{"id":39,"date":"2010-02-01T12:15:51","date_gmt":"2010-02-01T11:15:51","guid":{"rendered":"http:\/\/drikkes.com\/?page_id=39"},"modified":"2023-01-05T08:58:07","modified_gmt":"2023-01-05T07:58:07","slug":"uber-francis-bacon-nova-atlantis","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/drikkes.com\/?page_id=39","title":{"rendered":"\u00dcber Francis Bacon, Nova Atlantis"},"content":{"rendered":"<div class='e-content'><strong>Einleitung<\/strong><\/p>\n<h3>Zum Vorwort des Romans<\/h3>\n<p>Neu-Atlantis steht am Ende von Bacons Experimentensammlung <em>Sylva Sylvarum<\/em>. Bereits 1624 geschrieben, ist es erst ein Jahr nach seinem Tod erschienen, herausgegeben von seinem Kaplan Dr. William Rawley, der in seinem kurzen Vorwort die Intention des verblichenen Autors zu verdeutlichen versucht. Danach ist es Bacons Absicht gewesen, auch der Gesetzgebung und besten Staatsverfassung einen besonderen Abschnitt zu widmen, doch gleichzeitige Arbeiten an seiner Naturgeschichte und anderen Teilen seiner <em>Instauratio<\/em>, zuletzt der Tod lie\u00dfen Neu-Atlantis Fragment bleiben. So beschreibt dieser Text als Grenzfall zwischen Wissenschaft und Literatur<a id=\"refX\" href=\"#X\"><sup>1<\/sup><\/a> (\u201eFabel\u201c oder \u201eUtopie\u201c) vor allem die soziale Struktur der Insel<a id=\"refY\" href=\"#Y\"><sup>2<\/sup><\/a> und die dort herrschende Wissenschaftstheorie. Auch wisse der Verfasser, da\u00df sein Vorbild nicht in allen Dingen verwirklicht werden kann, aber die Menschen sollten nicht daran zweifeln, da\u00df dieses Ziel irgendwann doch erreicht werden wird. Das Beschriebene dient somit als Modell f\u00fcr eine sehr weit entfernte, doch letztlich erreichbare Realit\u00e4t.<\/p>\n<p>Rein \u00e4u\u00dferlich stellt Neu-Atlantis einen romanhaften Reisebericht dar, wie sie im 17. Jahrhundert besonders beliebt und verbreitet waren und in <em>Swift<\/em>s &#8216;Gulliver&#8217; ihre Kr\u00f6nung fanden, die Gattungsspanne reicht von der Belehrung bis zur Unterhaltung. Doch bei genauerer Betrachtung h\u00e4ufen sich die Anzeichen hier, mehr als in den anderen Renaissanceutopien mit philosophischem Anspruch, da\u00df es sich letztendlich um eine Zeitreise handelt, in eben dieses Modell einer entfernten Realit\u00e4t, eine futuristische Technikprophezeiung unter in Bezug auf die Technik kaum ge\u00e4nderten gesellschaftlichen Vorzeichen, von der bestimmte Elemente noch heute in unoriginellen Science-Fiction-B\u00fcchern auftauchen. Auch sp\u00e4ter noch wird die Tatsache oft unterschlagen, da\u00df mit dem Anwachsen des &#8211; nicht wertend gemeinten &#8211; materiellen Fortschritts sich auch das Verh\u00e4ltnis von Mensch und Technik, und somit die Gesellschaft als solches, \u00e4ndert.<\/p>\n<p>Direkte Anregungen sind f\u00fcr Bacon sicher die Essays von <em>Montaigne<\/em> mit ihrem sanften Skeptizismus gewesen sowie <em>Campanella<\/em>s &#8216;Sonnenstaat&#8217;, aus dem er Einzelheiten wie Erziehung, Ackerbau und Wissenschaftspflege \u00fcbernommen hat, und <em>Thomas Morus<\/em>\u00b4 &#8216;Utopia&#8217;, obwohl er dessen soziale und politische Ideen, welche ein \u00c4nderung des Staatswesens durch Sozialreform beabsichtigen, abgelehnt hat.<a id=\"refZ\" href=\"#Z\"><sup>3<\/sup><\/a> Ihm hat eine Besserung der wirtschaftlichen Lage durch wissenschaftliche Aufkl\u00e4rung gereicht.<a id=\"refA\" href=\"#A\"><sup>4<\/sup><\/a> Besonderes Vorbild ist auch die &#8216;Politeia&#8217; <em>Platon<\/em>s, der die Insel ja schon namentlich in seinen Schriften erw\u00e4hnt hat.<a id=\"refB\" href=\"#B\"><sup>5<\/sup><\/a><\/p>\n<h3>Der Fortschrittsbegriff<\/h3>\n<p>Das Spannungsverh\u00e4ltnis des offensichtlichen Gegensatzes von Fortschritt als stetiger Ver\u00e4nderung hin zum langsam Besseren und Utopie, welche einen Entwurf des unter bestimmten Umst\u00e4nden pl\u00f6tzlich am Besten darstellt, findet bei keinem der anderen Gesellschaftsentw\u00fcrfe aus der Renaissance eine so gro\u00dfe Ber\u00fccksichtigung wie bei Bacon in Neu-Atlantis. Futuristische Technikbeschreibungen sind nat\u00fcrlich auch bei anderen Autoren in gro\u00dfer Zahl vorhanden, doch wird ansonsten in den seltensten F\u00e4llen auf die M\u00f6glichkeit noch weitreichenderer Erkenntnisse eingegangen. Die sich hier stellende zentrale Frage ist diejenige nach dem quantitativen Kontingent des Wissens und der Unendlich- beziehungsweise Endlichkeit des Fortschritts, die Frage nach der Existenz einer Grenze des M\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Die Definition des Wortes Fortschritt fu\u00dft seit langem allgemein akzeptiert auf der Basis von Ver\u00e4nderung und l\u00e4\u00dft sich in zwei Kategorien einteilen, Fortschritt durch Ver\u00e4nderung, <strong>1.