Königliche Quoten

Es gibt Infos, wer sich die Hochzeit von Meghan und Harry im TV angesehen hat. Altersmäßig ist das keine Überraschung, aber ein Blick auf die Berufe lohnt sich.

„Bei Beamten war die Übertragung besonders beliebt. 54,9 Prozent sahen zu, bei den klassischen Arbeitern hingegen kam die Vermählung nur auf rund 25 Prozent. Ebenfalls starke Werte wurden bei den Selbstständigen gemessen, die laut Auswertung zu 42,3 Prozent zusahen.“

Die Staatsbediensteten also. Diejenigen, deren Loyalität sich Regierungen zur Durschsetzung hoheitlicher Aufgaben mitunter teuer erkaufen. Meinen, erkaufen zu müssen.

Beamte sehen schon immer gerne ZDF, das ist sicher kein Geheimnis. Daß sie in der Mehrheit allerdings insgeheim Frank-Walter Steinwalter vor den nächsten Bus werfen würden, wenn sie so nur dem letzten dahergelaufenen Hohenzollern zur Thronbesteigung verhülfen, war mir neu.

Roland Kaiser hat sich sehr verändert.

In dieser Polemik wäre die FDP ein williger Steigbügelhalter. Aber wahrscheinlich würde der ganze Plan sowieso an Bayern scheitern.

Sonst noch jemand?

Seit die FAZ doch mal diesen Sat1-Wanderhurenfilmfilm so gekonnt witzig verrissen hat und der Artikel danach dermaßen viral gegangen ist, wie es sich davor selbst der kühnste Feuilletonredakteur nicht hätte erträumen können, seitdem kennt die Klickgeilheit auch bei Kulturjournalisten keine Grenzen mehr. Weil vernichtende Kritiken zu Trash-TV eben für viele SocialSharer ein willkommenes Mittel sind, nicht nur sich, sondern alle seine Friends und Follower davon zu überzeugen, was für niveauvolle Elitenbildungsbürger sie sind.

Ist außerdem viel praktischer und effizienter so, da muß man sich das Unterschichtenfernsehen von Bachelor bis Bauer sucht Frau gar nicht mehr selbst ansehen und sich eigene Humorherablassungen ausdenken. Link twittern genügt. Da war das Finale von Germany’s Next Topmodel letzte Woche wieder ein hervorragender Anlaß. Von Spiegel bis Süddeutsche wollten sie alle wieder besonders lustig sein.

TV-Tipps zum Wochenende

Jetzt nicht so zum Glotzen, sondern zum Lesen. Zwei Interviews mit Leuten, die sich mit Fernsehen beschäftigt haben, genauer: den Öffentlich-Rechtlichen. Und da läuft in Deutschland so einiges schief.

Auf faz.net/ gibt der Medienökonom Harald Rau Einblick in das schier unüberblickbare Geflecht von Produktionsfirmen, welches ARD und ZDF um sich geschart haben. Und man ahnt es, dieses Dickicht trägt nicht gerade zur Transparenz bei.

Wohin dieses korruptionsanfällige Strukturversagen dann inhaltlich führen kann, hat Berthold Seliger in seinem Buch I Have A Stream: Für die Abschaffung des gebührenfinanzierten Staatsfernsehens beschrieben. Dessen Veröffentlichung ist auch der Anlaß für ein sehr ausführliches Gespräch mit Telepolis (Teil 1 hier, Teil 2 da). Seliger geht wirklich hart mit dem ÖR ins Gericht, manches sehe ich in dieser Konsequenz nicht ganz so drastisch. Aber lesenswert sind seine Gedanken allemal.

Ich bin ja auch kein großer Fan einer Skandalisierung von beispielsweise Steuerverschwendung, denn vielen kommt das einfach als Rechtfertigung für ihre Schwarzgeldpraktiken wie gerufen. Aber bloß, weil ich als prinzipieller Freund des ÖR-Systems eine Bezeichnung der GEZ als „Zwangsfinanzierung“ ablehne (im Sinne von: privatwirtschaftliche Propaganda / Man sollte auch bedenken, wo diese Texte erschienen sind), heißt das ja nicht, es wäre mir egal, was mit den Runkfunkgebühren teilweise für ein Unsinn angestellt wird.

lager/feuer

Als alter Suchtbolzen bin ich gestern Abend direkt mit Beginn des Abspanns von The Wrestler quasi ans offene Küchenfenster gesprintet, um eine Zigarette zu rauchen. Und habe mich gefreut, daß Bruce Springsteen trotzdem für mich gesungen hat – nämlich quer über den Hinterhof aus einer gegenüberliegenden Wohnung.

