Scholz2Friends, Car&Go

„Proud to share“ – rly?

Als ob der Begriff der „Sharing Economy“ nicht schon seit Jahren kritisiert wird. Entweder als zu ungenau, zu undifferenziert, zu unwirtschaftlich, zu zweischneidig, zu euphemistisch, zu verschleiernd. Der Name ist längst zum PR-Schlagwort verkommen; Agendasetting für Führerscheinneulinge.

Ich kenne die Hintergründe nicht. Aber dafür ging der Etat nach nur anderthalb Jahren von TBWA zu Scholz & Friends? Und dann wollen sie den Claim jetzt auch noch ganz stolz jedem ihrer Wägen auf die Seitentüren pappen. (Neulich ging ich durch das Dorf und kam an einem car2go vorbei. „Jetzt ein Auto“ stand da auf dem Smart. Und ich dachte nur „Früher eine Dose“.)

Yes Good

Die neue Kampagne von Emerald Nuts gehört mit zum Besten, was ich an Reklame in der letzten Zeit gesehen habe.

Das liegt weniger daran, daß jedes einzelne Video Massivgold ist. Vielmehr überzeugt die ganze Idee hinter „Revue of Reviews“ noch mehr als die Umsetzung. Und zwar einerlei, ob die verantwortliche Agentur Barton F. Graf sich die ganze Story dahinter ausgedacht hat oder nicht.

Mehr Videos und noch mehr Story dahinter gibt’s bei Adweek.

Elvis has entered the building

Vor einigen Wochen hat Ryan Holiday im Observer sehr interessante Einblicke in eine von ihm selbst 2009 mitentwickelte Werbekampagne gegeben: I Helped Create the Milo Trolling Playbook—Stop Playing Right Into It. Durch Vandalismus an ihren eigenen (absichtlich geschmacklosen) Plakaten, durch von ihnen selbst ins Leben gerufene Boykottgruppen und ähnliche Mittel, haben Holiday und seine Mitstreiter es geschafft, trotz sehr bescheidener Mittel ein überproportional großes Maß an Publicity zu generieren.

It’s easy to sound smart and provocative when you’re the underdog. It’s easier to be reckless when you have nothing to lose. It’s also easier to create a united front when you really are being persecuted or attacked—when you’re an outsider.

Wie die Überschrift des Artikels andeutet, ist seine Lektüre nicht nur für professionelle Marketer interessant. Denn im Internetzeitalter der allgemeinen Aufmerksamkeitsökonomie gibt es gute Gründe, Reiz/Reaktion-Schemata zu analysieren. Nicht umsonst gehört Holidays Bestseller „Trust Me, I’m Lying“ zu den Lieblingsbüchern der Alt-Right Propagandaabteilung, die es statt als Warnung eben einfach als Anleitung verstehen.

Auch wenn sich der neue US-Präsi nicht gerade überschwänglicher Beliebtheit erfreut – selbst unerwünschter Erfolg hat noch eine ganze Menge Väter. So liefert jedenfalls eine Websuche nach „accidentally helped Trump“ eine recht lange Liste an entweder distanzierenden Schulterklopfern oder vorsatzlosem Täter-Blaming.

Beispielsweise Timothy O’Leary zum Einfluß seiner 90er-Infomercials, ein wirklich abgefeimtes Stück Eigenwerbung. Oder die Liberal Media Outlets sind schuld. Oder gleich die Vorgänger-Politik Obamas. Oder Algorithmen.

Ich muß ich letzter Zeit oft an Folgendes denken: Elvis‘ manager sold „I Hate Elvis“ badges to make money from those who otherwise wouldn’t have parted with their cash for Elvis merchandise.

gleich & anders

Wo wir gerade (gestern) beim Thema waren:

Durch googlen diese inhaltlich sehr ähnliche Headline gefunden: Signature Look: Der Trick der Fashion Influencer lautet: Immer gleich aussehen! | Stylight 2014 geht von der Aussage her aber in eine etwas andere Richtung. Diejenigen, welche wechselnde Modetrends kreieren, entziehen sich selbst dem Hype Cycle.

Als modebewusster Mensch ist es heute schwierig, seinen Stil zu entwickeln, weil man immer wieder durch Social-Kanäle wie Instagram oder Snapchat im Sekundentakt neue Trends präsentiert bekommt und diese so perfekt aufbereitet sind, dass man sie unbedingt mitmachen möchte.

Das hat Stylight vor einem halben Jahr geschrieben. Wobei den derart Getriebenen an anderer Stelle ebenjenes Feuer unterm Hintern gemacht wird. Denn unlustigerweise tragen weitere Posts von Stephanie Morcinek und Verena Stehle (s.u.) Titel wie:

    – 5 Gründe, warum wir jetzt alle ein Naked Dress wollen
    – Der “It-Rock” oder warum jetzt alle einen Minirock mit Knopfleiste haben wollen
    – Gleich und gleich gesellt sich gern: Warum wir jetzt UNBEDINGT ein Ensemble brauchen

Und die restlichen Stylight-Redakteurinnen lassen sich in dieser Hinsicht auch nicht zweimal bitten:

    – Warum wir jetzt alle UNBEDINGT einen Regenmantel wollen!
    – Plädoyer für den Yeti-Mantel: Warum wir aussehen wollen wie ein Plüschmonster
    – Warum wir jetzt einen Maximantel wollen
    – 6 Gründe, warum wir jetzt unbedingt einen Mantel in khaki haben möchten (native ad)
    – Warum wir es jetzt von hinten wollen!
    – Warum wir in der Mode jetzt zurück zur Natur wollen
    – So wollen wir jetzt aussehen – die geniale Kombi aus Hoodie und Ledermini
    – Das ist DER Trend, den wir jetzt unbedingt ALLE mitmachen wollen

Das Problem des Spagats zwischen Content Marketing und inhaltlicher Relevanz aber spiegelt am besten folgender Artikel wider: Warum jetzt alle französisch aussehen wollen – was totaler Quatsch ist (erneut Stehle).

Denn wie lässt Stylight über sich selbst verlauten:

Heute ist Stylight der erfolgreichste Mode-Aggregator Europas und weltweit aktiv – mit einem Ziel: täglich eine Inspirationsquelle für ambitionierte Frauen zu sein und ihnen dabei zu helfen, ihren ganz persönlichen Style weiterzuentwickeln. Über 200 Lifestyle-, Engineering- und Fashion-Professionals aus mehr als 20 Ländern arbeiten jeden Tag mit Leidenschaft an Stylights Mission: shoppable Inspiration zu bieten.

Um noch einmal die Brücke zur der anderen Seite des Agendasettings zu schlagen, gleichzeitig mit einem Bogen zum Beginn dieses Textes – Vincent Carlos on Pulse | LinkedIn: Why Successful Individuals Wear The Same Outfit Daily.

Wir sind noch nicht am Ende. Das hier war quasi nur eine Art Exkurs.