlicher Vorträge höchstens relativieren, aber nicht vollständig entkräften.

Die URL ist noch frei. Fast tut sie mir ja ein wenig leid, so wie nun von allen Seiten auf die Charta eingeprügelt wird.

Mehr bekommt derzeit wohl nur dieser Bombentext zu Big Data ab, exemplarisch aufgeführt seien hier mal WDR und Spiegel. Wie sie alle seit Wochen Fake News verteufeln und dann selbst (wer recherchiert und hinterfragt schon gerne am Wochenende) den ohne Beweise und lediglich auf Behauptungen einer Person beruhenden Schweizer Magazinartikel weiterverbreiten, das grenzt schon an Selbstdemontage. Selbst. Dämon. Tage. Montagsdemo.

„Wir sind das Klickvolk!“