Berufliche Nebeltätigkeit

Wenn Produkte legal zu kaufen sind, dann darf dafür grundsätzlich geworben werden. Und wenn nicht gerade der Waffenhersteller Heckler & Koch eine ganzseitige Anzeige in der taz schaltet, stört das auch die wenigsten. Klassische Medien verweigern selten eine Schaltung, und Rezipienten haben gelernt, zwischen redaktionellen und werblichen Inhalten zu unterscheiden.

Die an fossile Lobbyarbeit grenzenden Klimawandelskeptiker bei der Springerpresse mal außen vor: Niemand wundert sich über Bannerwerbung für Verbrenner-Autos auf spiegel.de oder faz.net. Vielleicht noch nicht. Es gibt eine wachsende Bewegung, die Marketing für fossile Brennstoffe wenn nicht verbieten, dann wenigstens mit obligatorischen Warnhinweisen versehen möchte. Wie bei Tabak oder Glückspiel wären dann von Aral bis Vattenfall viele Unternehmen gezwungen, etwa ihre hochglänzenden Werbespots mit einem solchen Nachklapper zu versehen: “Das Verfeuern von Braunkohle und Erdöl schadet der Umwelt und verschlechtert die klimatischen Lebensbedingungen auf diesem Planeten.”

Gegen Konkretes wie die irreführend werbliche Verwendung des Begriffs “klimaneutral” kann man regulierend vorgehen. Schwieriger wird es, wenn es nicht um bestimmte Produkte geht, sondern nur ein diffus grünes Image verkauft wird.

Auftritt der Influencer

Von denen behaupten viele immer noch, sie wären selbst bei ihren Werbekooperationen so authentisch, daß sie nur die Sachen anpriesen, von denen sie überzeugt sind und die sie auch wirklich benutzen. So eine Haltung, die fehlende Trennung zwischen Content und Werbung, fällt einem natürlich auf die Füße, wenn sie allzu plump als Lüge entlarvt werden kann.

Da ist Shell mit seiner elaborierten Propaganda um einiges subtiler als Shein. Dass aber auch hier die daran teilnehmenden Travelblogger und Gaming-Streamer ordentlich Gegenwind bekommen, ist ein gutes Zeichen.

Ich warte derweil auf den ersten Fußballprofi, der zum Beispiel seinen Vereinswechsel öffentlich mit den unethische Machenschaften des Trikotsponsors begründet.

3 responses to “Berufliche Nebeltätigkeit

Kommentieren