Quitter

Der @assbach hat mir diesen Link in die Timeline getwittert: Here’s why people actually delete social media. Alles irgendwie nachvollziehbar, was die Leute bei Mashable da so für Gründe anführen. Das tollste Zitat musste ich auch gleich als Reply zurückschicken.

Es gibt allerdings noch Argumente, die in dem Artikel unerwähnt bleiben:

  • So können sie besser ignorieren, was ihre „echten Freunde“ für homophobe, rassistische und misogyne Typen sind.
  • Sie können die klischeetriefenden Stockphotos aus den Previews der überall verlinkten Artikel nicht mehr ertragen.

Ich selbst bin nun schon seit mehr als anderthalb Jahren bei Instagram raus. Zuviel Werbung und das Ende der chronologischen Timeline waren damals die Gründe. Und bei Facebook spiele ich hin und wieder mit dem Gedanken, zumindest die App vom iPhone zu löschen. Bisher hat es allerdings nur mit dem Verschieben auf einen der hinteren Homescreens geklappt. In Verbindung mit dem Abstellen sämtlicher FB-Notifications reicht das aber eigentlich auch.

„LinkedIn, for people who don’t blanch at using network as verb.“

Drei Zitate aus Tara Isabella Burtons Artikel Cover Stories:

Public-facing social media tends to be geared toward IRL friends, as with Facebook, or toward strangers we would like to be connected to for professional reasons — Twitter, for journalists; Instagram, for would-be bloggers and influencers; LinkedIn, for people who don’t blanch at using network as verb. On these platforms, strategic personal branding in images and slogan-like bursts of text took over from baroquely constructed bildungsromans.

But the intrusion of wider market forces — the capitalist appropriation of personal self-expression as a vehicle to sell oneself as product — has also rendered the story we tell about ourselves online less unfiltered, less governed by our wants and more by how we want (and perhaps even financially need) others to see (and hire, and like) us. The part of our online performances that serve as a résumé can seem inseparable from the parts that are expressive or aspirational.

Das von Snapchat finanzierte (und hier schon des Öfteren erwähnte) Online Magazin, auf dem der Artikel erschienen ist, heißt ausgerechnet — Real Life.

The irony that is so necessary to my “personal brand,” the half-intentional dissonance that comes when contrasting my Facebook photos of drunken outings with the articles I post on LinkedIn, is at once freeing and disarming: The more I am able to be myself through the refractions and juxtapositions that online presence across platforms affords us, the less I feel I can safely mean what I say.

Wobei die gewonnene Erkenntnis jetzt nicht allzu neu ist. (Also vielleicht doch besser gleich kellnern gehen.)

’sch weiß

Vorgestern machte zu meinem Erstaunen dieses Stück die Runde: Trial Balloon for a Coup? Ein ziemlich wirres Zusammengeschreibsel aus Vermutungen und Möglichkeiten mit ziemlich vielen hätte, wäre, könnte drin. Gestern dann haben zwei Texte mein Unwohlsein damit bestätigt. Zum einen Weak and Incompetent Leaders act like Strong Leaders von Tom Pepinsky, der Yonatan Zungers Theorie einfach dadurch relativiert, wie es auch sein könnte. Und seine Sicht der Dinge klingt um einiges plausibler.

Der andere Text geht ins Grundsätzliche, Torsten Kleinz‘ Citation needed. Die von ihm erwähnte photoshopvergrößerte Hoaxhand ist nur ein Beispiel von in letzter Zeit gehäuft vielen. Leute, die sich bis vor zwei Monaten noch köstlich über Verschwörungstheoretiker amüsiert haben, retweeten nun fröhlich drauflos, wenn es nur stimmig genug ihren Weltbildschirm passt.

Das täglich in sozialen Medien zu beobachtende Gruppendenken und die damit verbundene Mob-Mentalität sind nicht mehr zu ertragen. Es spielt dabei keine große Rolle, ob die Intentionen „gut” sein mögen, oder ob es sich um böswillige Zusammenrottungen von Fanatikern und Trollen handelt. Die Effekte sind immer problematisch, weil sie Differenzierungen unmöglich machen.

