Retrologie Überbausteine

Dass frisches Obst im Februar nicht nur aus gesundheitlichen Gründen eine der großen Errungenschaften der Zivilisation ist, sondern der Weltmarkt auch erheblich zur Stabilisierung der Lebensmittelversorgung beiträgt, da er natürliche regionale Ernteschwankungen ausgleicht, kommt den Anhängern des saisonalen Essens auch nicht in den Sinn, hängen sie in ihrem verunglückten Denken doch Autarkieträumen nach, die politisch zuletzt unterm Schmalspurökonomen Darré en vogue waren.

Salonkolumnist Blanken wirft in Vom verunglückten Denken einiges zusammen. Von theoretisch fehlender Verelendung bis Lifestyle-Kapitalismus, von verführter Wahrnehmung zu gefühlten Wahrheiten. Da geht einiges durcheinander, das ist an manchen Stellen zu viel gewollt. Aber der Mix aus Eintopf und Ausblende macht womöglich gerade den Reiz des Textes aus.

Egal, ob Frauenzeitschrift, Lifestyle-Magazin oder Lebensratgeber, „natürlich“ wird niemals wertfrei verwendet, sondern ist wahnsinnig positiv aufgeladen, steht für Qualität, Authentizität und Gesundheit. Hinzu kommen dann noch alle Zeitschriften wie „Landlust“, „LandIdee“ und „Mein schönes Land“, die aus dem „Zurück zum einfachen Leben, zurück zur Natur“ ein eigenes Zeitschriften-Genre gemacht haben, bei dem die Dorfidylle sehr häufig mit teuren Deko-Tipps, aber nie mit 24-Tonnen-Güllefässern und Großraumdiscos daherkommt.

Siehe auch: Surviving in a Post-Truth World by Daniel T. Blumstein – Project Syndicate

Nächster Halt: Anarchie

Firma hat das Ticket von Berlin nach Düsseldorf bezahlt. Auf dem Rückweg die übliche Zugteilung in Hamm: Vorderteil fährt weiter nach Düsseldorf, Hinterteil nach Köln.

Nun besitze ich als Pendler eine ICE-Jahreskarte für die Strecke zwischen Düsseldorf und Köln. Wer nun aber glaubt, ich könne deshalb in Hamm einfach so vom einen in den anderen Zug umsteigen, der irrt natürlich.

Da drückt der Schaffner kein Auge zu. Würde selbst mit Bahncard25 etwa 40 € mehr kosten. Wo käme die Deutsche Bahn denn hin, wenn jemand, der gültige Fahrkarten vom Start- bis zum Zielort besitzt, eine andere Strecke fahren würde?

Fishbowl

Nach diesem Artikel – Fishbowl Is Trying to Be the Ad Industry’s Hottest Networking and Gossip App, Starting With Cannes | Adweek – gleich mal die App runtergeladen und angemeldet. Etwas umgeschaut, das meiste natürlich sehr US-focussiert. Hat mich nicht davon abgehalten, spontan selbst etwas zu posten. Und das ist nach gut einer Woche dabei herausgekommen. Und es kommen immer noch Antworten bzw. Reaktionen rein, ist also nur ein Zwischenstand.

Aber für einen Geistesblitz nicht schlecht, oder? Jedenfalls interessant genug, um einen Screenshot der Timeline zu leaken, wie ich finde. Denn Fishbowl ist eine geschlossene Gruppe, wenn auch mit laschem Türsteher; man muß durch eine LinkedIn-Kontrolle, bevor man reindarf.

Hat man das geschafft, sollte man sich mobil mit diesem Link an den Emoji-Agenturbeschreibungen beteiligen können. Ich würde mich freuen.