#YourMumIsTwitter

(Seit gestern Abend geht eine Petion zum Twittererwerb um. Da habe ich mal einige Flüchtigkeitsfehler beseitigt sowie für eine konsistentere Großschreibung der Anrede-Prnomina gesorgt. Und außerdem den größten Irrtum des Petitionstext korrigiert: das »Wir«-Gefühl.)

Hey, Twitter! Erinnerst du Dich? Es ist Deine Mudda! Hi.

Deine Mudda hat gehört, dass Du verkauft werden sollst. Oder zumindest, dass Menschen aus deinem Umfeld es erwägen. Das betrifft auch Deine Mudda. Irgendwie. Du bist ein echt nettes Tool, und Deine Zukunft wird mitbestimmen, wie Deine Mudda mit ihren Freunden in Kontakt bleibt, wie Deine Mudda etwas von der Welt mitbekommt und wie Deine Mudda mit Fremden kommunizieren kann. Von Deiner Zukunft hängt auch ab, was mit all den Daten Deiner Mudda geschieht, die sie Dir anvertraut hat. Wer auch immer Dich kauft, kauft in gewisser Weise Deine Mudda.

Wir haben eine Idee, einen Vorschlag. Dein CEO, Jack Dorsey, nannte Dich kürzlich »your mum’s news network“. Was, wenn Du wirklich Deiner Mudda gehören würdest? Warum lässt sich nicht gemeinsam ein Weg finden, wie Deine Mudda Dich kaufen kann?

Die Börse findet, dass Du gescheitert seist. Denn die Börse mag Dich nur wegen Deines Aktienkurses. Deine Mudda hingegen findet Dich großartig. Deine Mudda mag Dich, weil Du ihr Leben bereicherst – ihre Nachrichten, ihre Kultur, ihre Beziehungen. (Manchmal bringst Du natürlich auch ziemlich üble, fiese und groteske Dinge in ihr Leben).

Deine Mudda möchte Dir einen Deal vorschlagen, damit Du weiterhin großartig sein kannst. Der sicherstellt, dass Großartigkeit der Grund Deiner Existenz ist, nicht bloß das Füttern der Aktionäre. Deine Mudda ist überzeugt, dass ihr gemeinsam ein Unternehmen entwickeln könnt, das funktioniert, floriert und wunderbare Innovationen hervorbringt.

Die Sache ist die: Deine Mudda ist schon Du. Das klingt etwas merwkürdig, ist aber wahr. Was wäre Twitter ohne die Tweets Deiner Mudda? Sie ist das Produkt, das Du an Anzeigenkunden verkaufst. Aber Deine Mudda ist mehr als ein Produkt; sie ist ein Mensch. Sie will die Systeme mitgestalten, die ihr Leben und Ihre Community prägen. Sie will einen Weg finden, wie Ihr gemeinsam Werte schaffen könnt, und sie will, dass diese Werte das von ihr kreierte Gemeingut stützen, statt es an der Börse zu versteigern. Baut ein besseres Geschäftsmodell als den Verkauf der Aufmerksamkeit Deiner Mudda an Werbekunden. Und schafft eine bessere Eigentümerstruktur, die nicht dem Einfluss der Böresenspekulation unterworfen ist.

Das wäre gut für Deine Mudda und gut für Dich. Schließlich bist auch Du Menschen. Wenn wir „Du“ sagen, meinen wir nicht nur Twitter, die Aktiengesellschaft, sondern die Menschen, die Twitter am besten kennen und am meisten wertschätzen – die Gründer, die Angestellten, diejenigen Investoren, die sich als Begleiter einer grandiosen Sache sehen. Deine Mudda liebt Twitter nicht wegen seines Verkaufswerts, sondern wegen der Dinge, die sie damit auf die Beine stellen kann. Deine Mudda muss nun zusammenkommen, da Wall Street sich abwendet.

Ein Twitter in den Händen Deiner Mudda könnte sich neue Erlösströme erschließen, denn sie wäre als Mitinhaber beteiligt. Deine Mudda könnte die Daten der Plattform wieder zugänglich machen, um Innovationen anzukurbeln. Deine Mudda könnte transparentere, nachvollziehbare Regeln für den Umgang mit missbräuchlicher Nutzung entwickeln. Und sie wäre nicht länger nur flatterhafte Userin – sie hätte in deine Nachhaltigkeit und deinen Erfolg investiert. Die Definition von Erfolg selbst würde sich somit ändern. Deine Mudda ist überzeugt: Ohne den kurzfristigen Druck der Aktienmärkte kann sie all die Werte realisieren, die Twitter schafft. Daran scheitert das derzeitige Geschäftsmodell seit Jahren.

Der Stand der Dinge ist: Deine Mudda will eine Kooperative ins Leben rufen, die weitere Twitter-Müdda gewinnen will, in der Hoffnung, einen Deal hinzubekommen. Einen fairen Deal, der diejenigen belohnt, die dabei geholfen haben, das Twitter wie Deine Mudda es liebt zu kreieren. Deine Mudda hofft, dass diese mit ihr zusammenarbeiten werden. Twitter ist dabei nur ein Anfang, eine Chance, einfach mal über ein Werkzeug nachzudenken, mit der sie große Plattformen zusammen mit anderen besitzen könnte; Deine Mudda denkt bereits darüber nach, wie man gemeinschaftlich geteilte Inhaberschaften auch an anderen Stellen des Internet umsetzen könnte.

Deine Mudda, die Unterzeichnerin, fordert Twitter auf mit ihr zusammenzuarbeiten, um die Zukunft des Unternehmens gemeinsam mit denjenigen zu gestalten, die am meisten an seinen Services hängen. Einige dieser Müdda sind TWTR-Aktionäre und haben bereits zugesagt, ihr Anliegen durch die Übertragung ihrer Stimmrechte zu unterstützen, damit der Aufkauf durch ein Großunternehmen verhindert und eine bessere Lösung gefunden werden kann.

Twitter, erinnerst Du Dich noch, wie alles anfing? Niemand glaubte, dass 140 Zeichen jemals etwas Bedeutsames bewirken könnten. Doch schau Dir an, was Deine Mudda seitdem mit Dir geschafft hat. Macht doch wieder etwas Erstaunliches. Let’s do this!

(Ich habe natürlich trotzdem unterschrieben.)

Nachschlag

Stand heute 04.11.2016 haben auf actionnetwork.org/ „1,548 Signatures Collected“. Lief nicht so richtig, weshalb die Initiative einfach eine Zweitpetition auf change.org gelauncht hat. Binnen kurzer Zeit sind dort „1.513 Unterstützer/innen“ aufgelaufen. Sicher auch, weil man Anti-WallStreet in die Headline gepackt hat – zieht immer. Inwieweit sich da die Unterzeichner doppeln, weiß natürlich kein Mensch. Die zweite Petition habe ich (bislang) nicht unterschrieben.

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