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Erkennt die Zeichen

Weil es als Tweet dann doch meist zu schnell vorbeirauscht: Heute erschien auf horizont.net/ die Meldung über die erste Arbeit von thjnk für RWE. Die Agentur hat den Job vom vormaligen Etathalter Jung von Matt übernommen. Kernstück ist dabei wohl folgender TV-Spot.

Ein paar Zitate aus der gewohnt vollmundig formulierten Pressemitteilung dazu:

... stellt RWE die Menschen in den Mittelpunkt, die schon heute die Energiewelt von morgen gestalten ... viele Vorweggeher überall in Deutschland gemeinsam aktiv ... Wir-Gefühl wirkt mitreißend und entlastend zugleich: Keiner muss die Energiezukunft alleine stemmen, jeder einzelne kann aber daran mitwirken. Mit Leistungsstärke, ... Versorgungssicherheit und mit innovativen Angeboten will RWE ...

„Unser Land geht voRWEg“, das ist die zentrale Aussage der Kampagne ... Landmarks kennzeichnen sowohl Energiezukunftspunkte als auch Menschen, die bereits voRWEg gehen. Dieser Ansatz macht aus dem Markenversprechen „voRWEg gehen“ ein gesellschaftliches Projekt.

Soweit das Blabla, Appell an den Nationalstolz, etc. Man könnte fast vergessen, daß RWE auch Atomkraftwerke besitzt. Und da haben wir noch gar nicht von Garzweiler und Braunkohle angefangen. Nun kamen mir gerade diese Landmarks ziemlich bekannt vor. Das nachfolgende Bild zeigt eine Installation von Aram Bartholl im Rahmen seiner Austellung Hello World! im Kasseler Kunstverein. Es ist nicht die erste ihrer Art, der Künstler stellt diese aus Google Maps entlehnten Verortungssymbole seit Jahren rund um den Globus auf, wie man nach dem Klick auf das Bild an einem 2012 erschienen Gestalten-Buch sehen kann. Gerade die Photos darin vom Aufstellen der Landmarks ähneln der Anfangssequenz des TV-Spots doch sehr.

Nun ist der Grad zwischen Ideenklau und Inspiration ein schmaler. Aber unter diesen Vorzeichen hat es natürlich schon etwas Seltsames, wenn auf der Website - unter diesen Umständen hätte ich natürlich auch eine Micropage vorgezogen, siehe Verlinkung oben - vorweggehen.de/ nach allerlei komischem Zeug über "verletze Organe" und "leitende Angestellte" im Disclaimer dann unter Punkt 4 Urheberrecht zu lesen ist:

Der Inhalt der RWE Website ist urheberrechtlich geschützt. Die Vervielfältigung von Informationen oder Daten, insbesondere die Verwendung von Texten, Textteilen oder Bildmaterial bedarf der vorherigen Zustimmungen der RWE AG. Die Bildrechte liegen – soweit nicht anders vermerkt – bei RWE.
Das Kopieren und unerlaubte Nutzen, sowohl bei kommerzieller als auch nicht-kommerzieller Nutzung ohne vorherige Genehmigung der jeweiligen Rechteinhaber ist untersagt.

Das zieht sich übrigens durch bis zu den beiden Twitteravataren des Künstlers und der Kampagne. Ich will ja nicht unken, aber "voRWEg gehen" sieht anders aus.

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Zumal die Claimidee mit dem in den Wörtern großgeschriebenen Firmennamen RWE noch von der alten Agentur JvM stammt. Da ist es doch wenigstens konsequent, daß thjnk die Kunstinitiative add art unterstützt.

Bonuslevel // Wie man in diesem Screenshot sehen kann, steht mein Tweet ohne Namensnennung auf der thjnk-Website. Dort scheint man entweder ungenau zu programmieren oder sich gerne mit fremden Federn zu schmücken. Aber in jedem Fall wenig auf so etwas wie Monitoring zu geben. Hat wahrscheinlich was mit diesem "neue Agentur"-Ding zu tun.

Nachschlag // Hinweis erhalten. Das kann ja nur Zufall sein.

dumm_GElaufen

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gesamtkunsTwerking

Es gibt eine Rubrik in der New York Times namens Texas Monthly, aber das nur am Rande. Darin neulich der Bericht darüber, daß dem relativ bekannten Werk Prada Marfa die Aberkennung als Kunst drohe, weil eine Behörde es als Marketingmaßnahme einzustufen gedenkt. Und Werbung im öffentlichen Raum unterliegt selbst im Land of the Free bestimmten Reglementierungen - die Adobe-Bude mit dem Logo des Luxuslabels dürfte damit in dieser Form nicht weiter existieren.

Untitled

Wobei die beiden Installateure Michael Elmgreen und Ingar Dragset in der Verteidigung ihrer Schaffens eine erstaunliche Naivität an den Tag legen. Miuccia Prada höchstselbst hat ihnen nicht nur die Verwendung des Markenlogos abgesegnet, sie hat auch eigens die in den zwei Schaufenstern ausgestellten Schuhe ausgesucht und kostenlos zur Verfügung gestellt. Sich auf den formalen Standpunkt zurückzuziehen, sie wären doch von jemand anderem als Prada für ihre Arbeit bezahlt worden und überhaupt sei das Werk "meant as a critique of the luxury goods industry," greift viel zu kurz. Als ob Kunst und Kommerz sich auschließen würden.

Prada ist da dialektisch einen ganzen Schritt weiter und hat beispielsweise als eines der ersten Modelabels verstanden, daß Fake-Produkte ihnen nicht schaden, sondern im Gegenteil kostenlose Werbung sind. Und spätestens, wenn ein Celebrity publicitywirksam in Marfa vorbeischaut, dann ist die Intention der zwei Schweden komplett ad absurdum geführt.

