grund/verschieden

So mit die ersten Tweets, die ich nach dem Sieg Trumps gestern las, waren die Forderungen nach einen besseren Journalismus. Sie kamen natürlich von Journalisten. Und natürlich lag es nicht an den Reportern und Redakteuren selbst, sondern an den Verlagen, die ihnen aus purem Profitstreben nicht die notwendigen Mittel und Vergütungen bereitstellten.

Ich finde diese Art von Eigenwerbung noch abstoßender als Internetarbeiter, die in regelmäßigen Abständen «Print ist tot» zetern. Den meisten dieser Sichselbstdernächsten steht der schamlose Eigennutz ohnehin ins Gesicht geschrieben. Journalisten hingegen bilden sich gerne etwas auf ihre Qualitätsansprüche und vor allem ihren Berufsethos ein. (Wenn sie nicht gerade mit PR etwas dazuverdienen. Müssen – woran wieder nur die Verlage schuld sind.)

Die weniger mitleidige Seite der Selbstbespiegelung konnte man auch schon vor der Trump-Wahl lesen, etwa den großartigen Text How Half Of America Lost Its F**king Mind über die tiefe Spaltung zwischen Stadt und Land. Auch der Guardian gab Mitte Oktober in Dangerous idiots: how the liberal media elite failed working-class Americans den Proletenversteher.

The main reason that national media outlets have a blind spot in matters of class is the lack of socioeconomic diversity within their ranks.
The economic trench between reporter and reported on has never been more hazardous than at this moment of historic wealth disparity, though, when stories focus more often on the stock market than on people who own no stocks.

Derweil werden weiter Schuldige gesucht. Mal sollen es alte Männer sein, dann Weiße, danach die Nichtwähler, die Unmobilisierten oder auch gleich das gesamte Wahlsystem – irgendjemand muß den schwarzen Peter am Ende zugesteckt bekommen.

Journalisten vergessen dabei nicht nur gerne, daß sie selbst zu einer recht privilegierten Schicht gehören. Was sie noch lieber verdrängen, ist ihr Schreiben für eine bestimmte Klientel. Denn natürlich hat jede Zeitung, jedes Magazin ihre/seine Leser im Blick. Und jenseits des Boulevards handelt es sich hierbei mehrheitlich um das establishmentale Bildungsbürgertum.

Black Bug

Das Bedienen dieser Teilöffentlichkeiten hat beim gedruckten Wort in der Summe auch sehr lange funktioniert. Diskurshoheiten verteidigten sich quasi von alleine, bis hinunter zu den Nachrichten in TV und Radio. Nur Online, in diesem Internet hat man plötzlich ein Problem. Hier zählt die Publikation weniger als Marke, sondern Artikel werden Klick für Klick gelesen. Was sie – grob vereinfacht – im Endeffekt immer mehr einander angeglichen hat.

Der Reichweitenwettlauf hat auch zu einer Austauschbarkeit geführt. Mithin wohl ein Baustein für den Vorwurf »Lügenpresse«. Ob man dem als Politiker mit anbiedernder Kumpelei entgegenwirken kann, darf bezweifelt werden. Eine Lösung habe ich zwar auch nicht, aber da mache ich nicht mit.

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  • Hektor Chantal

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