Wählen gähnen

Der mittlerweile schon klassisch zu nennende Wahl-O-Mat geht erst am 30. August online. Die Leute sharen derweil munter das (nach Eigenaussage) „Quiz“ DeinWal.de. Viele preisen es allerdings als „Alternative“ zum Wahl-O-Mat an, wobei sie das abweichende Konzept mitunter recht offen als überlegen hervorheben. Denn statt der Wahlprogramme von Parteien stellt DeinWal vergleichende Fragen zum zum wirklich geleisteten Abstimmungsverhalten der letzten Jahre.

Mal abgesehen davon, daß ich – ganz subjektiv – die Fragen mitunter etwas tendenziös formuliert finde, scheint mir das Demokratieverständnis dieser Aufbereitungsart doch recht problematisch. Oder sagen wir genauer: die Art und Weise, mit welchen Worten das Tool auf Facebook und Twitter geteilt wird. Da werden die Programme der Parteien als Wahlversprechen gewertet, wobei diese oft noch nicht einmal komplett in einer Legislaturperiode umzusetzen sind, selbst wenn die jeweilige Partei am Abend der Bundestagswahl auf 100 % Zustimmung käme. Eingegangene Kompromisse durch Koalitionsvereinbarungen werden pauschal als Verrat hingestellt. Aus der Opposition heraus läßt es sich hingegen völlig folgenlos, dafür aber öffentlichkeitswirksam dagegensein; man muß ja selbst nicht zeigen, wie man es besser machen würde.

Ich möchte da nur drauf hinweisen, nicht anfangen von Einladung zur Politikverdrossenheit schreien. Aber wenn man sich so vor Augen führt, daß beispielsweise die SPD in den letzten Jahrzehnten jeder einzelnen Verschärfung der Asylgesetze zugestimmt hat… Da gucken wir uns doch vielleicht lieber bunte Bildchen an. Oder lassen das jemand anders für uns machen.

Ich habe übrigens noch eine App ausprobiert: den „tinderleichten“ WahlSwiper. Der gefällt mir einfach nicht, weil er auf den Beispielscreenshots im AppStore die FDP vorne hat. Und außerdem ist da ein blödes Ergebnis bei mir rausgekommen. So.