erben und versaufen

Gerade eben wollte ich mich darüber mokieren, daß man auf dieser W&V-Unterseite den Content vor lauter Bannern nicht findet. Wie der Screenshot zeigt, kann man ohne zu scrollen gerade einmal die Überschrift lesen.

Zur besseren Auffindbarkeit habe ich die Headline „Kreativstar Maria Garcia Campos: Werbung wird sterben“ mit einem roten Kästchen markiert.

Oh, the irony.

Zum Glück habe ich gezögert. Denn beim Lesen des Textes ist mir aufgefallen, daß es natürlich einen Aufhänger für die Veröffentlichung dieses Interviews gibt. Campos wird nämlich auf einer demnächst anstehenden Konferenz sprechen. Womit man die ganze Nummer hier als effektheischeriche Promo verstehen kann.

Now playing: Ad Boys 4 Life (Kuschelrock-Promo).

Klare Conte

Der Qualitätsjournalismus scheint sich dieser Tage auf ein Feindbild eingeschossen zu haben: Content Marketing.

Ausgerechnet in einer Zeit, in der Zeitungsverlage versuchen, Bezahlmodelle für ihren Internet-Journalismus zu etablieren, fluten Unternehmen wie Coca-Cola den Markt mit ihrem kostenlosen Quasi-Journalismus.
Damit werde nicht nur den etablierten Verlagen auf fragwürdige Weise das Wasser abgegraben, sondern auch mittelfristig die öffentliche Meinungsbildung massiv verändert. Und das durch Unternehmen, die fast ausnahmslos und gebetsmühlenartig ihre gesellschaftliche Verantwortung betonen.

Auf noz.de prangert Hendrik Steinkuhl Unternehmen an, die „den Journalismus“ imitieren würden. Betonung auf den. Ich fürchte allerdings, daß Firmen mit dieser Verantwortung eher Arbeitsplätze und Ressourcenschonung meinen, anstatt die Subventionierung der laut Selbstverständnis 4. Macht im Staate.

Andere haben sich damit abgefunden, daß für Marken etwa RTL nicht anderes ist als dieser Dschungelschwachsinn zwischen den Werbeblöcken. Nervt irgendwie, aber sorgt halt dafür, daß die Werbespots gesehen werden gute Einschaltquoten haben. Stattdessen verargumentiert man bei Springer mit der Gestzeslage.

„Wenn wir was geschickt bekommen, schreiben wir meistens ’sponsored by‘ dazu“, sagt Galievsky, „außer, wenn Leonie zum Beispiel die Tasche so gut gefällt, dass sie sich die auch selbst gekauft hätte.“

So viel verdienen Mode-Blogger mit Schleichwerbung – DIE WELT | Als Werber von Beruf ist das hier aber mit Abstand mein Lieblingszitat aus dem Artikel:

Diese werblichen Inhalte mischen sie auf der Website und bei ihren Postings bei Facebook oder Instagram mit eigenen Inhalten. Aus Claudia Kahnts Sicht ist das kein Problem. „Wir stecken ja gerade in diese Texte jede Menge kreative Arbeit“, sagt sie.

Die Kennzeichnungspflicht für Anzeigen zu umgehen, ist eben auch Kreativwirtschaft.

aufbauschen

Wobei sich Blogger gerade beschweren, daß sie nur auf ihren Instagram-Feed reduziert werden. Dann doch lieber #bo1cottprada. Oder gleich tiefe Einblicke bei einem Interview mit Affiliate-Spammern auf Snapchat.

Du glaubst nicht, wie blöd die sind. Das ist das Erschreckende dabei. Die denken tatsächlich, wir wären Menschen. Dabei musst du dir das nur mal einen Tag ansehen, dann weißt du Bescheid. Wir jagen ein Tussi-Selfie raus, No-Nipple-Policy selbstverständlich und bekommen 20 Schwanzfotos zurück.

deckeln

OH: „…und dann sitze ich in der Bahn, guck vom Handy hoch und der Typ mir gegenüber trägt ein wie aus dieser Prisma-App gemustertes Shirt. Da musste ich ihn echt sofort noch höher angucken, um mich zu versichern, daß sein Gesicht ganz normal ist. Du erinnerst Dich doch noch an Prisma, oder? Das war für ein paar Tage der heiße Scheiß, bevor die Welt über Pokemon Go vollständig den Verstand verloren hat.“

Cool wäre es natürlich, wenn Adidas, Wein, Ikea und welche Marke sonst noch in diesem tendenziösen Kurzfilm über Handy-Sucht auftaucht, einfach trotz der Message dahinter für das Product Placement gezahlt hätten. Nicht so sehr, um zu zeigen, was sie alles für etwas Aufmerksamkeit bereit sind zu tun, sondern weil Werbung eben doch so funktioniert.

But don’t get too excited to wear a jacket made out of McQueen’s skin–the final collection will most likely be put on display in a gallery rather than being sold to consumers.

Alex für die Kunst. Aber kritisch!