Ich bin Dein Vader, Lug, Trug und Bug.

„Es ist ja nicht so, dass ich nicht auch selbst manchmal ein schlechtes Gewissen habe, wenn ich das Kind wieder Internet-Videos gucken lasse. Na ja, zumindest wenn ich währenddessen wach bin. Oft schlafe ich auch. Ein ganz normaler Tag fängt bei uns im Moment nämlich so an, dass der Kleine um 5.35 Uhr neben meinem Bett steht und sagt: ‚Papa, nicht schlafen!‘ Mir geht dann durch den Kopf, dass es für einen Vierjährigen sicher das Beste wäre, wenn wir in sein Zimmer gehen und Raumschiffe aus Lego-Steinen und Eisenbahnnetze bauen, Schach spielen oder zusammen etwas lesen. Manchmal machen wir das auch. Manchmal bin ich dafür aber einfach zu müde. Dann benutze ich das Internet zur digitalen Selbstverteidigung. Eine halbe Stunde Handy gegen eine halbe Stunde mehr Schlaf, so lautet unser Deal.“

Zitiert aus: Digitale Familie | ZEITmagazin

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Pick Data

Damit in Deutschland etwas als Mißstand anerkannt wird, muß immer erst mindestens ein unbescholtener Bürger darunter leiden, der »seit Jahren bei einem renommierten Weltunternehmen in Baden-Württemberg angestellt, verheiratet ist und sich ehrenamtlich bei einer Hilfsorganisation engagiert.« Erst dann hat man den richtigen Aufhänger, um über Zusammenarbeit mit umstrittenem Anbieter: Bahn gibt Kundendaten weiter zu berichten.

Den von der Datensammelei am härtesten Betroffenen wird in den seltensten Fällen eine Stimme gegeben. Die rühmliche Ausnahme bildet hier z.B. ein lesenswerter Artikel aus The Atlantic | How Big Data Harms Poor Communities.

Das braucht man gar nicht als US-amerikanische Zustände von sich schieben. Schließlich sind wir ja alle Weltbürger. Wobei das Wort für internationale Jetset-Elite und vor Krieg bzw. Armut Geflüchteten sicherlich ganz unterschiedliche Bedeutung hat. Wo es auch hinführt.

Keiichi Matsuda hat das Setting im Vergleich zu seinem letzten Video zu dem Thema vor immerhin sechs Jahren richtigerweise internationalisiert. Wer das nun als Horrorvision einer weitweit entfernten Zukunft abtun möchte, der sei auf die Probleme von Public Face Recognition in Russia hingewiesen – und zwar im Hier und Jetzt.

Vom Feeling her kein gutes Gefühl

Bald ist wieder Fußball-EM und da schießt handelsübliches Marketing & Merchandising der Mannschaft wieder aus allen Ecken und Endspielen ins Kraut. Unter anderem sind das neben dem Klassiker Panini-Sticker und den ebenfalls bekannten Teamcards der Ferrero Lovebrands auch die bei jedem REWE-Einkauf abgreifbaren Sammelkarten.

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Die Aktion läuft ja auch nicht zum ersten Mal: Je 10 € Einkaufswert bekommt man eine Spielerkarte gratis. Für das dazugehörige Sammelalbum muß man 2,99 € hinlegen. Und bei eben diesem ist man auf eine sagenhafte Idee gekommen: Zitate auf den unbelegten Feldern.

Berufsbedingt sieht man den Pitch um das Designkonzept quasi vor dem geistigen Auge. In den Layouts standen in den leeren Kartenfeldern noch witzige Sprüche von „Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien“ über „Das Runde muß ins Eckige“ bis „Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß“. Nur haben sich die dann in etlichen Abstimmungsrunden zu lahmen Motivationssprüchlein irgendwo zwischen Naidoo-Lyrics und Wandtattoo abgeschliffen.

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Es kann aber natürlich auch daran liegen, daß solche Spielertypen wie Brehme, Basler oder Effenberg längst ausgestorben sind. Und woher die markigen Bonmots nehmen, wenn heutzutage in Interviews niemand mehr Klartext redet? PR-geschulte Floskelparade an jedem Mikrophon. Aalglatt ist gar kein Ausdruck.

Übrigens läuft der Verkauf des aktuellen DFB-Trikots nicht so gut.

#rpTEN

Was auch immer die re:publica in ihrem Jubiläumsjahr angestellt haben mag (und irgendetwas ist selbstsicher an den eigenabartig motiviertesten Vorwürfen dran) – für die Entscheidung, den stinkenden Raclettestand vom Gelände zu verbannen, gebührt ihnen auch dann mein unendlicher Dank, obwohl ich gar nicht vor Ort war.

Vielleicht ändert sich das ja nächstes Jahr wieder. Bis dahin, käselose Grüße aus der Hauptstadt des Klüngels.