{"id":545,"date":"2010-04-01T15:40:44","date_gmt":"2010-04-01T14:40:44","guid":{"rendered":"http:\/\/drikkes.com\/?p=545"},"modified":"2010-04-02T09:49:34","modified_gmt":"2010-04-02T08:49:34","slug":"lady-i-dont-have-time","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/drikkes.com\/?p=545","title":{"rendered":"&#8220;Lady, I don&#8217;t have time.&#8221;"},"content":{"rendered":"<div class='e-content'>Gehetzt klingen viele heutzutage. Oder wollen so klingen: busy. Termine, Termine, Termine und zwischendurch immer up to date bleiben &#8211; jeden Tag, 24\/7. Es ist hier bestimmt nicht meine Absicht, Charlie Chaplins <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0027977\/\">Stummfilmklassiker<\/a> zu romantisieren, denn \u00fcber die Flie\u00dfbandarbeit sind wir l\u00e4ngst hinaus. Statt Arbeitsteilung ist nun Multitasking das trendy Topic. Aber wie <a href=\"http:\/\/random.terminally-incoherent.com\/post\/474732555\/tiempos-modernos-via-pepe-cardoso\">modern<\/a> kann die Zukunft schon sein?<\/p>\n<p>Die <em>brand eins<\/em> widmet ihren Schwerpunkt in der aktuellen Aprilausgabe (<a href=\"http:\/\/www.brandeins.de\/aktuelle-ausgabe\/artikel\/die-alternative-1.html\">Editorial<\/a>) dem Thema &#8220;Lebensplanung&#8221;. Klar, sie f\u00fchrt wahrheitsgem\u00e4\u00df die Bezeichnung <em>Wirtschaftsmagazin<\/em> im Untertitel, d. h. mit Leben ist hier eigentlich nur Arbeit gemeint. Aber das ist ja gerade das Problem: die stetig verschwimmendere Trennung von Privat- und eben Arbeitsleben. Okay, es gibt ihn zwar schon l\u00e4nger, aber allein der Begriff &#8220;Arbeitsleben&#8221;. Da kommt einem selbst <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Frederick_Winslow_Taylor\">Frederick Winslow Taylor<\/a> als Schreckgespenst nicht mehr in den Stechuhrzeigersinn, dar\u00fcber ist man schon l\u00e4ngst hinaus.<br \/>\nWo nichts mehr zu rationalisieren ist, da lautet das neue Schlagwort Flexibilisierung. Da braucht man sich gar nicht dar\u00fcber zu freuen, das Internet auch im B\u00fcro uneingeschr\u00e4nkt nutzen zu k\u00f6nnen, um etwa einen Tisch in einem Restaurant zu reservieren; denn selbstverst\u00e4ndlich werden dann auch noch zu abendlicher Stunde zwischen Vorspeise und Hauptgericht auch berufliche Mails gecheckt und vielleicht sogar auf der Toilette kurz beantwortet. Der Chef besteht mitunter gar nicht drauf, der Angestellte erledigt das in vorauseilendem Gehorsam aus Pflichtbewu\u00dftsein.<\/p>\n<p>Das Restaurantreservierungsbeispiel aus einem Artikel des Hefts ist gut gew\u00e4hlt. L\u00e4ngst (sprich: seit einem Jahr oder so) sind die Zeiten vorbei, in denen man das als Einladung f\u00fcr schon damals (sic!) eher nur so mittelm\u00e4\u00dfige Scherze \u00fcber das nicht vorhandene Sozialleben von <a href=\"http:\/\/antjeschrupp.com\/2010\/03\/31\/nerds-mw-eine-analyse-und-eine-frage\/\">Nerds<\/a> und Geeks genutzt h\u00e4tte. &#8211; Wozu einen ganzen Tisch reservieren? Als Einzelg\u00e4nger ohne <em>echte<\/em> Freunde findet man doch immer irgendwo ein Pl\u00e4tzchen.