Cannes nicht sein

Für mich gab es nur zwei würdige Grand Prix dieses Jahr: Mailchimp und Burger King.

Das hängt natürlich sehr von persönlichen Vorlieben ab. Und von gut gemachten Case Videos natürlich. Mit technischen Gegebenheiten zu spielen und PR-Effekte als earned media so selbstverständlich mitzunehmen kann jedenfalls nie schaden.

Dem meisten anderen Kram sah man so verdammt offensichtlich an, wie sehr er auf GOLD angelegt worden war. Nicht mehr feierlich.

Roar / Boah

Ich gratuliere Scholz & Friends recht herzlich zu ihremn vollkommen verdienten Cannes Lions für „Newspaper Stack“. Für alle, die die Arbeit im Auftrag des Tagesspiegels nicht kennen, zeige ich sie hier noch einmal.

Apropos „nicht kennen“. Ich weiß auch nicht, was S&F zu ihrer Kreation inspiriert hat.

Die genauen Entstehungsdaten der Originale kenne ich nicht, aber die per Schnellsuche gefundenen Posts auf Twitter und Reddit sind meistens drei bis fünf Jahre alt.

Auch die gestapelten Tagesspiegel gingen vor Wochen haufenweise durchs Netz, allerdings nur das Bild ohne die Copy unten rechts in der Plakatecke.

Noch einmal: Herzlichen Glückwunsch, S&F!
Update nach im Kommentar unten verlinktem Artikel: „The campaign won a gold Lion and two silver Lions across the Print and Outdoor categories.“ Und das, obwohl die beiden anderen Motive deutlich schwächer als Trump sind.

pro mo de

Anfang Mai widmete sich die Grazia auf einer ganzen Seite Klamotten mit Werbeaufdruck. Aufhänger war neben zwei google-gekleideten Photos von Miroslava Duma das schon nach einem Jahr legendäre Vetements DHL T-shirt.

aus: Grazia

Da kommt einem natürlich die Episode aus Krachts Faserland in den Sinn, in welcher der Freund des Protagonisten behauptet, es gäbe heutzutage nichts Subversiveres als das affirmative Tragen von T-shirts mit Firmenlogos darauf.

Was mich wiederum an eine Idee zur letzten Fußballsaison erinnert hat: Ich wollte 18 T-shirts designen, eins für jeden Bundesligaverein. Sie sollten den Trikots einzig von der Farbe her nachempfunden sein, sonst aber in keinster Weise an den jeweiligen Club denken lassen – keine Wappen, keine Namen, keine Rückennummern. Mit einer Ausnahme: der Schriftzug des Sponsors wäre genau so zu lesen wie auch auf der Brust der Profis.

Zum Billigbeispiel

Diese 18 Shirts hätte es dann in einem eigenen Shop bei Threadless oder Spreadshirt zu kaufen gegeben. Als alberne Kritik zu den kapitalistischen Auswüchsen des Fußballzirkus‘ war mir das als Nicht-Designer dann aber doch zu aufwendig.

*löscht alle wortspielerischen Headline-Ideen mit „Snap“ statt „Schnapp“ zum Glück wieder, bevor er auf „Publish“ klickt*

Seit einem Jahr nutze ich Instagram nicht mehr. Mir fehlte die chronologische Timeline. Und die nervige Werbung wurde auch immer mehr. Nach 1000 Bildern war am 21. Mai 2016 für mich Schluß. Also schon ein paar Monate, bevor die Facebook-Tochter mit Stories zum Snapchat-Klon wurde.

Genau dieses Feature steht jetzt auch im Mittelpunkt der von Wieden+Kennedy Amsterdam entwickelten Kampagne für Instagram. Ein bis zwei Motive sind halbwegs witzig, aber das meiste ist eher geht so. Die Filmchen wirken auf jeden Fall besser als die statischen OOH-Motive, die man in den vergangen Wochen auf innerstädtischen CLPs zu sehen bekommen hat.

Wer hierzulande allerdings auf die Idee gekommen ist, den internationalen Claim „Stories are everywhere“ auf deutsch mit „Jede Story zählt“ zu übersetzen, der kann sich im Beraterkeller die goldene Adaptionsklobürste abholen gehen.

Ich wäre das ja insgesamt etwas mutiger angegangen. Aber kaum bastelt man was, ändert Snapchat ein paar Tage später das Design.

Add me.

Samsung in Neon

(Edit: Nicht mehr ganz so) Neulich auf dem Klo in der April-Ausgabe der NEON geblättert und etwas stutzig geworden. Wenn Sie Ihr Augenmerk bitte auf den rechten Teil der aufgeschlagenen Doppelseite richten würden.

Wie es wirklich aussah

Erkennt man, das über der Abbildung des Smartphones etwas ausgestanzt ist? Warum sehe ich durch das Loch die halbe Spalte eines Textabsatzes und eine angeschnittene Katze? Komischer Teaser. Trotzdem mal umblättern.

Seite 52/53

Viel roter Arm. Das kann es auch nicht sein. Dann ist es mir aufgefallen: Die Seite mit dem Smartphone drauf rausgerissen, umgedreht und andersrum wieder reingelegt. Voila, so ergibt diese mehrseitige Werbeanzeige dann doch wieder Sinn. Also zumindest ein bißchen (mehr). (Edit: Falls die Verwirrung zu groß ist – das obige Bild zeigt das „Nachher“.)

Wie es aussehen sollte

Solche Fails interessieren wohl nur einen Berufskränkelnden, die meisten anderen fliegen – noch nicht einmal irritiert, weil unbemerkt – sofort drüber weg. Ich würde schon gerne erfahren, wer da Mist gebaut hat. Die Agentur falsch angeliefert, der Verlag nicht drübergeschaut, die Druckerei Dateien vertauscht? Wahrscheinlich schieben sich alle Beteiligten nun Mitte Mai immer noch gegenseitig die Schuld zu.