<\/strong> ohne menschlichen Einflu\u00df (wobei hier nicht zwischen Gott, Natur, Schicksal, Zufall etc. unterschieden werden kann) und <strong>2.<\/strong> mit menschlichem Einflu\u00df. Durch das Vornehmen dieser Einteilung wird die Konkurrenzsituation des Menschen zur anderen Kategorie, dem seinem Einflu\u00df Entzogenen, vorweggenommen, ja positivistisch herausgefordert. Es ist der &#8211; r\u00fcckblickend von vielen als recht zweifelhaft angesehene &#8211; Verdienst solcher Renaissancedenker wie Bacon, an der Schwelle zur Neuzeit, den zweiten zu Lasten des ersten zu betonen. Das Gewahrwerden der eigenen M\u00f6glichkeiten impliziert zugleich deren Zielsetzung, ihren Einsatz zur Verschiebung des Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisses der Einflu\u00dfsph\u00e4ren zugunsten der menschlichen Seite. Der daraus resultierende Bruch zwischen Mensch und Natur ist ein bleibendes Merkmal der heutigen Zeit.<\/p>\n<p>Der Ma\u00dfstab der &#8211; zumindest als solcher empfundenen &#8211; Verbesserung bringt erst die Einteilung auf der Grundlage von Ver\u00e4nderung hervor. Die Voraussetzung daf\u00fcr ist \u201edas Verm\u00f6gen der Vernunft, Erkenntnisse und Handlungen nach Ideen zu regulieren. Der Fortschritt erscheint also als Handlungskonsequenz der vern\u00fcnftigen Selbstbehauptung gegen\u00fcber dogmatisch oder faktisch legitimierten Denk- und Handlungsanforderungen\u201c (Goethe<a id=\"refC\" href=\"#C\"><sup>6<\/sup><\/a>).<\/p>\n<p>Diese Bedingung der M\u00f6glichkeit von Fortschritt enth\u00e4lt zugleich die Begrenzung des intellektuellen Leistungsverm\u00f6gens, falls die regulative Kontrolle durch die Vernunft im Zuge zunehmender Effektivit\u00e4tsorientierung schwindet. Die Grenzen der reinen Vernunft d\u00fcrfen nicht verwechselt werden mit der Beschr\u00e4nkung des Verstandes und somit eintretendem Rationalit\u00e4tsverlust auf Grund mangelnder Reflexion darauf, ob man auch all das tun soll, was man tun kann. Diese Differenz ist eine weitere Folgelast f\u00fcr die Neuzeit; die auch in Neu-Atlantis behandelte Verantwortung des Wissenschaftlers vor der Gemeinschaft und sich selbst ist seitdem ein geistesgeschichtlich relevantes Dauerthema und findet sich in der Literatur<a id=\"refD\" href=\"#D\"><sup>7<\/sup><\/a> vom Doktor Faustus \u00fcber den Frankenstein-Mythos bis zu D\u00fcrrenmatts Physikern.<\/p>\n<h3>Die Vergegenst\u00e4ndlichung der Macht<\/h3>\n<p>Durch eine Anh\u00e4ufung von Einzelereignissen wie der Entdeckung Amerikas, der Reformation und verschiedener wissenschaftlicher Erkenntnisse, etwa der, da\u00df astronomisch betrachtet die Sonne den Mittelpunkt unseres Planetensystems bildet, ist die alte Ordnung schlie\u00dflich im Ganzen kollabiert. Den letztendlich daraus resultierenden Siegeszug von Empirie und Rationalismus hat unter anderem Francis Bacon ma\u00dfgeblich mit auf den Weg zu bringen geholfen, indem er versucht hat, die Regeln f\u00fcr den oben erw\u00e4hnten Ma\u00dfstab der Erkenntnis, deren Gewinn er mit Fortschritt gleichsetzt, festzulegen. In dieser neuen \u201eDynamik des Denkens\u201c<a id=\"refE\" href=\"#E\"><sup>8<\/sup><\/a>, welche die Anh\u00e4ufung von Wissen und die geistige Ebene der es herstellenden Gesellschaft, oder mit <em>Goethe<\/em>: die Ideen, miteinander verbindet, sieht Bacon damals freilich nicht die M\u00f6glichkeit einer Verselbst\u00e4ndigung von Technik, die f\u00fcr ihn blo\u00dfes Mittel ist.<\/p>\n<p>Die Schilderung des auf der Insel Neu-Atlantis liegenden Staates Bensalem zeigt eine idealtypische und widerspruchsfreie wissenschaftlich-technische Gesellschaft; das philosophische R\u00fcstzeug f\u00fcr die Reise dorthin hat Bacon selbst in seinem <em>Novum Organon<\/em> niedergelegt. An dieser Utopie l\u00e4\u00dft sich ein Zusammenhang zwischen der Welt, wie sie dort entworfen wird, und dem Verfahren der Theoriebildung, die diesem Entwurf zugrunde liegt, herstellen.