Nachmacherqualitäten

11/05/2022

Aus einem auch für Leute, denen die Thematik grundsätzlich nicht fremd ist, immer noch recht interessanten Artikel des The Guardian über imitierte Markenprodukte:

„The products most affected are those known in the unlovely jargon of marketers as ‚masstige‘ products (combining ‚mass market‘ and ‚prestige‘): goods that are premium but still affordable. No clear line separates these from luxury goods, but instead of emphasising craftsmanship and tradition, superior quality and exclusivity, masstige goods sell themselves on artisanal touches, wish fulfilment, celebrity association and trends. As one commentator puts it, masstige focuses on aspiration, ‚the implicit distance between the world they [the brands] represent in their communications and the product their consumers can actually afford to buy‘.“

Masstige – den Begriff kannte ich noch nicht. Aber diese Kategorie ergibt durchaus Sinn. Denn während ich innerlich bei der Vuitton-Tasche und dem Gucci-Cap des unterprivilegierten Teenagers aus Chorweiler auch als relativ ungeübtes Luxus-Auge sofort Faaake! schreie, sieht es bei seinen Nike-Sneakern und dem Adidas-Shirt schon anders aus.

Im Luxussegment ist das diesen Kids egal es geht um die Hustler-Attitude – sie wissen, daß jeder weiß, daß sie Imitationen tragen. Weil sie sich die oberste Preisklasse absolut nicht leisten können. (Weshalb auch solche Rechnungen wie „10.000 Fake-Produkte im Wert von mehreren Millionen Dollars“ totaler Quatsch sind. Luxusmarken entgeht hier kein Geschäft; sie können diese trittbrettfahrenden Nachahmungen im Gegenteil sogar als Werbung für ihre Originale betrachten, zumindest in gewisser Weise.)

Eine Stufe darunter – teuer, aber nicht unerschwinglich, eben Masstige – sieht die Sache schon ganz anders aus…