baden gehen

19/08/2022

Diese IKEA-Werbung hier wird gerade auf LinkedIn abgefeiert – also was man auf LinkedIn eben so „feiern“ nennt: schleimig affirmative Jubelkommentare von höchstens drei Wörtern Länge. Bravo! Genial!

Das Ding hängt in amtlicher Größe irgendwo in Zürich rum, ich kenne mich da nicht aus. Daher kannte ich auch den Begriff „Badi“ nicht, aber der erschließt sich durch das Motiv ja recht schnell. Was ich allerdings immer noch nicht checke, ist die Aussage hinter dem Riesenplakat. Was will mir diese Werbung sagen?

Laut W&V handelt es sich um „ein Plädoyer für nachhaltigen Urlaub in der Heimat“. Was aber hat der schwedische Möbelhersteller und Taschenverkäufer davon? Die beiden von Thjnk gesendeten Produktbotschaften, die bei mir ankommen, sind:

  • Die Tasche taugt nicht als Reisegepäck in ferne Länder.
  • Man kann trotz 71 Liter Fassungsvermögen gerade mal eine Tube Sonnencreme transportieren.

Dann gefällt mir persönlich die Headline nicht. Seit Rüttgers „Kinder statt Inder“ haftet diesem Aussageduktus etwas Negatives an, indem man anderes abwertet, um sich selbst in ein besseres Licht zu rücken.

Zudem wirkt die ganze Inszenierung nicht stimmig. Die zugegebenermaßen einfallsreiche Bildidee wird nicht konsequent umgesetzt. So muß die eigentliche Tasche links unten im Anschnitt dann doch noch gezeigt werden. Wie erwähnt, sieht man außer der Sonnencreme nichts vom Inhalt der großen Tasche – Handtuch, Klamotten, Strandlektüre, Getränke… Der Sand sieht seltsam künstlich arrangiert aus. Und das Motiv hätte gewonnen, wenn es an einem x-beliebigen Baggersee aufgenommen worden wäre und nicht am malerischsten, aussichtsreichsten Uferabschnitt der ganzen Schweiz. (Aber noch einmal: Vielleicht sieht es ja auch an jedem zweiten Schweizer Gewässer so aus, was weiß ich.)

Die einzige Kritik aus Social Media an dieser Werbung kann ich dagegen nicht wirklich nachvollziehen: Hautkrebsverherrlichung. Seltsam ist es allerdings schon, daß der abgebildete Mann Urlaub um die Ecke macht, der Weg dahin jedoch lang genug ist, um sich abseits der Tragetasche eine gehörige Sonnenbräune zu holen.

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