<\/p>\n<p>Das Prinzip des Herstellens wird in Bensalem auf drei verschiedenen Ebenen handlungsleitend:<\/p>\n<ol>\n<strong>1.<\/strong> auf der individuellen Ebene: durch die T\u00e4tigkeit des Homo faber;<br \/>\n<strong>2.<\/strong> auf organisatorischer Ebene: in Form der Technologie;<br \/>\n<strong>3.<\/strong> und auf politischer Ebene: in Form eines Gesellschaftsmodells, welches Stabilit\u00e4t und Ordnung garantieren soll.<a id=\"refF\" href=\"#F\"><sup>9<\/sup><\/a><\/ol>\n<p><strong>zu 1)<\/strong><br \/>\nDie Definition des Menschen in Neu-Atlantis ist vorwiegend die des Werkzeugmachers und Herstellers von Gegenst\u00e4nden, seine T\u00e4tigkeit vollzieht sich in der Verdinglichung, denn als neuer Sch\u00f6pfer der Welt kann er sein Gesch\u00e4ft nur verrichten, indem er sich die Natur zuerst aneignet, um sie dann nach seinem Modell umzuformen. Der Herstellungsproze\u00df ist von der Zweck-Mittel Kategorie bestimmt; das hergestellte Ding ist ein Endprodukt, weil der Herstellungsproze\u00df in ihm an ein Ende kommt und ein Zweck, zu dem der Herstellungsproze\u00df selbst nur das Mittel ist.<\/p>\n<p>Die Umformung der Natur zur Steigerung der subjektiven Lebensqualit\u00e4t geht mit der Hilfe von eigens erfundenen Werkzeugen vor sich. Eine Extremform dieser Ger\u00e4tschaften zur Kontrolle und Beherrschung der Umwelt bildet sicher die Gattung der Waffen, doch kann man dieses Charakteristikum in mehr oder weniger direkter Weise bei s\u00e4mtlichen von Menschen produzierten Werkzeugen feststellen; jegliche Benutzung von Werkzeugen kann als eine Form von Machtaus\u00fcbung und damit der Unterwerfung von Wirklichkeit interpretiert werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr die von Bacon propagierten Ziele waren die aus dem Mittelalter stammende Arbeitsweise, das Handwerk, und seine Organisationsstruktur ungen\u00fcgend.<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Einfache Hand-Werkszeuge konnten lange Zeit als Verl\u00e4ngerung und B\u00fcndelung von Organen, von Sinnlichkeit verstanden werden, ihr Gebrauch setzte F\u00e4higkeiten und \u00dcbungen des K\u00f6rpers voraus; es kam auf den einzelnen an und auf ein gutes einzelnes Ger\u00e4t. Das Werkzeug und sein Verwender sind noch etwas Besonderes &#8230; Typisch ist auch der Kult um das geheime Wissen, welches von denen, die ein Handwerk betrieben, gepflegt wurde. Die mittelalterliche Organisation der Handwerker in Gilden und Z\u00fcnften gibt auch Zeugnis dieser Praxis. Wissen wurde nicht \u00f6ffentlich gemacht, sondern rituell an &#8216;Auserw\u00e4hlte&#8217; weitergegeben.&#8221;<a id=\"refG\" href=\"#G\"><sup>10<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>In diesem Rahmen erw\u00e4hnt Heintel auch, da\u00df in antiken Mythen die Herkunft eines Werkzeugs sehr oft auf einen Gott zur\u00fcckgef\u00fchrt wird. Unter diesen von der Tradition dominierten Bedingungen konnten die f\u00fcr Bacon so wichtigen Erfindungen und Entdeckungen fast nur als Produkte des Zufalls entstehen.<\/p>\n<p><strong>zu 2)<\/strong><br \/>\nF\u00fcr sein Projekt ben\u00f6tigt Bacon ein System, welches \u00fcber das konkrete, besondere Herstellen hinausgeht, das Fundament seiner neuen Gesellschaft ist die Technologie, welche einige Gegens\u00e4tze zur alten Organisationsform aufweist. Ihr Wesen ist nicht mehr das konkret Besondere, sondern das abstrakt Allgemeine, indem sich die Individualit\u00e4t des K\u00f6nnens und der gemeinschaftliche Logos von Vernunft und Methode miteinander verbinden. Mit der Entwicklung von der einzelnen Machtaus\u00fcbung hin zum verallgemeinerten, systematisierten Eingriff kann sich Technologie nicht im Bereich der individualisierten Ger\u00e4te verwirklichen, so da\u00df nicht nur der <em>Homo faber<\/em>, sondern ebenfalls die von nun an untrennbar mit ihm verbundene menschliche Organisation, welche der Realit\u00e4t technisch m\u00e4chtig geworden ist, in ihr subjektives Zentrum tritt. Es geht in Neu-Atlantis nicht nur um die durch \u00e4u\u00dfere Technik hervorgebrachten Segnungen, Gegenstand der Erz\u00e4hlung ist auch eine Gesellschaft, die das Verh\u00e4ltnis ihrer Mitglieder nach dem Prinzip des Herstellens organisiert hat, denn Technologie bezeichnet immer auch eine bestimmte Organisation des Verh\u00e4ltnisses von Menschen untereinander.