Zu müde, um ein Wortspielfeuerwerk abzubrennen

Die nun wirklich nicht als hooliganfreundliches Proletenblatt bekannte ZEIT schreibt unter der Unterschrift „Ultras: Sie nennen es Krieg“ vor einigen Tagen unter anderem:

Seit Wochen veröffentlicht [Bild-Zeitung] immer wieder Ultra-Storys. Begonnen hat es mit einer Geschichte, in der es heißt, Rainer Koch sei bei dem Treffen in Dresden bedroht worden, auch von Hausbesuchen war zu lesen. Am Wochenende korrigierte Rainer Koch die Berichterstattung. Er sei nie bedroht worden, schrieb er auf Facebook. Er habe nicht einmal mit der Bild gesprochen.

Später hebt das Blatt den Gladbacher Verteidiger Jannik Vestergaard auf die Titelseite, der angeblich Haftstrafen für Ultras fordert. Tut er aber nicht, wie er kurz darauf in einem ausführlichen Statement erklärt. Der Onlinechef der Bild kündigt dennoch schon einmal an, mutmaßliche Gewalttäter aus den Kurven hochauflösend auf Seite 1 zu drucken. Wie schon nach dem G20-Gipfel scheinen juristische Grundprinzipien wie Gewaltenteilung oder die Unschuldsvermutung in diesen Überlegungen keine große Rolle zu spielen.

Der Kampf der Blöd für eine noch weiterreichende Kommerzialisierung des Profi-Fußballs ging heute munter weiter. Superinvestigatives Anonym-Interview mit einem Ultra, reißerischste Aufmacher, Headlines. Derweil darf Draxler weiter über die im europäischen Vergleich benachteiligte Bundesliga jammern. Noch darf er es wohl nicht offen sagen, aber der Mann würde für einen deutschen ChampionsLeague-Sieg wahrscheinlich sogar persönlich seine lebendige Großenkelin an russische Oligarchen oder saudische Ölscheichs verkaufen.

Und das alles wahrscheinlich aus demselben Grund, warum man nach Hamburg die linken Gipfelchaoten zu staatsgefährdenden Wohlstandsterroristen hochgejazzt hat: Weil es Auflage bringt.

Deutsche wundern sich, wie wohl die Norfolk State University in #Charlottesville, Virginia abgekürzt wird.

Heute mal keine leichte Kost in der Mittagspause. Wobei ab 11m11s wirklich eine Triggerwarnung angesagt ist. Man sieht das Auto, wie aus Berichten bekannt, direkt und unvermittelt in die Menschenmenge rasen.

Wenn man sich das so angeschaut hat, dann greift das übliche Witz-Niveau des ansonsten sehr von mir geschätzten John Olivers auch nicht mehr.

Aber bevor ich überheblich klinge: Jetzt finde ich den Tweet über Deutsche gerade nicht, die „schon immer wußten, wie gewaltig rassistisch Amerika ist, aber hier zuhause den NSU gerne ausblenden“.

Note KW 32/17

Die regelmäßigen Linksammlungen Woche für Woche zu posten, habe ich seit einiger Zeit aufgegeben. Das schließt aber selbstverständlich nicht einzelne Zitate aus, wenn es denn etwas dazu zu kommentieren gibt. Deshalb möchte ich Euch den „Fauxpas Nr. 3“ nicht vorenthalten, auch wenn der Artikel auf STYLEBOOK schon mehr als ein paar Tage älter ist.

Zum Abschied aus Polen am Mittwochmorgen entschied sich Kate für ein blaues Spitzenkleid mit passendem Mantel ihrer britischen Lieblingsdesignerin Catherine Walker, das sie überraschenderweise auch trug als sie in Berlin landete. Es wundert kaum, dass das Outfit die Reise nicht ganz unbeschadet überstand. Als William und Kate auf Angela Merkel trafen, hielt ein Fotograf fest, was eigentlich nicht sein sollte: Der Mantel wies auf der Rückseite große, lange Knitterfalten auf, die Kates Stylistin eigentlich hätte problemlos mit einem Steamer oder einem Reisebügeleisen entfernen können.

Seit beim Stern das „Blaublüter-Bulletin“ seine Eigenständigkeit verloren hat und die einzelnen Berichte nun in der Rubrik „Lifestyle“ aufgehen und Bunte auch für Royals statt auf das geschriebene Wort und Photos lieber auf Video-Content setzt, wird meine Adelsneugier nur noch selten gestillt.

Wo holen sich denn moderne Monarchiefans heutzutage ihr tägliches Update Klatsch und Tratsch? Es muß doch noch anderes als GALA.de und den Twitter-Account von Catrin Bartenbachgeben.