klatschen

Man sagt über Theodore Roosevelt, er wäre im Jahre 1901 nur wegen seiner angenehmen Radiostimme der 26. Präsident der USA geworden. Überzeugend reden ist natürlich auch vorher wichtig gewesen, aber es ist eben etwas anderes, ob man auf großen Versammlungen quer durch das gesamte Land Reden vor großen Zuhörermassen schwingt oder ob man in der intimen Atmosphäre einer trauten Stube zu jeder einzelnen Familie spricht, wenn auch medial vermittelt durch ein Empfangsgerät. Die Kommunikationssituation ist eine entscheidend andere.

Wenn es das Fernsehen nicht gäbe, wäre Donald Trump überhaupt nicht nominiert.

Das hat Jimmy Kimmel bei der Verleihung der Emmys Awards 2016 gesagt. So aus dem Zusammenhang gerissen (ich habe die Veranstaltung nicht verfolgt) klingt es vordergründig wie ein Vorwurf an die gesamte anwesende Fernsehbranche, ein Stück weit sogar wie Selbstkritik. Vielleicht hat der Late-Night-Talker aber auch nur FOX gemeint. Egal. Was der Satz eigentlich aussagt, ist die trotzige Versicherung „TV ist noch relevant.“

Wo doch die ganze Welt von post-fact politics in Zeiten des Internets spricht. Äh, schreibt. Oder eben vloggt, snappt, was weiß ich. (Was allerdings jeder weiß, ist, wie das Brexit-Votum nach gut gemeinten Ratschlägen aus Deutschland ausgegangen ist.)

Übrigens finde ich im Vergleich zu Barack Obama damals den sonst allseits bejubelten Auftritt von Hillary Clinton bei Between Two Ferns With Zach Galifianakis eher mau.

zu faul

Und überhaupt sind Satireaccounts auf Twitter sooo 2012, Bots sind so 2015. Zusammen hätten sie diesen Monat vielleicht noch eine Chance, aber: siehe Überschrift. Ich habe einfach zuwenig Ahnung davon bzw. keine Motivation dazu. Wenn also jemand die Idee umsetzen möchte, bitteschön:

@BILDdirdeineMudda

. . . ist als Twitterhandle leider zwei Buchstaben zu lang, macht wohl aber schnell klar, worauf ich hinauswill. Der Account würde sich die Schlagzeilen der BLÖD ziehen, einen Namen oder ein Substantiv daraus durch „Deine Mudda“ ersetzen und das dann automatisch tweeten. Zur Inspiration noch ein paar manuell generierte Headline-Mashups von heute:

    – Syrer (16) wurde von Deiner Mudda ferngesteuert
    – Studie: Jeder 3. findet, Deine Mudda ist selber schuld
    – Pirat fuhr Deine Mudda mit Sackkarre durch Berlin
    – Das verdient Deine Mudda an jedem iPhone (Oder besser: Das verdient Apple an Deiner Mudda?)
    – Deine Mudda gefährdet sozialen Frieden im Osten

Falls Ihr das auch nur halbwegs lustig findet und Euch der Ehrgeiz packt, wäre das hier vielleicht ein Startpunkt. Ich selbst habe seit Wochen den Dash-Button zuhause liegen, aber selbstverständlich noch am Stück, nicht gehackt.

ätschtäg # dmexco

Am Mittwoch den ganzen Tag über die Digital Marketing Exposition & Conference gelatscht. Messestände angeschaut, einige Panels besucht, ein paar Bier auf Kosten von Spotify, ich glaube t3n, vielleicht aber auch irgendeine Firma mit O getrunken und nach einem Sekt beim Denkwerk habe den Namen den letzten Sponsors vergessen.

Als einziges physisches Mitbringsel ein Schaumstofftier meines LieblingsAd- und -TrackingBlockers eingepackt. Daß Ghostery auf der dmexco vertreten war, fand ich allerdings auch nur solange ziemlich lässig, bis ich heute mal wieder deren Website gesehen habe. Da hat sich ja einiges getan.

Ghostery

Außerdem mit @silvestah vor den Messetüren ein paar Kippen geraucht. Und dabei natürlich unterhalten. Also eigentlich habe ich die meiste Zeit gelabert, jedenfalls kommt es mir rückblickend so vor. Allein weil er sich das angehört hat, ist er ein feiner Kerl.

digital marketing quappsch & co.

Wenn ich InvestigativQualitäts… Techjournalist wäre, würde ich ja mal die zitierten App-Rezensionen auf den verschiedenen Länderseiten von WHERE TO? miteinander vergleichen. Beste:

I used this app on a 1200 mile car trip and it found all I needed using my thumb while driving (gas, food, tire repair). Great app! ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Das findet sich tatsächlich so auf der US-Website. Liest sich ja fast, als wäre im Land der unbegrenzten Möglichkeiten die Smartphonenutzung am Steuer erlaubt. Auf der deutschen Site findet es sich nicht. Die ist allerdings auch keine wörtliche Übersetzung: Während US von „an easy, fun new way“ spricht, heißt es auf D „intelligente, lokale Suche“. US sagt „no typing or map-reading skills required“, bei D wird „Reiseführer“ auf den letzten beiden Silben betont.

Eine wirklich beeindruckende Leistung! Selbst hier oben in Norwegen wird die letzte Pizzabude hinterm allerletzten Felsen gelistet! ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Spezifische Ansprachen hin oder her – für eine Nachspürreportage durch die 130 deutschsprachigen App-Rezis fehlt mir die Zeit zum Gegencheck, ob das nicht doch eine Hinübersetzung aus dem Norwegischen ist.

(Wohin? Triff mich morgen http://dmexco.de.)