State of the Unionizing

Während Tech-Unternehmen im großen Stil daran „arbeiten“, Gewerkschaften zu umgehen oder ihnen gleich den Garaus zu machen, gibt es aus recht unerwarteten Ecken plötzlich Bestrebungen, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Im Falle von YouTube etwa nicht ganz unproblematisch. Aber auch bei den ProGamern gibt es vermehrt Versuche in diese Richtung.

Sorry.

Derweil wollen die Bemühungen eingesessener Gewerkschaften wie ver.di oder IG Metall um mehr Einfluß bei Startups und New Work nicht so recht fruchten.

start-down ideas

1. MODE

Die Lappen zum Anzünden von Molotow-Cocktails, aber in chic. Gab es bestimmt schon vor Jahren als pseudo-subversive Photostrecke in der Vice or whatever, schön Seidentücher von Hermes und Burberry-Schals gefeatured. Stimmt’s?

Egal – also einen Online-Shop eröffnen, der diese Lappen in stylish verkauft. Mit wirklich guten Designs bedruckt, den Stoff jedoch nicht nach Tragekomfort und Hautverträglichkeit auswählen, sondern nach Brennwert. Dabei alles fair und nachhaltig produzieren, CO2neutraler Versand und so, ganz wichtig. Der Shop selbst muß aber auch was hermachen, klar.

2. DROGE

Den Karren gar nicht schnell genug vor die Wand fahren können. Accelerationism uber alles. Ausgangsidee: Kokain wirkt einfach zu langsam. Eine Firma gründen, die versucht, schnelleres Koks auf den Markt zu bringen. Die quälend langen Sekunden zwischen Schniefen und Einsetzen des Kicks verkürzen. Das muß instantan gehen, wie beim Spritzen. Laborarbeit sponsern, Lobbyarbeit, der ganze Scheiß – voll auf die provokative PR-Schiene setzen.

Rettungsunfallschirm

Die Nachricht, daß ein chinesisches Regenschirm-Sharing-Startup binnen Wochen nahezu sämtlicher seiner 300.000 Schirme verlustig gegangen ist, hat ja schon vor einigen Wochen die Runde gemacht.

Ich wollte hier nur mal kurz festhalten, daß ich mich seit Jahren mit der Idee für ein ähnliches System rumschleppe. Nur, daß es werbefinanziert funktionieren würde. Der Regenschirmstoff wäre also gebrandet, die Schirme somit eine Art Giveaway. Ausleih-, okay: Mitnahme-Stationen an Bahnhöfen und großen Haltestellen. Irgendwann hätten die Leute wohl genug Werbeschirme zu Hause, daß sie vielleicht auch mal den einen oder anderen wieder in die – ebenfalls mit Werbung zugepflasterte – Station zurücklegen würden. Deren Stoff könnte man dann wieder mit neuen Kunden-Designs bedrucken. Und so weiter.

Genau durchgerechnet habe ich das natürlich nie. Und noch nicht einmal damit angefangen, einen Businessplan dafür zu schreiben. Und das werde ich wohl auch nicht.

1 Frage der Technik

The bro C.E.O. does what you’d expect an immature young man to do when you give him lots of money and surround him with fawning admirers — he creates a culture built on reckless spending and excessive partying, where bad behavior is not just tolerated but even encouraged.

Jerks and the Start-Ups They Ruin – The New York Times stellt fest, daß Machokultur jetzt nicht so die beste die Art der Unternehmensführung ist. Und nicht etwa, weil es damit kein Alleinstellungsmerkmal gibt.

Ein weiterer Artikel der New York Times schreibt unter der Überschrift How White House Echoes Tech:

The Trump campaign intended to remain sparse and decentralized. Borrowing a Silicon Valley mantra from Facebook, he told his shocked listeners that “your job is to move fast and break things,” according to a person who was present. “Figure out what needs doing, and then just do it. Don’t wait for permission.”

Ein und eins zusammengezählt: Peter Thiel und Elon Musk gefällt das.

Mr. Trump is, in many ways, the first genuine Silicon Valley start-up candidate and president. But is it a good or a bad thing if Mr. Trump becomes the first political unicorn?

Nicht zuletzt, weil auch nach dem Amtsantritt Trumps viel Kommunikation über Social-Media läuft, bemerkt die Washington Post: „In many ways, the first weeks of the Trump White House have resembled a chaotic tech start-up.“

Mathias Richel bescheinigt in einem Gastkommentar auf capital.de, „Trumps Twitter-Manie zerstörerische Wirkung auf die frei Meinungsbildung (…) Aus Marketingsicht könnte man also sagen, dass er alles richtig macht.“ Möge sich Richels Hoffnung auf eine wehrhafte Demokratie bewahrheiten.

Seiner Intrepretation der seit einiger Zeit wieder steigenden Auflagenzahlen als Rückkehr des Qualitätsjournalismus „vielleicht stärker als jemals“ kann ich nicht ganz so zustimmen. Natürlich bringen rechte Aufreger Quote. Und was ich weiß ist, die zum Glück sinkenden Umfragewerte der AfD haben wohl unterschiedliche Ursachen – aber ihre Dauerauftritte in deutschen TV-Talkshows stehen da sehr weit unten auf der Liste. Wenn sie nicht sogar kontraproduktiv sind.