Gekauft

Wenn zwei Texte so gut zusammenpassen wie diese beiden hier, dann überlege ich manchmal, die „(wöchentliche) verlinkt“-Reihe doch wieder auferstehen zu lassen.

If the customer is always right, then you’re never wrong when you’re consuming.

Mit The Constant Consumer liefert Drew Austin im Real Life Magazine eine Art Grundlagentext für die ganzen „Late Capitalism“-Auswüchse.

Einer speziellen Ausprägung davon widmet Wolfgang Ullrich im NZZ Folio einer seiner stets gewinnbringend zu lesenden Berachtungen: Schrecklich lustige Wohnwelten.

Gags auf Sesseln oder Sofas sind Zeichen einer Wohlstandskultur, in der es genügend Menschen gibt, die sich neue Möbel ähnlich oft leisten wie Bademode oder ein Smartphone. Ein pointenorientiertes Design wirkt als Statussymbol, der Besitz zeugt von ökonomischer Potenz. Früher war es bei Möbeln die Patina, die Ansehen verschaffte, weil sie nahelegte, dass eine Familie schon mehrere Generationen lang in soliden Verhältnissen lebte und Tradition besass. Heute dienen Witze als ähnliches Merkmal der Abgrenzung.

(Ja, ich lasse mir von Instapaper alle meine Notes immer noch einmal pro Woche per Mail zuschicken.)

Screening

Ich bin draußen. Aber das sagte ich ja bereits. Seit dem iPhone 3 habe ich mir alle zwei Jahre immer das neueste Modell geholt. Und natürlich nicht direkt bei Apple, sondern querfinanziert mit einem teuren Tarif der Deutschen Telekom.

Man redet sich das ja schön bequem. Bei einem Wechsel gefährde man potentiell die angestammte Handynummer. Und überhaupt die Gruselstories über die Empfangsqualität anderer Netze… Letzteres habe ich mit einem Vertrag bei der DT-Tochter Congstar zu minimieren versucht. Bis jetzt habe ich keinen Unterschied beim Empfang feststellen können.

Die horrenden Zuzahlungen für die neuen Geräte wollte ich nicht mehr mitgehen. Der Face Recignition bin ich abergläubig skeptisch gegenüber. Mein iPhone7 ist etwas zerkratzt, aber eigentlich noch recht fit. Dafür zahle ich nun weniger als die Hälfte im Vergleich zu vorher – für fast doppelt soviel Datenvolumen. Trotz der 5€ Aufpreis monatlich für schnelles Internet. Und 80€ Wechselprämie gab es noch oben drauf. Bin ziemlich zufrieden.

Hätte ich gewusst, daß damit auch der Providername links oben neben der Wifi-Anzeige wegfällt, hätte ich womöglich schon früher gewechselt. Das „Telekom“ hatte mich nämlich zeitweise so genervt, daß ich kurz davor war, so etwas hier auszuprobieren.


Abteilung Influencer

Ich wollte ja mal Promis vorschlagen, von Verizon, AT&T et al. Geld für jeden solcher geposteten Screenshots zu nehmen, auf denen der Providername klar erkennbar ist.

Am Rande des Nervenzusammenbesuchs

Knoblauch kommt auf eine Werbeagentur zu und braucht einen Claim. Eine Strategie-Empfehlung von irgendeiner renommierten Consultingfirma hat er sich schon andrehen lassen, ihn als „verbesserten Lauch“ zu positionieren.

Also liefert die Agentur nach zwei internen Abstimmungen im ersten Wurf eine DIN-A4-Seite mit etwa zehn Claimvorschlägen wie „Knob – Lauch 2.0“, „Knob – der bessere Lauch“ und „Mehr Lauch geht nicht“.

Vor dem Kundenfeedback bin ich dann zum Glück aufgewacht.

They just did it.

Als lediglich das Bild aufgetaucht ist, brach schon die Hölle los. Also zumindest kam es einem so vor. Leute verbrannten ihre Schuhe, aus allen Ecken des Internets erschollen Boykottaufrufe, Trump äußert sich negativ usw. Spiegel Online bringt die Schlagzeile »Nike-Aktie bricht ein«, um im Artikel selbst dann nur noch von einem »abrutschen« des Kurses zu sprechen. Was meint Ihr, wieviel der Aktienwert runtergegangen ist?

Aber erst einmal das heute veröffentlichte Werbevideo in ganzer Länge:

Es sind läppische 3%. Das ist alles andere als ein Weltuntergang. Es ist der Preis, den ein Marktführer wie Nike zu zahlen hat – und offensichtlich zu zahlen bereit ist: der Spot von W+K ist großartig gemacht – um sich als Herausforderer, als Rebell inszenieren zu können. Davon lebt das Markenimage.

Daß sich das auf lange Sicht auszahlen wird, haben sie bei Zeit Online besser begriffen. Und als Hauptsponsor der NFL gewinnen sie am Ende wahrscheinlich sogar so oder so. Der Riesenaufruhr von rechts wird sich schon in ein paar Wochen in die schier endlose Reihe folgenloser Shitstorms eingereiht haben.

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