deckeln

OH: „…und dann sitze ich in der Bahn, guck vom Handy hoch und der Typ mir gegenüber trägt ein wie aus dieser Prisma-App gemustertes Shirt. Da musste ich ihn echt sofort noch höher angucken, um mich zu versichern, daß sein Gesicht ganz normal ist. Du erinnerst Dich doch noch an Prisma, oder? Das war für ein paar Tage der heiße Scheiß, bevor die Welt über Pokemon Go vollständig den Verstand verloren hat.“

Cool wäre es natürlich, wenn Adidas, Wein, Ikea und welche Marke sonst noch in diesem tendenziösen Kurzfilm über Handy-Sucht auftaucht, einfach trotz der Message dahinter für das Product Placement gezahlt hätten. Nicht so sehr, um zu zeigen, was sie alles für etwas Aufmerksamkeit bereit sind zu tun, sondern weil Werbung eben doch so funktioniert.

But don’t get too excited to wear a jacket made out of McQueen’s skin–the final collection will most likely be put on display in a gallery rather than being sold to consumers.

Alex für die Kunst. Aber kritisch!

funken

Nun kenne ich mich mit dem Fernmeldegesetz nicht wirklich aus. Von der in netzpolitischen Zusammenhängen öfter mal geäußerten Gleichsetzung des klassischen Briefgeheimnisses mit jedem getrackten Klick online halte ich allerdings nicht gerade viel. Es ist eben doch etwas anderes, ob ein mit der Post verschickter Umschlag im Verlauf seiner Zustellung geöffnet wird oder etwa eine Website das Nutzerverhalten seiner Besucher mit Cookies ausspäht.

Dabei hinkt der Vergleich immer weniger. In der Boomphase von Plattformen wie Twitter, Tumblr und vor allem Facebook wirkte er noch relativ absurd, unterstellte man den dort fröhlich postenden Usern doch latenten Narzissmus sowie einen ungebrochenen Drang zur Selbstdarstellung, die sich einen Teufel um Datenschutz und Privacy-Settings scherten. Besonders gerne übrigens in besserwisserischen bis hämischen Artikel auf den Netz-Ablegern etablierter Printpublikationen, die ihre Websites paradoxerweise mit Analytics- und Tracking-Tools zukleistern.

In überwiegendem Maße zu Werbezwecken selbstverständlich. Davon lebt das Online-Marketing immer noch zu einem großen Teil – behavioral targeting und wie sie alle heißen, alles mittels Data, gerne big. Und auch das zweite Standbein – native advertising, content und influencer marketing – kommt schwerlich ohne Messbarkeit aus. Wieviel Views, Likes und Shares? Schreibt’s mir in die Comments! Ähm, ich meine ins Reporting; schließlich wollen Kunden von ihren Agenturen Erfolgsmeldungen sehen.

Das lief eine ganze Weile ziemlich prächtig. Aber jetzt kommt der große Siegeszug von WhatsApp, Snapchat und überhaupt der ganze Messenger-Hype. Und auf einmal ist das mit den Zahlen alles nicht mehr so einfach, heißt es plötzlich »Relevanz statt Reichweite«. Aber kann eine komplette Branche einfach so zurückrudern?

Rewind!

Kommen wir zur eingangs erwähnten Brief/Mail-Analogie zurück. Wenn ich meiner Frau nun einen Link per SMS schicke, dann heißt das jetzt Dark Social. Da wollen Werber immer noch Ihre Finger und Augen dazwischenkriegen, ohne vor Scham auch nur rot zu werden. Dark Social – die semantischen Implikationen dieses Buzzwords von SilkRoad und Deep Web bis Stasi allein wären einen eigenen Blogpost wert.

Man kann den Effekt, den das Web 2.0 in gerade mal zehn Jahren entfaltet hat, gar nicht groß genug einschätzen. Denn rückübersetzt in die gute alte Zeit hieße das, (zwecks Überprüfung von Werbewirkung) private Telephonate, Familiengespräche beim Abendessen, vertrauliche Unterhaltungen auszuspähen. Klingt vergleichsweise immer noch absurd, hinkt aber leider nicht mehr ganz so stark.

Aus dem Nähkästchen

Ich habe gestern in einem FOM-Seminar zum Thema Werbepsychologie vor berufsbegleitenden Studierenden etwas darüber erzählt, wie Kreativagenturen in der Praxis so arbeiten und was Marken bzw. Unternehmen tun können, damit die Zusammenarbeit möglichst reibungslos und für beide Seiten fruchtbar verläuft.

Die Slides an sich sind dabei wenig informativ, sondern dienten lediglich als plakative Stichwortgeber. Schließlich sollte ja niemand vom Zuhören abgelenkt werden.

Traumhafte Werbung

Manchmal findet man tatsächlich etwas Interessantes, wenn man durch die Xing-News seiner eigenen Branche scrollt.

Wobei das subversive Potential des Films weit von sich geschoben wird. Das ist alles Zukunftsmusik, keinesfalls als Statement zum Ist-Zustand der Werbung gemeint. Und selbst wenn, dann ist Coca-Cola ein sehr gut gewähltes Opfer. Smack verscherzt es sich lediglich mit einem potenziellen Kunden, dessen Markenwert aufgrund seines absurd hohen Symbolcharakters doch ein wenig überschätzt ist, wie ich finde.

Sowas hier macht mir allerdings noch viel mehr Angst. Erfrischend ist anders.