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Ich fand das schon doof, als Leute plötzlich angefangen haben, ellenlange Statusupdates (Status! Nicht Roman.) auf Facebook zu posten. Sie benutzen noch nicht einmal die extra für sowas vorgesehenen FB Notes. Aber es geht neuerdings noch nerviger, siehe Twitter. Gefühlt hat das Posten von Screenshots mit längeren Texten nachgelassen. Dafür tauchen nun vermehrt Tweetstorms auf.

Der @moeffju z.B. oder auch @kosmar retweeten gerne mit dem Zusatz. „This thread.“ Lese ich nicht, nie. Zur Hilfe kommt mir dabei mein Twitterclient, denn ich nutze statt der offiziellen App sowohl auf Desktop als auch Smartphone Tweetbot. Das erspart mir etwa die albernen Umfragen, indem es einfach die Antwortmöglichkeiten unterschlägt. Und auch diese Threads werden dort so dargestellt, daß sie komplett unlesbar sind – denn die Replies zu den einzelnen Tweets stehen immer gleich ununterschieden zwischen den eigentlichen Tweetfolgen. Finde ich gut, so komme ich wenigstens gar nicht erst in Versuchung, mir das doch anzuschauen.

Oder wie ich es bereits vor ein paar Tagen dem Service angemessen in aller Kürze formuliert habe:

Funktionieren bei Tweetbot die Moments auch nicht oder nutzt die einfach niemand? Aber ich bin ja auch ein alter Sack, der sich Snapchat verweigert und mit Instagram abgeschlossen hat.

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…vom 30.11.2016 // Maciej Cegłowski sieht das genauso.

Notes / Okt 2016

Kurze Wiederbelebung des Zitat-Formats. Nicht als Comeback der Reihe, sondern als monothematische Spezialausgabe.

The engine of my thought is always directed toward Twitter. As I walk the city, I am attuned to that little empty box insistently asking “What’s happening?” My experience of the material world is shadowed by a kind of holographic plane, a translucent layer over everything studded with tweet buttons. Conversations, happenings in public spaces, street art or a celebrity sighting — these are all fodder for a reality that I have come to perceive in tweet-size fragments.

I conjured a persona for Twitter, at first modulating myself for the tech- and pop-culture-savvy early users, then later techno-skeptics and lefty cultural critics, and now for the many like me who are just exhausted by the whole thing and make aimless or bitter jokes.

We aren’t so much writing to people or acting ourselves out but invoking what we imagine our ideal audience to be. A Twitter joke isn’t just an attempt to get laughs or acquire likes; it’s an attempt to extract from the faceless dark of the limitless web an exact body of people who find what we find funny, funny.

To internalize the structure of a social network is a way of both connecting with other humans and becoming subservient to our imagined visions of what they want. (…) To use Twitter is to become both its consumer, but also its bureaucrat. (…) It isn’t just my tweets that have changed, but the way in which I relate to reality.

That is so me. Great text: Auto Format | Real Life magazine.

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Der nächste geht auch u.a. über Twitter. Anläßlich der Frankfurter Buchmesse macht man sich so seine Gedanken über die Medienspezifik bestimmter Ausdrucksformen.

Genuin digitale Literatur nutzt nicht einfach nur Technologie, sondern reflektiert ihre Produktionsbedingungen mit und lotet die Grenzen des Digitalen aus.

Was zieht, wird reproduziert. Das wirkt möglicherweise trotzdem effektvoll, ist aber konzeptuell langweilig und also unkreativ.

Wobei sich gerade dieser letzte Satz aus »Was ist das für 1 live?« – Verlegerin & Orbanism-Initiatorin Christiane Frohmann im Interview | Spex Magazin liest, als würde hier jemand das genuin neuzeitliche Originalitätsparadigma immer noch auf die wasweißichwievielte Postmoderne anwenden.

#YourMumIsTwitter

(Seit gestern Abend geht eine Petion zum Twittererwerb um. Da habe ich mal einige Flüchtigkeitsfehler beseitigt sowie für eine konsistentere Großschreibung der Anrede-Prnomina gesorgt. Und außerdem den größten Irrtum des Petitionstext korrigiert: das »Wir«-Gefühl.)

