funken

Nun kenne ich mich mit dem Fernmeldegesetz nicht wirklich aus. Von der in netzpolitischen Zusammenhängen öfter mal geäußerten Gleichsetzung des klassischen Briefgeheimnisses mit jedem getrackten Klick online halte ich allerdings nicht gerade viel. Es ist eben doch etwas anderes, ob ein mit der Post verschickter Umschlag im Verlauf seiner Zustellung geöffnet wird oder etwa eine Website das Nutzerverhalten seiner Besucher mit Cookies ausspäht.

Dabei hinkt der Vergleich immer weniger. In der Boomphase von Plattformen wie Twitter, Tumblr und vor allem Facebook wirkte er noch relativ absurd, unterstellte man den dort fröhlich postenden Usern doch latenten Narzissmus sowie einen ungebrochenen Drang zur Selbstdarstellung, die sich einen Teufel um Datenschutz und Privacy-Settings scherten. Besonders gerne übrigens in besserwisserischen bis hämischen Artikel auf den Netz-Ablegern etablierter Printpublikationen, die ihre Websites paradoxerweise mit Analytics- und Tracking-Tools zukleistern.

In überwiegendem Maße zu Werbezwecken selbstverständlich. Davon lebt das Online-Marketing immer noch zu einem großen Teil – behavioral targeting und wie sie alle heißen, alles mittels Data, gerne big. Und auch das zweite Standbein – native advertising, content und influencer marketing – kommt schwerlich ohne Messbarkeit aus. Wieviel Views, Likes und Shares? Schreibt’s mir in die Comments! Ähm, ich meine ins Reporting; schließlich wollen Kunden von ihren Agenturen Erfolgsmeldungen sehen.

Das lief eine ganze Weile ziemlich prächtig. Aber jetzt kommt der große Siegeszug von WhatsApp, Snapchat und überhaupt der ganze Messenger-Hype. Und auf einmal ist das mit den Zahlen alles nicht mehr so einfach, heißt es plötzlich »Relevanz statt Reichweite«. Aber kann eine komplette Branche einfach so zurückrudern?

Rewind!

Kommen wir zur eingangs erwähnten Brief/Mail-Analogie zurück. Wenn ich meiner Frau nun einen Link per SMS schicke, dann heißt das jetzt Dark Social. Da wollen Werber immer noch Ihre Finger und Augen dazwischenkriegen, ohne vor Scham auch nur rot zu werden. Dark Social – die semantischen Implikationen dieses Buzzwords von SilkRoad und Deep Web bis Stasi allein wären einen eigenen Blogpost wert.

Man kann den Effekt, den das Web 2.0 in gerade mal zehn Jahren entfaltet hat, gar nicht groß genug einschätzen. Denn rückübersetzt in die gute alte Zeit hieße das, (zwecks Überprüfung von Werbewirkung) private Telephonate, Familiengespräche beim Abendessen, vertrauliche Unterhaltungen auszuspähen. Klingt vergleichsweise immer noch absurd, hinkt aber leider nicht mehr ganz so stark.

Aus dem Nähkästchen

Ich habe gestern in einem FOM-Seminar zum Thema Werbepsychologie vor berufsbegleitenden Studierenden etwas darüber erzählt, wie Kreativagenturen in der Praxis so arbeiten und was Marken bzw. Unternehmen tun können, damit die Zusammenarbeit möglichst reibungslos und für beide Seiten fruchtbar verläuft.

Die Slides an sich sind dabei wenig informativ, sondern dienten lediglich als plakative Stichwortgeber. Schließlich sollte ja niemand vom Zuhören abgelenkt werden.

Traumhafte Werbung

Manchmal findet man tatsächlich etwas Interessantes, wenn man durch die Xing-News seiner eigenen Branche scrollt.

Wobei das subversive Potential des Films weit von sich geschoben wird. Das ist alles Zukunftsmusik, keinesfalls als Statement zum Ist-Zustand der Werbung gemeint. Und selbst wenn, dann ist Coca-Cola ein sehr gut gewähltes Opfer. Smack verscherzt es sich lediglich mit einem potenziellen Kunden, dessen Markenwert aufgrund seines absurd hohen Symbolcharakters doch ein wenig überschätzt ist, wie ich finde.

Sowas hier macht mir allerdings noch viel mehr Angst. Erfrischend ist anders.

pupsquersitzplatz

Na, wer wirbt gerade auf dem GoogleWatchBlog? Zumindest umwirbt es mich in der Kategorie „Apps“. Es, das ist BING: die Konkurrenzsuchmaschine von Microsoft. Oder ist es die Suchmaschinenkonkurrenz?

Ist das witzig gemeint? Verspricht man sich bei MS da wirklich Erfolg von? Präsens zeigen kann ja nicht verkehrt sein. Zumal auch nicht die Suchmaschine generell, sondern ihr Werbenetz beworben wird. Und das eben auf einer Website, die den großen Wettbewerber im Auge behält.

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WatchBlog, das ist durchaus kritisch gemeint. Um so seltsamer finde ich die Tatsache, daß im Blog AdSense/AdWords zum Einsatz kommen – Googles Werbenetzwerk. Distanz ist anders.

Für Bing allerdings noch einmal fieser, hier Banner zu schalten.

Siebzig Jahre danach

Wie sehr mir die Marketing-Denke in Fleisch und Blut übergegangen ist: Ich kann nicht anders, als die eine Woche vor Weihnachten überall veröffentlichte Meldung über die nun endsieglich gesicherte Eineiigkeit des GröFaZ als einen zweifelhaften, aber dennoch gelungenen PR-Coup zum Ende des Copyrightschutzes von »Mein Kampf« zu verstehen. Seit dem 1. Januar 2016 an ist Adolfs Machwerk gemeinfrei. Schlimm.