<\/p>\n<p><strong>zu 3)<\/strong><br \/>\nVerst\u00e4rkt seit Bacon impliziert das Herstellen \u00fcber eine bestimmte Vorstellung von Natur und Erkenntnis hinaus, auf die weiter unten ausf\u00fchrlicher eingegangen wird, noch das politische Handeln. Das ganze Feld des Sozialen ist in eine riesige Maschinerie eingebettet, was in der folgenden Neuzeit zu der Vorstellung gef\u00fchrt hat, politische Institutionen lie\u00dfen sich mit wissenschaftlicher Exaktheit herstellen. Im Modus des Herstellens Politik zu betreiben, bedeutet, das Unerwartete, also das Ereignis selbst auszuschalten. Es ist ein Versuch, die zu diversen Konflikten Anla\u00df gebenden Leidenschaften der Menschen mittels Technologie zu kanalisieren. Die politische Philosophie, die sich hinter diesem Gesellschaftsmodell verbirgt, l\u00e4uft immer darauf hinaus, Mittel und Wege zu finden, um ein k\u00fcnstliches Lebewesen, genannt Staat, zu erschaffen, weil die Herstellung eines sozialen K\u00f6rpers anscheinend der aller anderen gleicht.<\/p>\n<p>Das aus der Antike tradierte Politikverst\u00e4ndnis mit seiner Kompetenz des Sprechens und Handelns wird in Bacons Entwurf mit der Verdr\u00e4ngung des Unberechenbaren obsolet; an dieser Stelle kl\u00e4rt sich der scheinbare Gegensatz von Utopie und Fortschritt. Die Gesellschaftsordnung von Neu-Atlantis baut auf Begriffen und Konzepten auf, in denen wir heute immer noch denken; im Vergleich zur gegenw\u00e4rtigen Gesellschaft ist aber die bemerkenswerte institutionelle Stabilit\u00e4t innerhalb des Staates Bensalem auff\u00e4llig. Die beschriebenen Forschungskomplexe der Insel bringen zwar unabl\u00e4ssig Neues hervor, dennoch erstarrt die Gegenwart in der Zeitlosigkeit eines sich wiederholenden Augenblicks der Entdeckung. Man k\u00f6nnte sogar behaupten, da\u00df mit dem Fortschreiten der technischen Entwicklungsbewegung proportional die stetige Erstarrung der sozialen Institutionen ansteigt. Das Verh\u00e4ltnis von staatlicher Utopie und technischer Entwicklung ist von Bacon nicht prim\u00e4r als Teamwork, sondern als Arbeitsteilung konzipiert worden, denn die M\u00f6glichkeit einer R\u00fcckwirkung des Fortschritts auf die Institutionen bleibt unerw\u00e4hnt. Absoluter Wandel existiert nicht, denn Bacons Projekt ist der Versuch, eine Kultur auf Dauer zu stellen. Dieses Merkmal der Suche nach Stabilit\u00e4t ist eines der hervorstechendsten aller Utopien, auch \u00fcber die Renaissance hinaus; es ist geradezu das genrebildende Charakteristikum schlechthin.<br \/>\nDer technische Wandel soll die politische und damit die soziale Stabilit\u00e4t des Gemeinwesens gew\u00e4hrleisten, indem das bevorzugte T\u00e4tigkeitsfeld des Menschen von der politisch-sozialen zur wissenschaftlich-technischen Ebene verlagert wird, oder vielmehr die Bereiche Erziehung, Bildung, Wissenschaft und Technik inklusive ihrer sozialen Aspekte &#8211; also bei diesen ideal gesetzten Rahmenbedingungen praktisch das gesamte Leben &#8211; politisiert werden, um den im engeren Sinne politischen Teil des Gemeinschaftslebens in der menschlichen Gesamtheit widerspruchslos aufzul\u00f6sen und ihm damit die herausfordernde Sch\u00e4rfe des Einzelnen zu nehmen.<\/p>\n<p>Das Absolutsetzen des Herstellungsprinzips auf allen drei Ebenen f\u00fchrt somit auf mehrere Arten zur Vergegenst\u00e4ndlichung der Macht, der Kontrolle und Beherrschung von Realit\u00e4t. Man richtet seine Aufmerksamkeit nicht mehr wie fr\u00fcher auf das Sein, sondern auf das Werden der Dinge, und das entscheidende Merkmal dieser neuen Entwicklung ist das Wahrnehmen des Erkenntnisgewinns als einer T\u00e4tigkeit selbst, denn daraus entsteht die \u201eDynamik des Denkens\u201c.<a id=\"refH\" href=\"#H\"><sup>11<\/sup><\/a> Die Vergegenst\u00e4ndlichung bekommt Priorit\u00e4t vor dem Gegenstand, der Herstellungsproze\u00df verliert das Endprodukt aus den Augen, ist ein gegen\u00fcber Bacon oft vorgebrachter Kritikansatz.<\/p>\n<h3>Bestimmte Vorstellungen von Natur und Erkenntnis<\/h3>\n<p>Dieses Programm zur Unterwerfung der Wirklichkeit ist solange nicht m\u00f6glich gewesen, wie sich das Denken und die Welt noch prim\u00e4r an konkreten Einzelf\u00e4llen orientiert haben. Kollektive Konzentrationen setzen Verallgemeinerungen und Abstraktionsleistungen voraus, weil erst Abstraktionen den Anspruch auf universelle G\u00fcltigkeit erheben, doch der Mensch distanziert sich durch allgemeine Objektivierung zunehmend von sich selbst und der Umwelt. Nach der Theorie McLuhans ist der Gebrauch immer neuer Medien nichts anderes als eine steigende Selbstamputation des K\u00f6rpers &#8211; und nahezu alles, was Menschen in irgendeiner Weise benutzen, ist f\u00fcr ihn Medium.