Hey, Twitter! Erinnerst du Dich? Es ist Deine Mudda! Hi.

Deine Mudda hat gehört, dass Du verkauft werden sollst. Oder zumindest, dass Menschen aus deinem Umfeld es erwägen. Das betrifft auch Deine Mudda. Irgendwie. Du bist ein echt nettes Tool, und Deine Zukunft wird mitbestimmen, wie Deine Mudda mit ihren Freunden in Kontakt bleibt, wie Deine Mudda etwas von der Welt mitbekommt und wie Deine Mudda mit Fremden kommunizieren kann. Von Deiner Zukunft hängt auch ab, was mit all den Daten Deiner Mudda geschieht, die sie Dir anvertraut hat. Wer auch immer Dich kauft, kauft in gewisser Weise Deine Mudda.

Wir haben eine Idee, einen Vorschlag. Dein CEO, Jack Dorsey, nannte Dich kürzlich »your mum’s news network“. Was, wenn Du wirklich Deiner Mudda gehören würdest? Warum lässt sich nicht gemeinsam ein Weg finden, wie Deine Mudda Dich kaufen kann?

Die Börse findet, dass Du gescheitert seist. Denn die Börse mag Dich nur wegen Deines Aktienkurses. Deine Mudda hingegen findet Dich großartig. Deine Mudda mag Dich, weil Du ihr Leben bereicherst – ihre Nachrichten, ihre Kultur, ihre Beziehungen. (Manchmal bringst Du natürlich auch ziemlich üble, fiese und groteske Dinge in ihr Leben).

Deine Mudda möchte Dir einen Deal vorschlagen, damit Du weiterhin großartig sein kannst. Der sicherstellt, dass Großartigkeit der Grund Deiner Existenz ist, nicht bloß das Füttern der Aktionäre. Deine Mudda ist überzeugt, dass ihr gemeinsam ein Unternehmen entwickeln könnt, das funktioniert, floriert und wunderbare Innovationen hervorbringt.

Die Sache ist die: Deine Mudda ist schon Du. Das klingt etwas merwkürdig, ist aber wahr. Was wäre Twitter ohne die Tweets Deiner Mudda? Sie ist das Produkt, das Du an Anzeigenkunden verkaufst. Aber Deine Mudda ist mehr als ein Produkt; sie ist ein Mensch. Sie will die Systeme mitgestalten, die ihr Leben und Ihre Community prägen. Sie will einen Weg finden, wie Ihr gemeinsam Werte schaffen könnt, und sie will, dass diese Werte das von ihr kreierte Gemeingut stützen, statt es an der Börse zu versteigern. Baut ein besseres Geschäftsmodell als den Verkauf der Aufmerksamkeit Deiner Mudda an Werbekunden. Und schafft eine bessere Eigentümerstruktur, die nicht dem Einfluss der Böresenspekulation unterworfen ist.

Das wäre gut für Deine Mudda und gut für Dich. Schließlich bist auch Du Menschen. Wenn wir „Du“ sagen, meinen wir nicht nur Twitter, die Aktiengesellschaft, sondern die Menschen, die Twitter am besten kennen und am meisten wertschätzen – die Gründer, die Angestellten, diejenigen Investoren, die sich als Begleiter einer grandiosen Sache sehen. Deine Mudda liebt Twitter nicht wegen seines Verkaufswerts, sondern wegen der Dinge, die sie damit auf die Beine stellen kann. Deine Mudda muss nun zusammenkommen, da Wall Street sich abwendet.

Ein Twitter in den Händen Deiner Mudda könnte sich neue Erlösströme erschließen, denn sie wäre als Mitinhaber beteiligt. Deine Mudda könnte die Daten der Plattform wieder zugänglich machen, um Innovationen anzukurbeln. Deine Mudda könnte transparentere, nachvollziehbare Regeln für den Umgang mit missbräuchlicher Nutzung entwickeln. Und sie wäre nicht länger nur flatterhafte Userin – sie hätte in deine Nachhaltigkeit und deinen Erfolg investiert. Die Definition von Erfolg selbst würde sich somit ändern. Deine Mudda ist überzeugt: Ohne den kurzfristigen Druck der Aktienmärkte kann sie all die Werte realisieren, die Twitter schafft. Daran scheitert das derzeitige Geschäftsmodell seit Jahren.

