über strömend

Jahresende im Internet, Zeit der Prognosen und Vorhersagen. Genau so wird es nicht laufen.

Das Buzzword “Social Media” verschwindet (was einige auch mit Erleichterung zu Kenntnis nehmen), denn die Kommunikation im Web ist nun etwas Alltägliches. Die ersten Telefone der Welt wurden bestaunt, heute nervt es nur noch, wenn es besetzt ist. Der frühe Zauber der Netzwerktechnologie ist verflogen, in den Vordergrund ist der tatsächliche Nutzen gerückt. Es ist normal sich mitzuteilen. In 2014 wird diese Selbstverständlichkeit so weit zugenommen haben, dass wir uns wundern, wenn der Kumpel nach dem grauenhaften Italiener-Besuch keinen Yelp-Rant von der Stange lässt.

So sieht dann wohl doch eher die Gegenwart aus, wie Webevangelikale sie gerne hätten. Bzw. ihren Kunden gerne verkaufen. Wobei das negative Rantbeispiel am Ende des Zitats natürlich nicht zur Abschreckung dienen soll, sondern eine zwingende Aufforderung an kuscheligere Unternehmenskommunikation 2.0 darstellt. Ein Drohszenario, das allerdings immer weniger zu verfangen droht. Der Effekt unablässiger Empörungsabnutzung ist dafür einfach schon zu augenfällig.

Da kann die Problematik noch und nöcher als Filtereinstellungssache abgetan werden. Bei aller überbehaupteten -souveränität: Filterblase bleibt Blase. Auf Twitter sowieso, da scheint die Diskrepanz zwischen Netzgemeinde und RealLife am klaffendsten.

Don’t call it Social Müdia! // Dieser Tage sind die Abgesänge auf Facebook Legion. Entweder in form von noch zu Lebzeiten veröffentlichter Nachrufe oder ganz persönlichem Abgang. Dafür werden einem verschiedene Gründe angeboten, wobei dann noch darüber gestritten werden kann, was Ursache und was Wirkung ist.

The amount of sharing that Facebook is trying to cram through its News Feed is now starting to turn into a problem for Facebook, argues freelance analyst Benedict Evans.

Kehren die User Facebook den Rücken, weil es zu groß und unübersichtlich geworden ist? Oder ist die seit Jahren allein seligversprochene Timeline doch nicht der Weisheit letzer Schluß, der Newsfeed generell vielleicht doch nicht der heilige Gral der Onlinekommunikation? Warum wenden sich gerade Jüngere vom Social Network Nummer eins ab und Messenger-Plattformen neuerer Generation wie WhatsApp und Snapchat zu?

Weil es allgemein als uncool wahrgenommen wird? Weil kein Teenager gerne eine Party mit seinen Eltern feiert? Oder wird am Ende doch nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird? Kein Wachstum ist in der Wirtschaftswelt zwar so gut wie tot. Im Ansehen ganz normaler Menschen aber einfach nur gesättigt. Und womöglich hält sich das pseudomessianische Sendungsbewußtsein des Mainstreams doch in Grenzen. Und das ist nicht die Rückkehr des passiven Medienkonsums – der war nämlich nie weg, nur hat er seine Form geändert.

Und am Ende weiß man doch nicht, was kommt. Und das liegt nicht am unsäglichen Trend zum endless scrolling.

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