Wird auch Zeit

Aus dem leidlich selbstreflexiven Artikel „Konsum: Brauch‘ ich das?“ dreier Zeit-Redakteure. Darin finden sich noch mehr lesenswerte Sätze wie diese beiden:

Das Kaufen unnötiger Gegenstände war ja von jeher ein mystischer Akt und deshalb auch etwas fragil, kein natürlicher Impuls, sondern ein produziertes Bedürfnis, eigentlich nur möglich, solange es eben alle anderen auch taten und solange man nicht groß darüber nachdachte. Oder das Denken der Werbung überließ, die zwar jeweils nur zu einem Produkt verführen will, in der Summe aber fürs Konsumieren als solches wirbt, die täglich, sekündlich einen ökonomischen Phantomschmerz erzeugt.

Wenn man sich vor Augen führt, daß sowas ja für die eigene Leserschaft (sprich: Zielgruppe) geschrieben wird, dann passt es wieder halbwegs. Was das dann mit dem Claim der neuen neuen Claim der Zeit zu tun hat, weiß ich allerdings nicht.

Money in Mode

Schon vor einiger Zeit den Artikel „Payment instalments are now a fashion marketing play“ gelesen, darin geht es um die Zahlungsmöglichkeiten in Onlineshops. Das werden immer mehr, neben Kreditkarte und PayPal tauchen da nun Services wie Klarna auf bzw. drängen aggressiv auf den Markt. Bei allen handelt es sich um sogenannte Laterpay-Optionen – Kunden bekommen gegen Gebühr die Möglichkeit, den Rechnungsbetrag später zu bezahlen oder in Raten gestückelt. Shoppen auf Pump, wenn man ehrlich ist.

Modemmarken sind die Speerspitze dieser Entwicklung, besonders nicht gerade lebensnotwendige Luxusartikel leistet man sich vielleicht eher nebenher, wenn man sie nicht sofort und auf einen Schlag bezahlen muß. Kein Wunder also, daß Fashion-Brands die Implementierung solcher Services als Marketinginstrument begreifen, senkt das Anbieten doch bei vielen die Kaufschwelle. Klarna, Afterpay et al. wiederum tun momentan viel, um nicht nur ihre Userzahlen, sondern in erster Linie ihre Sichtbarkeit zu erhöhen. Warum?

In 2019, payments-related companies accounted for $12 billion of the total $40 billion in financial tech funding in 2019, tripling in the last five years.

Stimmt das wirklich? Die entscheidende Frage ist wahrscheinlich, was alles zu „financial tech“ dazugezählt wird und was nicht. Aber mehr als ein Viertel investiert in verschleierte Kreditanbieter finde ich schon ziemlich erschreckend. Das hat für mich nichts mehr mit digitalem Fortschritt zu tun. Wenn man dann noch im Artikel liest, daß vor allem junge Leute darauf anspringen, sortiert man diese Entwicklung irgendwo zwischen convenienter Schuldenfalle und Abzocke as a Service ein.

Was mich noch mehr nervt als Brands, die keine #SuperBowl-Kohle zahlen wollen und stattdessen „the big game“ sagen?

Das ist die Unart, Spots schon Tage vor der TV-Ausstrahlung online zu leaken – und das in ellenlangen „director cuts“, die so niemals im Werbeblock laufen werden.

Ich arbeite selbst in der Werbung, aber sorry, wenn du es nicht für nötig hältst, deine Message in 30 oder 60 Sekunden rüberzubringen, dann_
Davon abgesehen: Wie geil ist bitte der Spot für MTN?

Der Rest nervt, sogar Pringles und Budweiser. Statt von Rick & Morty oder Wasssup zu profitieren, ziehen sie den Kram einfach mit runter.