Ich habe schon einmal etwas darüber geschrieben, daß man TV vielleicht nicht in erster Linie, aber sicher zu einem Großteil nicht wegen des Inhalts glotzt, sondern wegen der Anschlußmöglichkeiten. Mit dem Wissen um die Begrenztheit von (naja: guten) Programmen reicht allein Möglichkeit, jemand könnte sich gestern diesen oder jenen Film ebenfalls angesehen haben, um miteinander ins Gespräch zu kommen. „Hast Du gestern The Wrestler geguckt?“

Streng genommen liest man Zeitung nicht um sich zu informieren, was in der Welt passiert. Man liest Zeitung um sich darüber zu informieren, worüber andere sich informieren, wenn sie in der Zeitung lesen, was in der Welt passiert. Und diese Funktion wird durch das Internet nicht ersetzt.

(Zitat Stefan Schulz, via pool.pauneu.de/)

Kontrastischer konnte der Unterschied gestern kaum sein: vor Aronofskys Film in der ARD habe ich mir das Finale von Germany’s Next Topmodel angesehen. Und zeitgleich auf Twitter verfolgt. Braucht man ja nicht mehr viel Worte drüber zu verlieren, eins reicht: Tatort. Und genau in diesem Stil vermuten manche das Fernsehen der Zukunft, die Community/Fanbase trifft sich im Netz, um sich noch während der laufenden Sendung über selbige auszutauschen. Comenta.TV aus Südamerika, home of the telenovelas, könnte ein vielversprechender Ansatz dafür sein.

Zumindest übergangsweise. Denn man fragt sich schon heute, wie lange es noch dauert, bis 1st und 2nd screen die Rollen tauschen. Bewegtbild ist – egal wie schnell die Szenenfolgen in Zukunft noch aneinander geschnitten werden – einfach viel zu langsam. Selbst unter einer Minute Filmlänge zu langatmig. Hat nicht jeder schon einmal auf das Vimeo-Herzchen oder den YouTube-Daumen geklickt, quasi als Entschuldigung, sich das Video nicht zuende angeschaut zu haben?

On the internet memes are the new TV.

Längst hat das Internet seine eigene Form von Kommunikationsanschlußverfahren: der Name dieser Kulturtechnik lautet Meme. Und wie schnell deren Halbwertszeit bemessen ist, kann man sich in dieser Übersicht der zu durchlaufenden Stadien ganz gut vergegenwärtigen. Beim textlichen Durchlauferhitzer Twitter können das Hashtags wie #einbuchstabendanebentiere sein. Oder auf anderen Plattformen wie Tumblr, Facebook, … zum Beispiel auch Bilder.

Anders als etwa bei einer Fernsehserie braucht man sich nicht lange in komplexe Handlungen hineindenken. So ein Meme ist in Sekundenschnelle begriffen; man versteht es sofort und kann ohne Umstände mitreden. Nicht umsonst leitet sich der Begriff von der Dawkins kleinsten Gedankeneinheit ab.
Vielleicht liege ich aber auch falsch und es sind nicht Meme, sondern Verschwörungstheorien, die im Internet dem Fernsehen den Rang ablaufen. And by the way: Zapping is back! Alsoll heißen, kann man jetzt online gucken.

Undcut

Die Liste ist schon älter, aber ich bin erst jetzt drauf gestoßen: 2003 hat das American Film Institute sozusagen ewige Charts mit jeweils 50 Helden und Schurken veröffentlicht. Auch die anderen auf dieser Wikipedia-Seite verlinkten Filmlisten sind eine Sichtung wert. Über sowas könnte ich ja stundenlang diskutieren – ohne zu einem Ende zu kommen. Hier nur ein Punkt: Rick Deckard ist sicher nur deshalb nicht drauf, weil Harrison Ford schon zweimal als guter Schauspieler auftaucht. Und generell sind die Bösewichte natürlich die spannenderen Charaktere.

Meanwhile on the TV // Zur Kenntnisnahme: Die Selbstabschaffung des deutschen Fernsehens. (Gibt es mittlerweile konkretere Hinweise, welche Zahlen einigermaßen gesichert sind oder wie hoch die ungefähre Hausnummer ist?)

Was Immanuel Kant mit Wikileaks zu tun hat. (Nachtrag: Die Zeit sieht das jetzt ähnlich.)

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