Geh‘ danken.

By drikkes on 14/07/2010 — 6 mins read

Damals ist meine erste Reaktion gewesen, impulsiv in Richtung „So fängt es immer an.“ kommentieren zu wollen. Habe ich Besonnyboy dann doch nicht gemacht. Ich würde sowas ja auch abgreifen, keine Frage; nur erwähnen sollte man es eben. Schön, wenn das auf so charmante Art wie bei den beiden Damen vonstatten geht. Nur sollte man eben nicht glauben, daß danach alles beim Alten bleibt.

Der Anlaß für diesen Post hier und jetzt (also mindestens einen Tag zu spät): Der manchmal zur Skandalisierung neigende Herr Richel hat doch tatsächlich in einem durch und durch kommerziellen Bloggespinst Werbung entdeckt. Die hier absichtlich nicht verlinkten Beauty- und Fashionblogs von glam.de/ erwähnen einen die Berlin Fashion Week sponsornden Wasserfabrikanten mehr als mehrfach, ohne explizit darauf zu verweisen. Das Getränk findet in all den Posts noch nicht einmal eine lobende, sondern einfach nur überhaupt eine Erwähnung. Also Schleichwerbung im eigentlichen Sinne, vergleichbar mit in Filmen vorkommenden Bierflaschen eines bestimmten Brauereikonzerns oder dem nigelnagelneuesten Modell einer einer gehobenen Automobilmarke als Dienstwagen eines Tatort-Kommissars. Das ist einerseits übertrieben, andererseits unkorrekt, aber nicht wirklich exorbitanter Aufregung wert. Doch immerhin ist es Anstoß für eine Diskussion via Twitter gewesen, in meiner Timeline vor allem zwischen diesen drei Personalien.

  1. Sebastian
    sebaso @mathiasrichel @mymartina aber müssen fashionblogs nicht eh die kennzeichnung „dauerwerbesendung“ tragen?
  2. Lisa Rank
    kumullus @sebaso Müssen sie nicht, wenn sie es ordentlich kennzeichnen und eine eigene Meinung samt Haltung dahintersteht. Ein Geschmack.
  3. Sebastian
    sebaso @kumullus also müssen sie es doch. :D
  4. Lisa Rank
    kumullus @sebaso Nein. Sachen aus einem Geschmack oder einer Leidenschaft heraus zu empfehlen ist etwas anderes als vereinbarte, bezahlte Werbung.
  5. Sebastian
    sebaso @kumullus sachen zu empfehlen um zeugs kostenlos zu bekommen (egal ob sachen oder einladungen) bleibt doch dauerwerbesendung, oder?
  6. Lisa Rank
    kumullus @sebaso Du wirst es kaum glauben, aber es gibt nicht allzu wenig Menschen da draußen, die empfehlen der Empfehlung wegen & nicht aus Gier.
  7. Sebastian
    sebaso @kumullus ich würde es nicht Gier nennen. Eher normales Geschäftsmodell. Nicht anstößig, solange man es kennzeichnet.
  8. Lisa Rank
    kumullus @sebaso Richtig. Nicht so wie unglaublich viele Print-Journalisten die diverse Vorteile annehmen, aber so tun, als wären sie achso seriös.
  9. Nilz Bokelberg
    Nilzenburger @sebaso aber wieso verdient der blogger daran etwas zu empfehlen, weil er es empfehlen möchte? und jetzt komm mir nicht mit klicks…! :)
  10. Lisa Rank
    kumullus @Nilzenburger @sebaso Wir bei den @sneakergirls empfehlen z.B. auch einfach nur, weil wir Dinge gut finden & der Welt erzählen wollen.
  11. Nilz Bokelberg
    Nilzenburger @kumullus ich weiss, hab ich auf dem weltfrieden auch schon gemacht. macht jeder! andauernd! aber @sebaso vermutet überall vorteile..:)
  12. Lisa Rank
    kumullus @Nilzenburger Ich glaube, @sebaso glaubt manchmal, er sei der Einzige, der noch aus Überzeugung schreibt. Schade, das.
  13. Sebastian
    sebaso @Nilzenburger @kumullus ich Rede von fashionblogs, deren Hauptzweck Produktempfehlungen sind (was ich nicht falsch finde)
  14. Nilz Bokelberg
    Nilzenburger @kumullus nein, das glaube ich nicht. der weiß ja auch, warum wir schreiben. aber @sebaso denkt halt manchmal noch öffentlich-rechtlich :)
  15. Lisa Rank
    kumullus @sebaso Deren Hauptzweck ist manchmal aber auch einfach nur Inspiration & das Besprechen von Mode, einer Kultur. Kaum zu glauben, oder?
  16. Sebastian
    sebaso @kumullus das ist doch auch völlig ok. (und bei Euch geh ich auch davon aus, dass ihr das kennzeichnet, wenn’s mal anders wäre) :)
  17. Lisa Rank
  18. Nilz Bokelberg
    Nilzenburger @sebaso das ist aber alberne haarspalterei: wo ist mode kunst und wo gebrauchsgegenstand? und was darf man empfehlen und was nicht?
  19. Sebastian
    sebaso @kumullus hab nie behauptet, dass die besser wären. Finde nur „product placement in nem fashion blog“ Überraschung lustig.
  20. Lisa Rank
    kumullus @Nilzenburger Es geht nicht um Kunst vs. Gebrauchsgegenstand sondern um Kultur, die eben interpretiert wird. Kommerziell & inhaltlich.
  21. Sebastian
    sebaso @kumullus was kommt als nächste Enthüllung?“bei derWM geht es gar nicht um Sport,die verdienen ja Geld mit Werbung & Übertragungslizenzen!“?
  22. Nilz Bokelberg
    Nilzenburger @sebaso ? was sie ja nicht könnten, wenn im zentrum nicht auch der sport stünde? oder meinst du die würden quoten mit „frisbee-wm“ machen?
  23. Lisa Rank
    kumullus @sebaso Die Interpretation von Kultur lässt aber nun einmal nicht nur kommerzielle Gedanken zu. Es mag Menschen geben, die meinen das.
  24. Sebastian
    sebaso @Nilzenburger man darf alles empfehlen, man sollte es halt nur kenntlich machen, wenn die Empfehlung durch außen motiviert ist.
  25. Nilz Bokelberg
    Nilzenburger @sebaso anders: wenn jemand sagt „hier, zeig das, ich geb dir dafür xy“, dann ja: kenntlich machen. wenn ich selber was entdecke, dann nö.

