Heile und terrsche

By drikkes on 28/07/2010 — 2 mins read

In meinem naiven Hirn weiß ich gar nicht, wo das Problem liegt. Liegen müßte. Oder nicht liegen sollte. Stephan Noller (aka @holadiho) hat vor ein paar Tagen einen für den Großteil der deutschen Netzbürgerschaft – gelinde gesagt – ärgerlichen Blogpost geschrieben, in welchem er die Löschaktionen aufgrund des Rundfunkstaatsvertrags zumindest nicht rundweg ablehnt. Die zu erwartenden reflexhaften Kommentare ließen dann auch nicht lange auf sich warten. Ich würde nicht so weit gehen wie @mspro und @343max und diese Zugangserschwerung in die Nähe von Bücherverbrennungen rücken, aber gutheißen kann ich das auf keinen Fall, schließlich sind diese Sendungen von Gebührenzahlern finanziert worden. Meiner Meinung nach sollten sie auch ein Recht darauf haben, sich diese ohne Hindernisse ansehen zu können. Und zwar, wann sie wollen und nicht nur ein paar Tage nach dem Ausstrahlungstermin.

Schmelzwichser

Die eigentlich einzige Crux ist doch offensichtlich, daß die Öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten in den letzten Jahren ihre Kompetenzen online massiv ausgeweitet haben und so selbst erst eine Konkurrenzsituation zu rein privaten bzw. marktwirtschaftlichen Internetangeboten geschaffen haben. Man muß sich doch nur einmal anschauen, was dieses Jahr beim Grimme Online Award alles ausgezeichnet worden ist. Zitat: „Eine Koproduktion des Mitteldeutschen Rundfunks und ARTE, eine Koproduktion von WDR/SWR, ein Projekt der Axel Springer Akademie, das Kurzfilmportal des Schweizer Fernsehens, die Alsterfilm GmbH sowie ein twitternder Regisseur.“ Sechs von insgesamt acht Preisträgern – alles klar.

Tempus II from Philip Heron on Vimeo. (via)

Können die Öffentlich-rechtlichen TV und Rundfunksender das Internet nicht einfach als Archiv nutzen? Für jedermann zugängig, nicht mehr und nicht weniger. Wer zwingt diese Leute dazu, um ihr Kerngeschäft herum komplette Websites, Micropages und den ganzen Kladeradatsch zu basteln? Und das, owohl ein internetfähiger Computer – im Gegensatz zu Fernseher und Radio – (noch) nicht zur Grundversorgung gehört. Das kann und sollte man zutiefst dämlich finden, aber so ist die Lage nun einmal.

Ich bin bestimmt kein Paranoiker, aber den Anfängen zu wehren ist wohl kaum verkehrt. Wenn ich mir den Fall Brender anschaue oder den relativ reibungslosen Wechsel von Steffen Seibert aus dem journalistischen Lager auf einen Posten als Regierungssprecher, dann kommen mir doch leise Zweifel an der gebotenen Staatsferne von ARD und (vor allem) ZDF. Die Öffentlich-Rechtlichen sollten sich meiner Meinung nach auf Bild und Ton (in welchem Medium auch immer) beschränken und das Texten (ob Papier oder Bildschirm) anderen überlassen, damit sich der Verdacht in Richtung Staatsjournalismus erst gar nicht verstärkt. Mit einem Eiertanz wie dem derzeitigen Rundfunkstaatsvertrag, der sich nicht zwischen der Konkurrenz zu den Onlineangeboten der Zeitungsverlage und der generellen Wichtigkeit von Informationsbeschaffung über das Internet entscheiden kann, ist jedenfalls keinem geholfen.

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