Startupidee midlifecrisel.de

Funktioniert wie kleiderkreisel.de, nur daß man dort statt seiner gebrauchten Klamotten die Anschaffungen tauschen und verkaufen kann, mit denen Männer eines bestimmten Alters meinen, ihre innere Lebensunsicherheit kompensieren zu können und deren ablenkender Effekt lediglich von kurzer Dauer ist.

(Blöd nur, daß meine Midlifecrisiskäufe komplett aus überteuerten Streetwearklamotten bestehen, für deren Tragen ich eigentlich zu alt bin…)

Who put the Faschos in Fasching?

Typ in einem 08/15-Piratenkostüm aus Vollplastik gesehen – soweit, so lame. Aber dann hatte er das Ganze mit einer selbstgebastelten ❝Captain Deiters❞-Schärpe getunt; das hatte dann wieder was.

Der Südstadtzug am Karnevalsdienstag auch dieses Jahr wieder sehr grün, mit mehr oder weniger nachhaltigen Kostümierungen, um auf die Klimakrise aufmerksam zu machen. Paar Pro-EUs in Blau waren auch dabei, plus eine Truppe, die Multikulti feiern wollte – ausgerechnet als Indianer verkleidet.

Das ist jetzt nicht gerade Blackfacing oder Aalst, aber etwas Reflektiertheit hätte der Sache schon gutgetan; einfach vorher mal Cultural Appropiation googlen.

Falls ich mich jemals verkleiden sollte, dann als Meta-Kommentar zu ebendieser Unart. Doch wie stellt man das an? Weißes T-shirt anziehen, auf dem einfach nur ❝Chinese❞ steht? Vielleicht wüßte Captain Deiters eine Antwort darauf.

Magazin-Mode

Das hier liegt bei uns in der Agentur auf einem Coffeetable. Das Handelsblatt Magazin haut öfters Mode-Specials raus, z.B. gab es schon welche mit monothematischen Covern zu Jeremy Scott oder Zalando. Und jetzt also vor ein paar Monaten Chanel.

handelsblatt magazin cover chanel

Auch, wenn auf Seite 1 nur die eine Story gespielt wird, es sind jeweils nur die Titelgeschichten – in den Heften finden sich auch andere Artikel und Rubriken. (Die vorletzte Seite ist immer einer Kolumne von Richard David Precht vorbehalten.)

Soweit nichts Neues, kennt man am prominentesten wahrscheinlich von den Covern des Time Magazine.

Aber nun lese ich die Meldung, daß mit dem Launch ihres neuesten Projekts „die Funke Mediengruppe das Lifestyle-Segment ausbaut“. In der w&v heißt es dazu:

Die opulent aufgemachte Zeitschrift ist allerdings kein klassischer Modetitel: Fashion Icons widmet sich bekannten Modehäusern und erzählt deren Geschichte. Die erste Ausgabe dreht sich um das italienische Unternehmen Gucci: Auf rund 100 Seiten dokumentiert das Heft die Geschichte und die Rolle der wichtigsten Personen und der einflussreichsten Köpfe des Hauses.

Sicher, ein etwas anderes Konzept. Wenn ich allerdings nur die beide Titelblätter miteinander vergleiche, dann weiß ich auch nicht.

Zudem Die Welt schon länger Lifestyle-Themen unter dem Label Icon publiziert.

Mode & Verzweiflung

Ich bin immer noch nicht darüber hinweggekommen, daß Michael Kors Versace gekauft hat – und nicht umgekehrt. Der Emporkömmling verleibt sich den Klassiker ein.

Zeit also, mal wieder ein paar aktuelle Texte über Mode zu teilen. Den Anfang macht Supernova, das junge Online-Magazin von Neues Deutschland – also quasi Bento, zett oder so in links. Da habe ich die Rubrik »Leftstyle« mal über den RSS-Reader abonniert, obwohl dort solche Texte erscheinen:

Ebenso wird es über einen schicken Style deutlich einfacher, auch neue Leute ansprechen. Das Konzept „Jugend-Antifa“ vor allem im ländlichen Raum versucht dies seit längerem mit gutem Erfolg: „Antifa? Die mit den coolen Schuhen?“ Hiermit kann man Jugendliche abholen und gleichzeitig politisieren.

Aus: Die Lorbeer-Linke. Meinen die das ernst? Ich bleibe da aber vorerst mal dran.



Sehr interessantes Interview mit Hans-Christian Dany in der Spex: Die Hells Angels transportieren ihre Kutten in Louis-Vuitton-Koffern. Daraus:

Durch den Anstieg der Überwachung und die zunehmende Verwertung von Subjektivität in der Kontrollgesellschaft hört abweichendes Verhalten auf, ein heiteres Spiel zu sein, sobald es nachgeahmt wird. Einen Style zu erfinden, wird schnell zur unbezahlten Vorarbeit für eine Warenform. Modisches Verhalten ist zudem Teil der andauernden Bewerbungssituation geworden. Ich zeige mich zeitgemäß und offen, woraus potentielle Arbeitgeber_innen schließen können, dass ich bereit bin, mich flexibel mit der Arbeitsanforderung zu entwickeln. Überwachung wiederum interessiert sich vor allem für Abweichungen. Ich rücke mich in die Aufmerksamkeit der Polizei, wenn ich mich nicht entsprechend der Norm verhalte. Normcore, ein Trend der bewussten Unauffälligkeit, formt unter anderem den Versuch, gemeinsam unter den Radar zu tauchen.

Danys Buch MA-1. Mode und Uniform jedenfalls steht bei mir auf der Wunschliste.



In The Outline liefert Angelica Frey einen Rundumschlag: Das automatisch gelieferte Title Tag „French Girl Fashion“ is a lie bleibt da noch brav, besser die URL und die Headline checken.

Let’s just say it once and for all: those wardrobe staples only pull their own weight if they’re made with high-quality materials, meaning only when they veer to the expensive side. „What lends minimalist dressing its gravitas is its price.”

Und jetzt gehe ich noch das Slimane-Interview lesen. BoF hat die englische Übersetzung des original im Figaro erschienenen Artikels.

Die Kritiken zu seiner ersten Celine-Show waren ja nicht so pralle. (btw: Wieso funktionieren die Photogalerien dazu weder bei Elle noch in Harper’s Bazaar? Was ist da los, Burda?)

start-down ideas

1. MODE

Die Lappen zum Anzünden von Molotow-Cocktails, aber in chic. Gab es bestimmt schon vor Jahren als pseudo-subversive Photostrecke in der Vice or whatever, schön Seidentücher von Hermes und Burberry-Schals gefeatured. Stimmt’s?

Egal – also einen Online-Shop eröffnen, der diese Lappen in stylish verkauft. Mit wirklich guten Designs bedruckt, den Stoff jedoch nicht nach Tragekomfort und Hautverträglichkeit auswählen, sondern nach Brennwert. Dabei alles fair und nachhaltig produzieren, CO2neutraler Versand und so, ganz wichtig. Der Shop selbst muß aber auch was hermachen, klar.

2. DROGE

Den Karren gar nicht schnell genug vor die Wand fahren können. Accelerationism uber alles. Ausgangsidee: Kokain wirkt einfach zu langsam. Eine Firma gründen, die versucht, schnelleres Koks auf den Markt zu bringen. Die quälend langen Sekunden zwischen Schniefen und Einsetzen des Kicks verkürzen. Das muß instantan gehen, wie beim Spritzen. Laborarbeit sponsern, Lobbyarbeit, der ganze Scheiß – voll auf die provokative PR-Schiene setzen.