It's the context, stupid!

Der Highway Beautification Act existiere seit 1965, da hätte man schon früher drauf kommen können? “If it really is against the regulations, they should have found out in 2005 when it was erected,” lässt sich Elmgreen zitieren. Das Problem liegt wohl doch woanders, nämlich einige Kilometer die Straße weiter. Seit der Playboy ein ungleich protzigeres Sponsorhip in den Wüstensand geklotzt hat, sieht man auch das Original wenn nicht mit anderen Augen, so doch zumindest aus einem anderen Blickwinkel.

Revolution via

Apropos außergewöhnliche Werbung: Wie man als Fast Food Company auf Pornsites wirbt, daß hat eat24 in einem amüsanten Blogpost festgehalten. Wer keine Lust auf die englische Sprache hat, der kann sich eine der lahmen deutschen Nacherzählungen reinziehen.

Bild 3
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Die Sache mit den Celebrity-Testimonials

Ich wollte eigentlich schon damals direkt darauf antworten. Daß Werbung so einfach nicht funktioniert. Daß das Prinzip von Ursache und Wirkung - "Kaufen, Kaufen! Billig, billig!" - hier einfach zu kurz greift. Daß es bei prominenten Werbegesichtern nicht nur um kurzfristige Abverkaufssteigerung, sondern mindestens ebenso um Imagetransfer zur Marke geht. Daß gerade in diesem Preissegment eher umgedreht ein Schuh draus wird: Beyoncé sieht nicht wegen den Klamotten einer schwedischen Textilkaufhauskette atemberaubend gut aus, sondern trotz. Und daß es ein professioneller Werbetexter wie Peter Breuer besser wissen müßte.

beyonce bikini h&m

Weiß er eigentlich auch. Aber wer von uns hat für einen flachen Witz noch nicht die ein oder andere Verkürzung in Kauf genommen? Und dann lese ich diesen Artikel auf stylebook.de/ und komme doch etwas ins Grübeln. Wird sowas gezielt vom Management lanciert, um Stars nahbarer erscheinen zu lassen? Für die Mode-Discounter ist das natürlich willkommene PR. Da wäscht eben eine Hand die andere, weil Stars dieses Kalibers mittlerweile nicht mehr als Einzelpersonen gesehen werden können, sondern als Ein-Personen-Entertainment-Imperium - sozusagen die Glamourvarinate der Ich AG. Weshalb man solche Kampagnen in modernem Marketingsprech folgerichtig nicht mehr als Aushängeschildchen bezeichnet, sondern immer gleich von Kooperationen und Partnerschaften die Rede ist.

out of home
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streuverlust

Das Bild hier habe ich vor ein paar Tagen bereits getwittert und daß ich es jetzt noch einmal in einem eigenen Blogpost thematisiere, ist wohl weniger der Tatsache geschuldet, daß dieses Plakat so einen großen Eindruck auf alle Rezipienten macht, sondern liegt eher an meinem Beruf. Ich bin Werbetexter. Außerdem hängen die Dinger derzeit überall in der Stadt, man kommt nicht an ihnen vorbei. Mediadruck, Masse statt Klasse.

Ich bin nicht "jeder". Nicht alle nutzen zum Beispiel wie ich den Öffentlichen Personennahverkehr. Wie sollen sie da 18/1 oder CLPs in U-Bahnhaltestellen zu Gesicht bekommen? Und so gibt die zur Kampagne gehörige Website auch an, daß man Out Of Home sehr wohl in der Lage ist, Werbung im Hinblick auf spezifische Target Audiences zu platzieren. Und das sollte man auch, Konzentration beispielsweise auf Buswartehäuschen, die Einkaufsstraßen der Innenstädte oder entlang der Autobahnen. Sonst kann so etwas - Stichwort TKP - schnell ins Geld gehen und jedes Budget sprengen. Nur sagt die Kampagne des Fachverbands Aussenwerbung e.V. davon nichts.

Die attraktive Frau ist nicht das einzige Motiv der Kampagne. Ich habe auch noch kleinformatigere Plakate mit einem ebenfalls ansehnlichen Mann gesehen. Das Motiv mit der Nichtweißen ist mir nur im Netz aufgefallen. Man will es allen recht machen, bezeichnet sich selbst auch zurecht als Massenmedium - und ist stolz darauf. Bei effizienzorientierten Marketingmenschen dürfte angesichts dieser Werbung allerdings in erster Linie eine Botschaft hängenbleiben: Wenn ich kommunikationstechnisch mit Kanonen auf Spatzen schießen möchte, dann ist Out Of Home Media das Mittel der Wahl. Und Streuverluste müssen eben entsprechend bezahlt werden.

Wohlgemerkt: die Message der Kampagne. Auf der dazugehörigen Micropage trifft-jeden.de liest sich das schon wieder entgegen der vereinfachten, verfälschenden Werbebotschaft ganz anders. Da ist von Zielgruppenprofilen sowie Plan- und Berechenbarkeit die Rede. Und auch eine Einschränkung findet sich dort: Unter dem Punkt Zeitgeist lautet das alles entscheidende Stichwort Mobilität. Anstelle des Internets - vielleicht sogar noch des Radios, aber TV schon nicht mehr - würde ich den Ball dankbar aufnehmen. Das ist doch eine Steilvorlage, die geradezu nach einer Antwortmaßnahme schreit. Ganz nach dem Motto "treffen, wen Sie wollen" würde ich Werbung für Alte, Kranke und Blinde machen. Das sind nämlich auch Konsumenschen.

Aber dann müßte man sich ja sein Nischendasein eingestehen. Und wahrscheinlich bin ich einfach zu sehr Werbetexter.