<a id=\"refI\" href=\"#I\"><sup>12<\/sup><\/a> Zur \u00dcberwindung der entstandenen Distanz wird die Technik, ist sie doch je nach Sichtweise ihre Ursache oder Auswirkung, mehr und mehr unabdingbar.<\/p>\n<p>Die Frage nach der Unendlich- bzw. Endlichkeit des Wissenszuwachses und damit des technischen Fortschritts l\u00e4\u00dft sich f\u00fcr Bacon zum einen aus der Fabel selbst beantworten. Obwohl sie nur Fragment geblieben ist, ist doch auch so abzusehen, da\u00df die Technik, das Prinzip des Herstellens hier eine zentrale Rolle spielt. Zwar spricht er selbst davon, die \u201eGrenzen des M\u00f6glichen zu erreichen\u201c<a id=\"refJ\" href=\"#J\"><sup>13<\/sup><\/a>, doch kann dieses Streben immer nur Ann\u00e4herung sein, da er die Erreichung der Entwicklungsgrenze, also das Ende des Fortschritts mit keiner Silbe erw\u00e4hnt. Dem dar\u00fcber nachdenkenden Leser f\u00e4llt es nicht schwer, sich vorzustellen, was dann geschehen w\u00fcrde: Nicht erst die Aufl\u00f6sung der Wissensanh\u00e4ufung, schon die Stagnation bei ihrer Umsetzung w\u00fcrde zu einem Zusammenbruch der Konstanz der Bewegung und damit auch des Staates f\u00fchren. Die direkte Variante findet sich im Novum Organon.<\/p>\n<p>Durch den Kollaps der alten Ordnung und der darauf folgenden relativen Orientierungslosigkeit wird das Erlangen von Erkenntnis ebenfalls zum Problem, was <em>Descartes<\/em> etwas sp\u00e4ter zu der These bringt, dem menschlichen Individuum bleibe letztendlich nur der Zweifel an der Objektivit\u00e4t seiner Umwelt. Auch Bacon bestreitet die Existenz einer absoluten Erkenntnis, was sich im breiten Platz widerspiegelt, den die Idolenlehre im Novum Organon einnimmt.<a id=\"refK\" href=\"#K\"><sup>14<\/sup><\/a> Bei den Idolen handelt es sich um die T\u00e4uschungen und den Schein, denen die Menschen auf ihrer Suche nach Wahrheit ausgesetzt sind (siehe auch die Einrichtung des Hauses der T\u00e4uschungen zur Bewu\u00dftmachung selbiger in Bensalem), doch anders als Descartes fa\u00dft er sie nicht als Bestandteil der Welt als Ganzes, sondern als Teil nur der menschlichen Natur auf, der man etwas entgegenwirken kann. Einig sind beide sich weitgehend darin, da\u00df die Idole ein \u00c4rgernis darstellen, was vorher z. B. von <em>Montaigne<\/em> noch anders gesehen wird, n\u00e4mlich als Grund f\u00fcr die einzigartige Subjektivit\u00e4t des Menschen, die ihn von den restlichen Lebewesen abhebt. Als Beispiel mag der S\u00fcndenfall in der Bibel dienen: Die Vertreibung aus dem Paradies ist nur dem Hochmut von Adam und Eva verschuldet. Es l\u00e4\u00dft sich leichter \u00fcber Gottes Sch\u00f6pfung regieren, wenn man der Natur einfach seinen Stempel aufdr\u00fcckt, doch n\u00e4her zu Gott gelangt man auf diese Weise nicht \u2013 im Gegenteil; anstatt der Tyrannei soll eine demokratische Verschmelzung, statt oben und unten soll eine Symbiose von Mensch und Natur, freilich mit einer Dominanz ersterer, das Verh\u00e4ltnis beider zueinander bestimmen, was die Herrschaft im Endeffekt auch intensiver und \u2013 einmal gestartet \u2013 unaufl\u00f6sbarer macht. So verwirft Bacon dann auch folgerichtig die rein theoretische Wissenschaftstradition, die naturgem\u00e4\u00df stets die Bed\u00fcrfnisse des Menschen \u00fcberrepr\u00e4sentiert, und pl\u00e4diert f\u00fcr eine Verbindung von Theorie und Praxis, welche durch Systematisierung die Fehlerquellen beim Experimentieren zu minimieren versucht. Nur so wird es m\u00f6glich sein, den selbstverschuldeten S\u00fcndenfall wieder auszugleichen.<a id=\"refL\" href=\"#L\"><sup>15<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die Existenzannahme eines in der Vergangenheit liegenden goldenen Zeitalters, welches von einer eisernen \u00c4ra abgel\u00f6st worden ist, und der Wunsch nach einer Wiederkehr dieses gl\u00fccklichen Zustandes, haben einen entscheidenden Anteil an der gel\u00e4ufigen Vorstellung eines zyklischen Weltbildes. F\u00fcr Bacon ist der postmodernistische Auswuchs dieser Sichtweise nicht abzusehen gewesen, der Behauptung, auf dem Feld geistiger Bet\u00e4tigung sei alles schon mal dagewesen. Dem wird in der weiteren Neuzeit immer \u00f6fter die Linearit\u00e4t technischer Entwicklungsprozesse entgegengesetzt, mit deren Hilfe man dem immer mehr als Sackgasse empfundenen Kreislauf zu entrinnen versucht.