{"id":7064,"date":"2013-07-10T11:38:32","date_gmt":"2013-07-10T09:38:32","guid":{"rendered":"http:\/\/drikkes.com\/?p=7064"},"modified":"2013-07-10T11:38:32","modified_gmt":"2013-07-10T09:38:32","slug":"zitierfahigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/drikkes.com\/?p=7064","title":{"rendered":"Zitierf\u00e4higkeit"},"content":{"rendered":"<div class='e-content'>Die Klugschei\u00dferwochen auf <em>drikkes.com<\/em> gehen weiter. \/\/ Auf <a href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2013\/06\/29\/literatur-im-zeichen-von-social-mediavon-jan-drees29-6-2013\/\">pop-zeitschrift.de\/<\/a> ein Artikel \u00fcber die Hildesheimer Tagung zu <a href=\"http:\/\/www.uni-hildesheim.de\/kulturpraxis\/?p=3498\" target=\"_blank\">\u00bbneuen Formen der Literaturvermittlung\u00ab<\/a> Ende Mai. Dort hat sich Folgendes zugetragen:<\/p>\n<blockquote><p>Sascha Lobo gibt zu, dass er derart darauf trainiert ist, 140-Zeichen-S\u00e4tze zu verfassen, dass er einerseits in seiner Spiegel.de-Kolumne Sentenzen einbringt, die von anderen via Twitter gepostet werden k\u00f6nnen \u00bbzirka 120 Zeichen, weil der Link dazu muss\u00ab. Dieses Verfahren hat sich aber auch in \u00bbStrohfeuer\u00ab geschlichen. S\u00e4tze, um sie zu zitieren. Das klingt prima, erinnert zudem an die Motown-Praxis, m\u00f6glichst viele Hooks in einen Song zu packen, auf dass er im Ged\u00e4chtnis h\u00e4ngen und mitgesungen werden kann.<\/p><\/blockquote>\n<p>Stimmt das? Hier also s\u00e4mtliche S\u00e4tze aus <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/web\/kolumne-von-sascha-lobo-snowden-wird-politisch-verfolgt-a-910147.html\" target=\"_blank\">Saschas letzter Kolumne<\/a>, die zu lang sind, um sie auf Twitter zu zitieren. Praktischerweise mu\u00df man die Zeichen gar nicht selbst z\u00e4hlen, um Satzl\u00e4ngen hinsichtlich ihrer Verbreitbarkeit zu pr\u00fcfen. Daf\u00fcr gibt es ein passendes <a href=\"http:\/\/www.savepublishing.com\/\" target=\"_blank\">Browser-Addon<\/a>.<\/p>\n<ul>\n<li>Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelsp\u00fctz erkl\u00e4rte zum Asylantrag des Whistleblowers Edward Snowden: &#8220;Ich kann nicht erkennen, dass der Mann politisch verfolgt wird.&#8221;<\/li>\n<li>Dieser Satz steht in seiner offensiven Realit\u00e4tsverleugnung exemplarisch f\u00fcr alles, was katastrophal falschl\u00e4uft, sowohl mit der Geheimdienstmaschinerie wie auch mit der politischen Behandlung des Falles.<\/li>\n<li>Neben einigen nicht zu Ende lesbaren Absurdit\u00e4ten in Medien des Angela-Springer-Verlags dekretierte eine Anzahl 70-j\u00e4hriger M\u00e4nner, man solle sich nicht so haben.<\/li>\n<li>&#8220;Tagesspiegel&#8221;-Kolumnist Harald Martenstein verschmolz Faktenaversion mit sensationell selbstgerechter Onkeligkeit und schrieb: &#8220;Die Amerikaner tun also nichts, was Tausende Deutsche in ihrer Familie nicht auch tun: Sie spionieren.&#8221;<\/li>\n<li>Zu propagieren, es handele sich im Fall Snowden nicht um politisch motivierte Verfolgung, l\u00e4sst nur eine Interpretation zu: dass verdachtsunabh\u00e4ngige, totale \u00dcberwachung in Demokratien irgendwie okay sei.<\/li>\n<li>Wirtschaftsspionage wird dabei bizarrerweise ausgeblendet und zwar von exakt den Leuten, die sonst keine Gelegenheit auslassen, dem Standort Deutschland ein Tempelchen aus pathetischen Worten zu errichten.