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Die strikte Trennung von bloß privaten auf der einen und rein kommerziellen Angeboten auf der anderen Seite zeichnet kein realistisches Bild der Bloglandschaft. Und es wird eher komplizierter als gegenüberstellend einfacher; die Grenzen werden noch mehr verschwimmen. Ich habe sicher schon öfter in Beiträgen zum Beispiel ein Konzert erwähnt, ohne dabei zu betonen, daß ich beziehungsweise umsonst reingekommen bin. Und bestimmt habe ich statt Einwegwindel mal Pampers oder statt Papiertaschentuch eben Tempo geschrieben.
Obwohl ich theoretisch geneigt bin, @sebaso im Grunde genommen recht zu geben, sehe ich doch ein, wie schwierig das in der Praxis durchzuhalten ist. Und diese Haltung darf auf gar keinen Fall zulasten der im Grunde meistens positiven Kommunikationsstimmung im Netz gehen. Denn von einigen Shitstorms abgesehen, ist es eine gute Sache, daß Netzschreiber in der Regel Sachen verbreiten, die Ihnen gefallen und selten meinen, aus Credibilitygründen auch ab und zu etwas kritisieren zu müssen. Nicht immer ist es so einfach, zwischen einem sympathisch euphorisierten (wie etwa dem sneakergirlsblog.de/) und den vielen sich in der Hoffnung auf Werbepartner einfach nur anbiedernden Hurrablogs unterscheiden zu können.
(Kind of disclaimer: Ich bin jedenfalls froh, daß mein Unteranderem-Arbeitgeber das besser als glam.de/ geregelt hat.)

Den Trailer da oben finde ich interessant, ich bin gespannt auf den Film und das schreibe ich hier gratis. Verrate dafür aber, wo ich’s herhab. Warum nerdcore.de/ im Gegensatz zu etwa sexdrugsblognroll.de/ oder amypink.com/ darauf verzichtet, seine Zugehörigkeit zum Glam Publishers Network prominent auf der Startseite zu platzieren und die Erwähnung dieser Connection lieber ins Impressum verbannt, kann ich mir ungefähr ausmalen. Mit sehr bunten Stiften.

Nachtrag // Mathias Richel faßt die Verfehlungen des betreffenden Lifestyle-Blogs kurz und knapp zusammen. (Falls aus meinem wirren Geschreibsel mal wieder niemand schlau wird.) Und der boschblog.de/ sieht den Vorfall unter Einsatz des Sloganizers von der humorigen Webseite.

Posted in: Netzeug, Reklamierung

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