<br \/>\nAu\u00dferdem bemerkt Bacon im Novum Organon, da\u00df man sich mit der Akkumulation von Wissen und Technik nicht wirklich der Grenze des Machbaren n\u00e4hert, sondern sie gleichzeitig durch das Er\u00f6ffnen neuer M\u00f6glichkeiten auch weiter wegschiebt.<\/p>\n<h3>Einwirkungen auf und Auswirkungen in<\/h3>\n<p>Um das hier Gesagte in einen \u2013 zugegebenerma\u00dfen sehr beschr\u00e4nkten \u2013 philosophischen Zusammenhang zu stellen, gehe ich zum Abschlu\u00df noch kurz auf einen Vorg\u00e4nger und einen Nachfolger Francis Bacons ein:<\/p>\n<h5>1) Niccol\u00f3 Machiavelli<\/h5>\n<p>Auf einer anderen Ebene als die direkten Anregungen hat auch <em>Der F\u00fcrst<\/em> sicher bei der Entstehung von Neu-Atlantis eine Rolle gespielt, nicht f\u00fcr das darin entworfene Bild von Wissenschaft und Technik, eher f\u00fcr eine bestimmte Geisteshaltung nicht nur Bacons. Sicher gab es zu allen Zeiten Leute, die nur ihre eigenen Interessen im Blick hatten, doch in seinem ber\u00fchmtesten Werk erhebt Machiavelli zum ersten Mal diese Handlungsweise durch Systematisierung zum Programm f\u00fcr Adelsherrschaft. Der sp\u00e4tmittelalterliche Souver\u00e4n soll also durch egoistisches Regieren seine Umwelt zu seinen Gunsten ver\u00e4ndern, was sich dann als quasi Nebeneffekt auch auf die Untertanen positiv auswirkt. Nun l\u00e4\u00dft sich einwenden, die durch das Individuum verursachte Ver\u00e4nderung sei keine neue Erkenntnis, vor allem nicht f\u00fcr Monarchen, da das Herrschen ohne die M\u00f6glichkeit zur Ver\u00e4nderung schwerlich noch so genannt werden kann, doch mu\u00df man sich die Wirkung dieser Programmschrift in Verbindung mit dem Zusammenbruch der alten Ordnung vorstellen; durch die Aufl\u00f6sung der Traditionen wird erst der volle Umfang der Ver\u00e4nderungsm\u00f6glichkeiten bewu\u00dft.<a id=\"refM\" href=\"#M\"><sup>16<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Das vorherige theoretische Durchdenken einer Ver\u00e4nderung f\u00fchrt vor Augen, da\u00df andere Zust\u00e4nde als die herrschenden angenommen werden k\u00f6nnen \u2013 wenn auch erst nur unter dem Deckmantel der Fiktionalit\u00e4t. Die Idee des Fortschritts setzt den Menschen in ein operatives Verh\u00e4ltnis zu seiner Geschichte der Zukunft, er macht Geschichte selbst, stellt sie eigenh\u00e4ndig und \u2013k\u00f6pfig her. Die Utopien der Renaissance verwandeln dieses Herrschafts- in ein Gesellschaftsmodell, indem sie versuchen, die positiven Effekte dieser Ver\u00e4nderungen direkt nicht nur f\u00fcr den Einzelnen, sondern f\u00fcr die gesamte Menschheit zu nutzen. Dem Teufel brachte das in England um 1600 immerhin den Spitznamen &#8216;Old Nick&#8217; ein.<\/p>\n<h5>2) Jos\u00e9 Ortega y Gasset<\/h5>\n<p>Schon wenn er in der Einleitung \u00fcber \u201edie technischen, dem Menschen eigent\u00fcmlichen Akte\u201c<a id=\"refN\" href=\"#N\"><sup>17<\/sup><\/a> spricht, l\u00e4\u00dft sich die Nachfolge Bacons erkennen: \u201eIn ihrer Gesamtheit stellen sie die Technik dar, die wir von jetzt ab definieren k\u00f6nnen als die Reform, die der Mensch der Natur im Hinblick auf die Befriedigung seiner Notwendigkeiten auferlegt.\u201c Doch \u00fcber dreihundert Jahre sind nicht spurlos vor\u00fcbergegangen, was die als Paradoxon formulierte zentrale These in Ortega y Gassets Werk zeigt: \u201eDer Luxus, das \u00dcberfl\u00fcssige, ist notwendig.\u201c<a id=\"refO\" href=\"#O\"><sup>18<\/sup><\/a> In Rekurrenz auf Bacons Vorstellung, mit dem technischen Fortschritt werde automatisch die Lebensqualit\u00e4t mitgesteigert, geht er davon aus, da\u00df der Mensch nicht einfach nur leben will, er will gut leben, und deshalb ist Technik eben die notwendige Produktion von eigentlich \u00dcberfl\u00fcssigem. Zum Luxus pa\u00dft auch, da\u00df der Herstellungsproze\u00df einen h\u00f6heren Stellenwert als der fabrizierte Gegenstand besitzt, da er ja nicht wirklich unentbehrlich ist, sondern vielmehr durch seine Existenz das Herstellen in gewissem Grad lediglich dokumen- und repr\u00e4sentiert; selbst Diamanten sind nur geschliffen wirklich sch\u00f6n.