{"id":97,"date":"2010-02-02T21:43:58","date_gmt":"2010-02-02T20:43:58","guid":{"rendered":"http:\/\/drikkes.com\/?page_id=97"},"modified":"2020-07-26T15:12:55","modified_gmt":"2020-07-26T13:12:55","slug":"hals-horbuch-rezension","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/drikkes.com\/?page_id=97","title":{"rendered":"Hals &#038; H\u00f6rbuch \/\/ Rezension"},"content":{"rendered":"<div class='e-content'>\n<blockquote><p>\n  Ich w\u00fcnsche mir, da\u00df irgendwo jemand auf mich wartet<br \/>\n  <em><strong>Anna Gavalda<\/strong><\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Das Positive zuerst: Der Titel steht tats\u00e4chlich in alter Rechtschreibung auf dem Cover. Aber sch\u00f6n ist diese Verpackung, die sich nicht so recht zwichen schlicht und schlecht entscheiden kann, trotzdem nicht. Verwischte Photographie, das soll wohl k\u00fcnstlerisch anmuten. Allerdings mu\u00df man sagen, da\u00df auch die Taschenbuchausgabe dieses Werkes (Fischer Verlag, 2003) das Photo einer jungen Frau ziert. Das ist wohl weniger dem Verkaufsargument &#8220;sex sells&#8221; als der Autorin selbst geschuldet.<\/p>\n<p>Anna Gavalda, Jahrgang 1970, ist mit ihrem Erz\u00e4hldeb\u00fct direkt zu einem Star der franz\u00f6sischen Literaturszene avanciert. Ihre Werke verkaufen sich so gut, da\u00df sie mittlerweile ihren Job als Lehrerin an den Nagel geh\u00e4ngt hat. Monatelang halten sich ihre Werke hartn\u00e4ckig in den Bestsellerlisten, schnell wird das Pr\u00e4fix &#8220;Kult-&#8221; bem\u00fcht und jeder zweite Artikel, den man \u00fcber die junge Schriftstellerin liest, vergisst nicht zu erw\u00e4hnen, da\u00df diese Alltagschronistin keinen Fernseher besitzt.<\/p>\n<h4>Ohren auf<\/h4>\n<p>Um den eigentlichen Inhalt soll es hier gar nicht gehen, den m\u00f6ge man bitte in einer Buchrezension nachlesen. Nur soviel dazu: Ich pers\u00f6nlich finde, der Erz\u00e4hlband ist jetzt nicht der gro\u00dfe Wurf, aber keinesfalls schlecht. Ich habe ihn damals mit einigem Vergn\u00fcgen gelesen, besonders im Ged\u00e4chtnis geblieben ist er mir allerdings nicht. Ausnahme: nahezu alle Protagonisten haben ein Problem mit abgekauten Fingern\u00e4geln. Und wenn ich jetzt &#8211; etwa f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter &#8211; beim H\u00f6ren der vertonten Version meine Erinnerung wieder auffrische, dann kann ich das nur teilweise tun: Von den zw\u00f6lf Geschichten im Textbuch haben es nur sechs ins H\u00f6rbuch geschafft. Nicht nur meiner Meinung nach sind es nicht die besten, die hier ausgew\u00e4hlt worden sind.<\/p>\n<p>Die akustische Umsetzung ist karg, verschiedene, mehr oder weniger bekannte Stimmen lesen die einzelnen Stories vor, es gibt keine Rollenverteilung. Es gibt auch keine die Atmosph\u00e4re unterst\u00fctzende Musik, ein klassisches H\u00f6rbuch also ohne jegliche -spielereien. Jede Erz\u00e4hlung ist h\u00e4ppchenweise in etwa ein halbes Dutzend snackonsumierbare Tracks unterteilt.