Schreibt Martin Weigert in seinem Abgesang Social Media: * 2006, † 2016. Allerdings nicht gleich problematisch, so wie Hillary nicht genauso schlimm wie Trump gewesen wäre. (Und seine „nüchterne Kosten-Nutzen-Kalkulation“ sozialer Kontakte ist natürlich schlimmste Networking-Ökonomie-Denke.)

Wohl nur ein kurzzeitiger Erfolg: Wie Verschwörungstheoretiker die Google-Suche manipulieren.

Letztens gab es doch so einen Aufruhr, daß die jungen Menschen nicht mehr zwischen echten Suchergebnissen und GoogleAds, zwischen redaktionellem Inhalt und Content Marketing unterscheiden – die Studie(n) sagt/en „können“, ich bin eher für „wollen“. Nun heißt es auf Futurezone Jugendliche tun sich schwer, Fake News im Netz zu erkennen. Und das wird wohl in Zukunft nicht besser, wenn ich mir Trumps wissenschaftliche Streichliste ansehe oder andere Entwicklungen im US-Bildungssektor wie Betsy DeVos‘ approval as secretary of education sparks debate over future of education und Jerry Falwell Jr. Asked to Lead Trump Higher Education Task Force.

Vielleicht sollte man die ganze Böhmermann/Varoufakis-Sache im Lichte der letzten Zeit noch einmal durchdenken. Aktuellen Anlaß könnte auch Möchtegern-Breitbart Matthias Matussek liefern.

Social & Media

Socialmedia oder Social und Media ist als Interjektion ein redensartlicher Ausruf, der ursprünglich der mittelalterlichen Gerichtspraxis entstammt. Er steht für den dringenden oder lauten Ruf nach Hilfe.

Etymologie

Das Wort „Social“ ist vermutlich durch eine Zusammenziehung der Wörter „ze æchte her“ („herbei zur Vergeltung“) entstanden; der Rufer verpflichtete damit seine Mitbürger zur Mithilfe. „Media“ ist ein Hilfeschrei, der aus dem Wort Mord abgeleitet ist und wird in diesem – modern allerdings abgeschwächten – Sinne vermutlich seit dem 19. Jahrhundert verwendet. Für das alemannisch-rheinische Sprachgebiet ist diese Redewendung mit „Socialmedia“ belegt, im niederdeutschen entspricht ihm „to jodute“, im hessischen „heila“ und im fränkisch-oberdeutschen Bereich „wapen“ („Waffen!“ oder „zu den Waffen!“).

Der Ausruf „Social“ als Ruf nach den Nachbarn ist beispielsweise bei Hans Sachs als „soccial, waffen, helfft retten mich/ihr lieben nachtbawrn!“ zu finden.

Verwendung in Gerichtsprozessen des Mittelalters

In den Gerichtsprozessen des Mittelalters rief der Ankläger formal „Social(media)“ zu Beginn der Gerichtsverhandlung. Im Sachsenspiegel, einem Rechtsbuch aus dem 13. Jahrhundert, heißt es: „so fure en vor den richter und schry obir den schuldigen szocial obir mynen media und ober des landes media, ader wy der bruch geschen (sinngemäß etwa: „so führe ihn vor den Richter und rufe über den Schuldigen „social“ über meinen (d. h. des Anklägers) Missetäter und über den Landesverbrecher, oder wie der [Rechts-]Bruch geschehen“).

Verwendung als allgemeiner Schmerzensausruf

Der Begriff hat auch außerhalb der gerichtlichen Praxis eine Bedeutung als eher allgemeiner Schmerzensruf und wird in diesem Fall gern mit den Ausrufen „Weh“ oder „Ach“ verbunden. So zum Beispiel in „sozial ach/wo sal ich blyben“ (sinngemäß: „Ohje, wo soll ich hingehen“).

(Quelle)