<a id=\"refP\" href=\"#P\"><sup>19<\/sup><\/a><\/p>\n<h3>Schlu\u00df<\/h3>\n<p>Die an der mentalit\u00e4tshistorischen Entwicklung des Fortschritts- und Ver\u00e4nderungsbegriffs orientierte &#8216;Dynamik des Denkens&#8217; und das damit verbundene &#8216;Prinzip des Herstellens&#8217; sind markante Charakteristika der Neuzeit; Francis Bacon ist einer ihrer Wegbereiter gewesen. Von ihm gesetzte Kategorien wirken bis heute auf verschiedenen Gebieten stilbildend, auch wenn durch das Absolutsetzen des Zweifels bei Descartes die voraufkl\u00e4rerische Absicht der Gebrauchsvorstellungen von Technik aus der Perspektive der Renaissanceutopisten f\u00fcr die Folgezeit ihrer humanistischen Elemente verlustig gegangen ist. Es ist wieder vermehrt der Blickwinkel Machiavellis eingenommen worden, nur nicht mehr auf einzelne Herrscher, sondern auf jedes denkende und damit handelnde beziehungsweise herstellende Individuum bezogen, welches sich seinen Ma\u00dfstab selbst setzt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1696\" title=\"bild-14\" src=\"http:\/\/drikkes.wordpress.com\/files\/2009\/04\/bild-14.png\" alt=\"bild-14\" width=\"490\" height=\"82\" \/><\/p>\n<p><strong>Fu\u00dfnotes<\/strong><br \/>\n<a id=\"X\" href=\"#refX\">zur\u00fcck1<\/a> Da\u00df Bacon nicht nur als Wissenschaftler, sondern auch als Literat gesch\u00e4tzt wird, l\u00e4\u00dft sich an der zeitweise von einigen Literaturhistorikern vertretenen Meinung erkennen, Shakespeares Werke seiner Autorschaft zuzuschreiben. Vgl. z. B. Prof. P. Rapp, William Shakespeare oder Francis Bacon<br \/>\n<a id=\"Y\" href=\"#refY\">zur\u00fcck2<\/a> Die Benutzung des gleichen Namens f\u00fcr die Insel wie sein Vorbild ist nicht zuf\u00e4llig, hat er doch grunds\u00e4tzlich mit dem Platonismus sympathisiert. Bacon verlegte die Insel lediglich auf Grund der durch die Entdeckung Amerikas gewonnenen Erkenntniserweiterung einen Ozean weiter, von jenseits der S\u00e4ulen des Herkules in den Pazifik. Den damaligen Lesern mag das einleuchtend erschienen sein, heute befremdet das Unterfangen, eine Insel namens Atlantis im Pazifik anzusiedeln.<br \/>\n<a id=\"Z\" href=\"#refZ\">zur\u00fcck3<\/a> Dieser Umstand ist wohl vor allem auf das Wissen um den Ausgang bei seinem Vorbild und also auch auf Bacons Karriere im Staatsdienst zur\u00fcckzuf\u00fchren. 1584 Wahl ins Parlament wegen guter Beziehungen zum K\u00f6nigshaus, insbesondere dem Grafen von Essex, 1607 Reichsanwalt, 1613 Justizminister, 1616 Geheimratsmitglied, 1617 Gro\u00dfsiegelbewahrer, 1618 Lordkanzler und Baron von Verulam, 1621 Vicomte von St. Albans. Da\u00df bei beiden eine Insel das Staatsgebiet der utopischen Gesellschaft tr\u00e4gt, l\u00e4sst sich wohl auch auf die Tatsache zur\u00fcckf\u00fchren, dass sowohl Morus als auch Bacon Engl\u00e4nder und damit selbst Bewohner einer Inselnation gewesen sind.<br \/>\n<a id=\"A\" href=\"#refA\">zur\u00fcck4<\/a> Vgl. v. Oppenheimer, Francis Bacon<br \/>\n<a id=\"B\" href=\"#refB\">zur\u00fcck5<\/a> Vgl. Platon, Timaios (24e-25d) und Kritias (112e-121c)<br \/>\n<a id=\"C\" href=\"#refC\">zur\u00fcck6<\/a> Zitiert nach v. Oppenheimer, S. 29 (siehe Lit.verz.)<br \/>\n<a id=\"D\" href=\"#refD\">zur\u00fcck7<\/a> Vgl. B. Vickers, Francis Bacon and Renaissance Prose<br \/>\n<a id=\"E\" href=\"#refE\">zur\u00fcck8<\/a> Vgl. C. Gerschlager, Konturen der Entgrenzung, S.53<br \/>\n<a id=\"F\" href=\"#refF\">zur\u00fcck9<\/a> Siehe C. Gerschlager, S. 60ff<br \/>\n<a id=\"G\" href=\"#refG\">zur\u00fcck10<\/a> P. Heintel, Alternative Modellbildungen zur \u00d6konomie, S. 45<br \/>\n<a id=\"H\" href=\"#refH\">zur\u00fcck11<\/a> Hier in der N\u00e4he ist im weiteren Gedankenkreis auf dem Gebiet der Kunst auch die Entstehung der \u00e4sthetischen Kategorie der Innovation und ihre seitdem stetig zunehmende Dominanz gegen\u00fcber dem alten Mimesis-Begriff zu verorten.<br \/>\n<a id=\"I\" href=\"#refI\">zur\u00fcck12<\/a> Vgl. M. McLuhan, Die mechanische Braut. Er hat f\u00fcr meinen Geschmack auch die gleichzeitig nebenher existierende Angst vor einer Verselbst\u00e4ndigung gut mit dem Vergleich beschrieben, der Mensch droht das f\u00fcr die Maschinenwelt zu werden, was die Bienen f\u00fcr die Pflanzenwelt sind.