<\/p>\n<h4>Augen zu<\/h4>\n<p>Zu den Interpreten: Nina Petri mag eine gute Schauspielerin sein, eine gro\u00dfe Vorleserin ist sie nicht. Die von ihr vorgetragenen &#8220;Kleinen Praktiken aus Saint-Germain&#8221; kommen doch recht h\u00f6lzern daher. Aber vielleicht mu\u00dfte sie sich auch erst ein bi\u00dfchen eingrooven, der Schlu\u00dfgeschichte &#8220;Epilog&#8221; gibt Petri schon etwas mehr Verve mit auf den Weg, vielleicht liegt ihr der artisische Erz\u00e4hlstoff mehr. Zu den bla\u00df bleibenden Hannes Hellmann und Maria Fuchs f\u00e4llt mir nur eines ein: Alle Geschichten sind aus der Ich-Perspektive heraus geschrieben, und nat\u00fcrlich m\u00fcssen die Erz\u00e4hler von einem Mann, die Erz\u00e4hlerinnen von einer Frau gelesen werden.<\/p>\n<p>Gustav-Peter W\u00f6hler ist in dieser Reihe der einzige Lichtblick, er trifft den Ton der von ihm vorgetragenen Erz\u00e4hlug &#8220;Junior&#8221; ziemlich gut. Aber warum zum Teufel wird diese Geschichte auf zwei CDs verteilt? Jona Mues wiederum \u00fcbertreibt die Betonungen derart heillos, kn\u00f6delt sich so unsympathisant durch den Text, da\u00df ich seinen Versuch eines method readings nicht bis zum Ende ertragen habe.<\/p>\n<p>Was mich pers\u00f6nlich an H\u00f6rb\u00fcchern noch st\u00f6rt: der abrupte Abruch. Bei einem Buch ahnt man das Ende, f\u00fchlt, da\u00df es nur noch wenige Seiten bis zum Happy End sind &#8211; oder auch nicht. Die Vorleser hier machen diesen Eindruck \u00fcberhaupt nicht, durch die offenen Enden der Geschichten und den unzureichenden Spannungsbogen der Interpreten trifft einen der Schlu\u00df v\u00f6llig unvorbereitet. Manche m\u00f6gen das als \u00dcberraschungsplus sogar begr\u00fc\u00dfen, f\u00fcr zugegeben voreingenommene H\u00f6rer wie mich ein gerufenes Fressen und weiterer Minuspunkt.<\/p>\n<h4>Und durch<\/h4>\n<p><a href=\"https:\/\/drikkes.com\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/IMG_0233.jpg\" data-decorational=\"article\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/drikkes.com\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/IMG_0233-225x300.jpg\" alt=\"\" title=\"IMG_0233\" width=\"225\" height=\"300\" class=\"alignleft size-medium wp-image-100\" data-decorational=\"article\" srcset=\"https:\/\/drikkes.com\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/IMG_0233-225x300.jpg 225w, https:\/\/drikkes.com\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/IMG_0233-768x1024.jpg 768w, https:\/\/drikkes.com\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/IMG_0233.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Es gibt wohl mehr als einen Grund, warum die hier besprochene Ausgabe nicht mehr zu bekommen ist. Denn obwohl vergriffen, gibt es keine Neuauflage.<\/p>\n<p><em>Ich w\u00fcnsche mir, da\u00df irgendwo jemand auf mich wartet, Anna Gavalda<br \/>\nSechs Erz\u00e4hlungen<br \/>\n2 CD &#8211; 154 Minuten mit Tracks<br \/>\nH\u00f6rbuch Hamburg Verlag<br \/>\n2003<\/em><\/div>\n<div class=\"syndication-links\"><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class='e-content p-summary'>Ich w\u00fcnsche mir, da\u00df irgendwo jemand auf mich wartet Anna Gavalda Das Positive zuerst: Der Titel steht tats\u00e4chlich in alter Rechtschreibung auf dem Cover. Aber sch\u00f6n ist diese Verpackung, die sich nicht so recht zwichen schlicht und schlecht entscheiden kann, trotzdem nicht. Verwischte Photographie, das soll wohl k\u00fcnstlerisch anmuten. 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