Der Stand der Dinge ist: Deine Mudda will eine Kooperative ins Leben rufen, die weitere Twitter-Müdda gewinnen will, in der Hoffnung, einen Deal hinzubekommen. Einen fairen Deal, der diejenigen belohnt, die dabei geholfen haben, das Twitter wie Deine Mudda es liebt zu kreieren. Deine Mudda hofft, dass diese mit ihr zusammenarbeiten werden. Twitter ist dabei nur ein Anfang, eine Chance, einfach mal über ein Werkzeug nachzudenken, mit der sie große Plattformen zusammen mit anderen besitzen könnte; Deine Mudda denkt bereits darüber nach, wie man gemeinschaftlich geteilte Inhaberschaften auch an anderen Stellen des Internet umsetzen könnte.

Deine Mudda, die Unterzeichnerin, fordert Twitter auf mit ihr zusammenzuarbeiten, um die Zukunft des Unternehmens gemeinsam mit denjenigen zu gestalten, die am meisten an seinen Services hängen. Einige dieser Müdda sind TWTR-Aktionäre und haben bereits zugesagt, ihr Anliegen durch die Übertragung ihrer Stimmrechte zu unterstützen, damit der Aufkauf durch ein Großunternehmen verhindert und eine bessere Lösung gefunden werden kann.

Twitter, erinnerst Du Dich noch, wie alles anfing? Niemand glaubte, dass 140 Zeichen jemals etwas Bedeutsames bewirken könnten. Doch schau Dir an, was Deine Mudda seitdem mit Dir geschafft hat. Macht doch wieder etwas Erstaunliches. Let’s do this!

(Ich habe natürlich trotzdem unterschrieben.)

Nachschlag

Stand heute 04.11.2016 haben auf actionnetwork.org/ „1,548 Signatures Collected“. Lief nicht so richtig, weshalb die Initiative einfach eine Zweitpetition auf change.org gelauncht hat. Binnen kurzer Zeit sind dort „1.513 Unterstützer/innen“ aufgelaufen. Sicher auch, weil man Anti-WallStreet in die Headline gepackt hat – zieht immer. Inwieweit sich da die Unterzeichner doppeln, weiß natürlich kein Mensch. Die zweite Petition habe ich (bislang) nicht unterschrieben.

zu faul

Und überhaupt sind Satireaccounts auf Twitter sooo 2012, Bots sind so 2015. Zusammen hätten sie diesen Monat vielleicht noch eine Chance, aber: siehe Überschrift. Ich habe einfach zuwenig Ahnung davon bzw. keine Motivation dazu. Wenn also jemand die Idee umsetzen möchte, bitteschön:

@BILDdirdeineMudda

. . . ist als Twitterhandle leider zwei Buchstaben zu lang, macht wohl aber schnell klar, worauf ich hinauswill. Der Account würde sich die Schlagzeilen der BLÖD ziehen, einen Namen oder ein Substantiv daraus durch „Deine Mudda“ ersetzen und das dann automatisch tweeten. Zur Inspiration noch ein paar manuell generierte Headline-Mashups von heute:

    – Syrer (16) wurde von Deiner Mudda ferngesteuert
    – Studie: Jeder 3. findet, Deine Mudda ist selber schuld
    – Pirat fuhr Deine Mudda mit Sackkarre durch Berlin
    – Das verdient Deine Mudda an jedem iPhone (Oder besser: Das verdient Apple an Deiner Mudda?)
    – Deine Mudda gefährdet sozialen Frieden im Osten

Falls Ihr das auch nur halbwegs lustig findet und Euch der Ehrgeiz packt, wäre das hier vielleicht ein Startpunkt. Ich selbst habe seit Wochen den Dash-Button zuhause liegen, aber selbstverständlich noch am Stück, nicht gehackt.