<br \/>\n<a id=\"J\" href=\"#refJ\">zur\u00fcck13<\/a> F. Bacon, Neu-Atlantis (S. 43)<br \/>\n<a id=\"K\" href=\"#refK\">zur\u00fcck14<\/a> Vgl. Aphorismen 38-74<br \/>\n<a id=\"L\" href=\"#refL\">zur\u00fcck15<\/a> Vgl. W. Krohn, Francis Bacon<br \/>\n<a id=\"M\" href=\"#refM\">zur\u00fcck16<\/a> In diesem Bereich mu\u00df auch das Auftreten der Vorstellung von Gott als Ingenieur verortet werden, der das von ihm erbaute Uhrwerk nur aufgezogen hat und jetzt ablaufen l\u00e4\u00dft, ohne selbst noch einzugreifen.<br \/>\n<a id=\"N\" href=\"#refN\">zur\u00fcck17<\/a> Dieses Zitat und das n\u00e4chste: J. Ortega y Gasset, Betrachtungen \u00fcber die Technik, S. 23<br \/>\n<a id=\"O\" href=\"#refO\">zur\u00fcck18<\/a> P. Fischer, Zur Genealogie der Technikphilosophie, S. 313<br \/>\n<a id=\"P\" href=\"#refP\">zur\u00fcck19<\/a> Zeitgleich zum Schaffen Ortega y Gassets verl\u00e4uft auch die zweite Bl\u00fctezeit der literarischen Gattung der Utopie, die in der langen Zwischenzeit nur vereinzelt entstanden sind. Bezeichnenderweise sind die gro\u00dfen Werke dieser Epoche nahezu ausnahmslos Negativvisionen (z. B. Huxleys Sch\u00f6ne neue Welt, 1984 von Orwell), die sich doch sehr von den Zukunftstr\u00e4umereien der Renaissance unterschieden.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/inspirationehrensache.de\/post\/12042486721\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/drikkes.com\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/tumblr_ltsllagKXO1qaj6mho1_500.jpg\" alt=\"\" title=\"tumblr_ltsllagKXO1qaj6mho1_500\" width=\"500\" height=\"260\" class=\"alignnone size-full wp-image-5086\" srcset=\"https:\/\/drikkes.com\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/tumblr_ltsllagKXO1qaj6mho1_500.jpg 500w, https:\/\/drikkes.com\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/tumblr_ltsllagKXO1qaj6mho1_500-300x156.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Literaturangaben<\/strong><br \/>\nBacon, Francis, Neu-Atlantis, Stuttgart 1982 (Reclam)<br \/>\nDers., Das neue Organon, hg. von M. Buhr, Altenburg 1962<br \/>\nBock, Hellmut, Staat und Gesellschaft bei Francis Bacon, Berlin 1937<br \/>\nFischer, Kuno, Francis Bacon und seine Nachfolger. Entwicklungsgeschichte der Erfahrungsphilosophie, Leipzig 1875, 2. Aufl.<br \/>\nFischer, Peter, Zur Genealogie der Technikphilosophie, in: ders. (Hg.), Technikphilosophie, Leipzig 1996<br \/>\nGerschlager, Caroline, Konturen der Entgrenzung. Die \u00d6konomie des Neuen im Denken von Thomas Hobbes, Francis Bacon und Joseph Alois Schumpeter, Marburg 1996<br \/>\nGrassi, Ernesto (Hg.), Der utopische Staat. Morus Campanella Bacon, Reinbek 1960<br \/>\nHeintel, Peter, Alternative Modellbildungen zur \u00d6konomie, in: Pellert, A. und Berger, W. (Hg.), Der verlorene Glanz der \u00d6konomie, Wien 1993<br \/>\nKlein, J\u00fcrgen, Francis Bacon oder die Modernisierung Englands, Hildesheim 1987<br \/>\nKrohn, Wolfgang, Francis Bacon, M\u00fcnchen 1987<br \/>\nMachiavelli, Niccol\u00f3, Der F\u00fcrst, Stuttgart 1986 (Reclam)<br \/>\nMcLuhan, Marshall, Die mechanische Braut, in: M. Baltes, F. B\u00f6hler, u. a. (Hg.), Medien verstehen. Der McLuhan-Reader, Mannheim 1997<br \/>\nOppenheimer, Felix von, Montaigne Edmund Burke Francis Bacon. Drei Essays, Wien 1928<br \/>\nOrtega y Gasset, Jos\u00e9, Betrachtungen \u00fcber die Technik, Stuttgart 1949<br \/>\nRapp, Peter, William Shakespeare oder Francis Bacon, Ulm 1887<br \/>\nRichter, Wilhelm, Bacon als Staatsdenker, Berlin 1928<br \/>\nR\u00f6d, Wolfgang (Hg.), Geschichte der Philosophie, Bd. 7, Die Philosophie der Neuzeit 1. Von Francis Bacon bis Spinoza, M\u00fcnchen 1978<br \/>\nSchneider, Manfred, Kommunikationsideale und ihr Recycling, in: S. Weigel (Hg.), Flaschenpost und Postkarte. Korrespondenzen zwischen Kritischer Theorie und Poststrukturalismus, K\u00f6ln, Weimar, Wien 1995<br \/>\nVickers, Brian, Francis Bacon and Renaissance Prose, Cambridge 1968<br \/>\nDers., Francis Bacon. Two Studies, Harlow\/Essex 1978<\/div>\n<div class=\"syndication-links\"><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class='e-content p-summary'>Einleitung Zum Vorwort des Romans Neu-Atlantis steht am Ende von Bacons Experimentensammlung Sylva Sylvarum. Bereits 1624 geschrieben, ist es erst ein Jahr nach seinem Tod erschienen, herausgegeben von seinem Kaplan Dr. William Rawley, der in seinem kurzen Vorwort die Intention des verblichenen Autors zu verdeutlichen versucht. 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