<\/li>\n<li>Es geht bei diesem Grundrechte-Skandal nicht um konservative oder progressive Einstellungen und auch nicht mehr um die Abw\u00e4gung zwischen Sicherheit und Freiheit.<\/li>\n<li>Die ausufernde Spionagemaschinerie ist keine Krise des Internets, sondern eine Krise der Demokratie, die sich am Internet entz\u00fcndet hat.<\/li>\n<li>Das ist doch nichts Neues, rufen im Chor diejenigen, die keinen Unterschied erkennen wollen zwischen eigenen, langj\u00e4hrigen Vermutungen und handfesten Beweisen.<\/li>\n<li>Sei es, weil sie mit ihrem Faxger\u00e4t ohnehin nie Intimit\u00e4ten versenden, oder weil sie die Wonne des Recht-gehabt-habens lieber \u00f6ffentlich auskosten, als lautstark zu protestieren.<\/li>\n<li>An der University of Washington wurde k\u00fcrzlich WiSee vorgestellt, eine Software, die ohne Zusatzger\u00e4t die Gestensteuerung in der gesamten Wohnung erm\u00f6glicht.<\/li>\n<li>Noch ist das ein universit\u00e4rer Prototyp f\u00fcr harmlose Zwecke, aber wenn eine heimlich auf dem Router installierte Software ausreicht, um jede Bewegung innerhalb einer Wohnung aufzuzeichnen &#8211; weshalb sollte diese famose Sp\u00e4hm\u00f6glichkeit in Zukunft nicht genutzt werden?<\/li>\n<li>Aber wer diese Frage angesichts der Enth\u00fcllungen durch Edward Snowden gar nicht erst diskutieren m\u00f6chte, wei\u00df entweder nicht, wie tief die digitale Vernetzung bereits in das Leben ausnahmslos aller Menschen eingreift.<\/li>\n<li>Oder er verh\u00e4lt sich antidemokratisch, indem er ohne umfassende Kenntnis der Vorg\u00e4nge und Technologien vorauseilend Unbedenklichkeitsbescheinigungen ausstellt.<\/li>\n<li>Aber selbst diese Naivit\u00e4t ist nachvollziehbarer, als im Fall Snowden kein politisches Problem und die Verfolgung als nicht politisch motiviert zu sehen.<\/li>\n<li>&#8220;Die Bundesrepublik Deutschland ist ein hochentwickelter Rechtsstaat&#8221;, schrieb Dieter Wiefelsp\u00fctz am 25. Januar 2008 im Zusammenhang mit der Online-Durchsuchung.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/pinterest.com\/jeanee2109\/snoopy-literary-ace\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-7068\" alt=\"Snoopy mit Buch\" src=\"https:\/\/drikkes.com\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/snoopy_reading.jpg\" width=\"470\" height=\"512\" srcset=\"https:\/\/drikkes.com\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/snoopy_reading.jpg 470w, https:\/\/drikkes.com\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/snoopy_reading-275x300.jpg 275w\" sizes=\"auto, (max-width: 470px) 100vw, 470px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Hmmm, ich finde ja, die nicht zitierf\u00e4higen S\u00e4tze lesen sich so aneinandergereiht eigentlich gar nicht so schlecht, auch ohne die RTbaren Sentenzen dazwischen. Vielleicht sollte ich <a href=\"https:\/\/twitter.com\/drikkes\/statuses\/333192605359808512?tw_i=333192605359808512&amp;tw_e=details&amp;tw_p=archive\" target=\"_blank\">Strohfeuer<\/a> doch nicht lesen.<\/div>\n<div class=\"syndication-links\"><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class='e-content p-summary'>Die Klugschei\u00dferwochen auf drikkes.com gehen weiter. \/\/ Auf pop-zeitschrift.de\/ ein Artikel \u00fcber die Hildesheimer Tagung zu \u00bbneuen Formen der Literaturvermittlung\u00ab Ende Mai. 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