<br \/>\nDas mit den Freunden ist jetzt anders, seit <a href=\"http:\/\/myparentsjoinedfacebook.com\/\">wirklich<\/a> <a href=\"http:\/\/www.mykidsjoinedfacebook.com\/\">jeder<\/a> auf Facebook ist. Die Konvergenz von RealLife- und Online-Identit\u00e4t nimmt t\u00e4glich zu und wer nicht mit dabei ist, der f\u00e4llt leider oft durchs Beachtungsraster. Denn weil alle &#8220;was mit Medien machen&#8221;, f\u00e4llt Freundschaftspflege ja als Networking jetzt auch unter erweiterte Arbeitsleistung.<\/p>\n<p>Wir sind nat\u00fcrlich cool damit. Den Tag \u00fcber im Web rumscouten und mal das eine oder andere Paper auf den Bildschirm bringen, unterbrochen von Meetings hier und da. Was aber, wenn einem der Job <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/0,1518,686572,00.html\">nicht gef\u00e4llt<\/a>? Soll ja hinter der Avantgarde im Hauptberufsheer durchaus mal vorkommen. Und auch bei den digitalen Vork\u00e4mpfern herrscht nicht immer Einigkeit, da wird das Lob der Freiheit gerne mal als neoliberales Denken gebrandmarkt.<br \/>\nBeispiel Home Office: Da redet man sich die Einsparung <del datetime=\"2010-04-01T12:10:59+00:00\">einer (als \u00d6PNV-Nutzer) konzentrierten Nachrichtenlekt\u00fcre<\/del> des Arbeitswegs so lange sch\u00f6n, obwohl es f\u00fcr den Arbeitgeber viel mehr Vorteile hat (Einsparpotential) als f\u00fcr den -nehmer, bis man sich dann irgendwann doch der Geselligkeit halber in einem Co-Working-Space wiederfindet. Wahrscheinlich, weil man im Oberholz vor lauter Touristen gar nicht mehr zum Arbeiten kommt.<br \/>\nWenn man denn \u00fcberhaupt einen Job hat. Ich pers\u00f6nlich stehe da auf der Seite der <a href=\"http:\/\/medienelite.de\/2010\/03\/30\/festanstellung\/\">Medienelite<\/a>. Die Zahl derer, die sich die Rosinen aus dem Kuchen picken k\u00f6nnen, bleibt wohl auch in der sch\u00f6nen neuen Arbeitswelt 2.0 recht \u00fcberschaubar. Die Mehrheit wird sich mit ein paar vorgesetzten Kr\u00fcmeln abspeisen lassen m\u00fcssen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/drikkes.com\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Bild-2.png\" alt=\"\" title=\"Bild 2\" width=\"465\" height=\"196\" class=\"alignleft size-full wp-image-546\" srcset=\"https:\/\/drikkes.com\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Bild-2.png 465w, https:\/\/drikkes.com\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Bild-2-300x126.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 465px) 100vw, 465px\" \/><\/p>\n<p>Und am <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=S5KgrC95gqU\">Ende<\/a> mu\u00df man Lee Marvin beipflichten. Aber weiter. Das <a href=\"http:\/\/re-publica.de\/10\/programm\/\">Programm<\/a> der re:publica steht soweit. Na <a href=\"http:\/\/waynedwaynetherockjohnsongretzky.tumblr.com\/post\/485814322\">warte<\/a>.<\/div>\n<div class=\"syndication-links\"><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class='e-content p-summary'>Gehetzt klingen viele heutzutage. Oder wollen so klingen: busy. Termine, Termine, Termine und zwischendurch immer up to date bleiben &#8211; jeden Tag, 24\/7. Es ist hier bestimmt nicht meine Absicht, Charlie Chaplins Stummfilmklassiker zu romantisieren, denn \u00fcber die Flie\u00dfbandarbeit sind wir l\u00e4ngst hinaus. Statt Arbeitsteilung ist nun Multitasking das trendy Topic. 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