sprach schatz meister schaft

Wenn ich privat ins Internet schreibe, dann benutze ich immer noch die alte Rechtschreibung. In der Regel verwende ich dabei auch das generische Masuklinum – teils aus reiner Faulheit, teils aus unermesslicher Ich-Bezogenheit. Als Mann bin ich natürlich Egozentriker und selbstverliebt dazu.

Um nicht als komplett misogynes Arschloch abgestempelt zu werden, ändere ich beim Mitteilen von Alltagsbeobachtungen oft das Geschlecht der beschriebenen Person (Also Obacht, wenn einer meiner Tweets mit „Typ vor mir…“ oder so beginnt.) Auf diese Weise wirke ich nur noch wie ein sarkastischer Menschenhasser.

Womit wir beim Thema wären: dem Verein Deutsche Sprache und seinem Aufruf Schluss mit dem Gender-Unfug! Was für eine Liste dämlicher Erstunterzeichner da von „Widerstand“ faselt, da bekomme ich schon reflexhaft Lust, mich doch noch auf die Seite von Stern*chen und Binnen-I zu schlagen.

Mache ich dann aber doch nicht, weil siehe oben.

Was zum Hafer!

Ella Carina Werner in ihrem Text Džafti kurafti:

Die Faustformel für einen Balkan-Fluch:
Ficken + Mutter + X.

Es mag fast 20 Jahre her sein. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich damals den Roman oder das Drehbuch gelesen habe. Aber was mir von Ragazzi di Vita in Erinnerung geblieben ist, ist das Nachwort, in dem der Übersetzer mit akademischer Trockenheit den Unterschied zwischen schwanz- bzw. fickfixierten italienischen und analzentrierten deutschen Schimpfwörtern anhand vieler Beispiele erläutert hat.

sprech

Wer das Blog von Anatol Stefanowitsch nicht lesen kann oder will (was mir persönlich komplett unverständlich wäre, aber ich habe ja auch in der Fachecke studiert), dem sei dieser Vortrag unbedingt anempfohlen. Hier wird anschaulich und von Grund auf erklärt, warum ein Wort nicht nur ein Wort ist und was es so immer an Bedeutung mit sich herumschleppt. Es kann nämlich nie schaden, den eigenen Sprachgebrauch zu reflektieren.

(Kann man sich auch ohne Bild ganz gut anhören, fand ich.)