{"id":14449,"date":"2020-07-26T15:21:13","date_gmt":"2020-07-26T13:21:13","guid":{"rendered":"http:\/\/drikkes.com\/?page_id=14449"},"modified":"2020-07-26T15:21:13","modified_gmt":"2020-07-26T13:21:13","slug":"oberlippenbekenntnisse","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/drikkes.com\/?page_id=14449","title":{"rendered":"Oberlippenbekenntnisse"},"content":{"rendered":"<div class='e-content'>Eins vorweg: Ich bin ein fauler Mensch. Da\u00df ich auch in Stilfragen dem Primat der Bequemlichkeit huldige, macht mich wahrscheinlich nicht gerade zum Ehrenmitglied der League Of Gentlemen, liegt aber vielleicht in der Familie. Seit ich denken kann, tra\u0308gt mein Vater aus, wie ich annehme vorwiegend praktischen U\u0308berlegungen, einen Vollbart und ich <a href=\u201chttps:\/\/www.amazon.com\/exec\/obidos\/ASIN\/0679880305\/qid=930164291\/%20sr=1-1\/002-7786888-9829204\u201c>eifere ihm insofern nach<\/a>, als mir die allmorgendliche Rasurprozedur an den meisten Tagen ebenfalls zu aufwendig erscheint.<\/p>\n<p>Wenn meine Bartstoppeln zu lang werden und also beginnen, sich zusammenzuraufen, um ein ausgewachsener Vollbart zu werden, dann nennt mich meine Frau einen \u201eHalunken\u201c. Fu\u0308r mich das Zeichen, zum Bartstutzer zu greifen und damit einen etwa Dreizehn-Tage-Bart um zehn Tage zu ku\u0308rzen. Das ist jedenfalls meistens die Regel. Nur alle paar Monate bricht sich meine Vorliebe fu\u0308r einen gepflegten Schnurrbart Bahn. Und zwar gegen den erkla\u0308rten Willen meiner Frau.<\/p>\n<p>Doch auch in mir selbst regen sich oben skizzierte Widersta\u0308nde. Das Problem bei einem Schnurrbart ist, da\u00df man den Rest des Gesichts ta\u0308glich rasieren mu\u00df. Denn eine Kombination von Schnurr- und Drei-Tage-Bart sieht einfach fu\u0308rchterlich aus. So stellt man sich den Ra\u0308uber Hotzenplotz vor, so erinnert man sich an Bilder von Dieter Degowski am Ende des Gladbecker Geiseldramas. So will Mann nicht aussehen. Also wird der Bart nach wenigen Wochen wieder in den restlichen Gesichtsstoppelacker eingeebnet.<\/p>\n<p>Man soll ja o\u0308fter mal was Neues ausprobieren und da ich noch nie ein Interview gefu\u0308hrt habe, stelle ich der Frau, auf deren Meinung ich (abseits dieser haarigen Angelegenheit) ziemlich viel Wert lege, einige Fragen zum Thema.<\/p>\n<p><strong>Du magst es nicht besonders, wenn ich einen Oberlippenbart trage. Kannst Du etwas zu den Gru\u0308nden sagen?<\/strong><br \/>\nIn erster Linie liegt es nicht am Aussehen. Es ist vor allem das Gefu\u0308hl beim Ku\u0308ssen, so ein Schnurrbart sto\u0308rt dabei ungemein.<\/p>\n<p><strong>Okay das leuchtet ein. Selbst ich als gelegentlicher Tra\u0308ger mu\u00df zugeben, da\u00df sich Ku\u0308ssen ab einer bestimmten Bartla\u0308nge nicht mehr ganz so toll anfu\u0308hlt. Aber zufrieden bist Du mit dem Aussehen in zweiter Linie ebenfalls nicht?<\/strong><br \/>\nRichtig, mein Vater hat eine ganze Weile einen Schnurrbart getragen. Und ich will nicht, da\u00df mich der Anblick meines Mannes an meinen Vater erinnert. Hipstertum hin oder her, Schnurrba\u0308rte sind etwas fu\u0308r alte Leute. Blo\u00df weil man sie ironisch tra\u0308gt, werden sie noch lange nicht cool.<\/p>\n<p><strong>In der Tat, der in die Jahre gekommene Gu\u0308nther Grass ist ein klassischer Schnurrba\u0308rtiger. Ma\u0308nner, die man gar nicht ohne Oberlippenbehaarung kennt bzw. sich u\u0308berhaupt nicht vorzustellen in der Lage ist. Fru\u0308her hat es allerdings Ma\u0308nner gegeben, denen ein Schnurrbart gut zu Gesicht gestanden hat.<\/strong><br \/>\nAber das liegt meiner Meinung nach nicht am Schnurrbart allein, niemand wird einzig aufgrund seines Schnurrbarts zu einer einnehmenden Erscheinung. Ich wu\u0308rde sagen, bei Ma\u0308nnern wie Errol Flynn oder Tom Selleck ist ein Schnurrbart im Zuge des Gesamterscheinungsbildes zu tolerieren. Clarke Gable in \u201eVom Winde verweht\u201c ohne Schnurrbart \u2013 undenkbar.<\/p>\n<p><strong>Gerade deswegen mo\u0308chte ich bezweifeln, da\u00df der Oberlippenbart in Teilen der heutigen Jugend eine rein ironische Verwendung findet. Allerdings haftet ihm etwas Unoriginelles an, wie das heutige Tragen von Kleidung der 80er-Mode. Der Schnurrbart ist zuallererst ein Zitat.<\/strong><br \/>\nDas ist doch nichts Schlimmes. Was ist denn heute u\u0308berhaupt noch originell? Ich kann ja verstehen, da\u00df sich besonders junge Ma\u0308nner einen Bart stehen lassen. Sozusagen als Versicherung ihrer Ma\u0308nnlichkeit. Wenn man unter zwanzig ist, dann sind Haare im Gesicht doch nur ein Code fu\u0308r: Haare am Sack. Und das ist ja auch in Ordnung.<\/p>\n<p><strong>Nur bitte keinen Schnurrbart?<\/strong><br \/>\nGenau.<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>(Dieser Artikel ist 2010 in der Style-Rubrik eines mittlerweile eingestellten Online-M\u00e4nnermagazins erschienen.)<\/em><\/div>\n<div class=\"syndication-links\"><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class='e-content p-summary'>Eins vorweg: Ich bin ein fauler Mensch. Da\u00df ich auch in Stilfragen dem Primat der Bequemlichkeit huldige, macht mich wahrscheinlich nicht gerade zum Ehrenmitglied der League Of Gentlemen, liegt aber vielleicht in der Familie. 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