so ganz pauschal

Amateur-Tipp: Wenn Ihr unter Eure Touri-Instas noch Hashtags wie #travellerbyheart oder #traveladdict klischiert, dann wirkt Ihr nicht wie ein weltgewandter jetsetting Globetrotter, sondern wie der Inbegriff eines langweiligen Alltagsspießers, der für ein paar Wochen im Jahr versucht, seinem armseligen Angestelltenleben zu entfliehen.

tl;dr: Reisen ≠ Hobby ≠ Beruf

„LinkedIn, for people who don’t blanch at using network as verb.“

Drei Zitate aus Tara Isabella Burtons Artikel Cover Stories:

Public-facing social media tends to be geared toward IRL friends, as with Facebook, or toward strangers we would like to be connected to for professional reasons — Twitter, for journalists; Instagram, for would-be bloggers and influencers; LinkedIn, for people who don’t blanch at using network as verb. On these platforms, strategic personal branding in images and slogan-like bursts of text took over from baroquely constructed bildungsromans.

But the intrusion of wider market forces — the capitalist appropriation of personal self-expression as a vehicle to sell oneself as product — has also rendered the story we tell about ourselves online less unfiltered, less governed by our wants and more by how we want (and perhaps even financially need) others to see (and hire, and like) us. The part of our online performances that serve as a résumé can seem inseparable from the parts that are expressive or aspirational.

Das von Snapchat finanzierte (und hier schon des Öfteren erwähnte) Online Magazin, auf dem der Artikel erschienen ist, heißt ausgerechnet — Real Life.

The irony that is so necessary to my “personal brand,” the half-intentional dissonance that comes when contrasting my Facebook photos of drunken outings with the articles I post on LinkedIn, is at once freeing and disarming: The more I am able to be myself through the refractions and juxtapositions that online presence across platforms affords us, the less I feel I can safely mean what I say.

Wobei die gewonnene Erkenntnis jetzt nicht allzu neu ist. (Also vielleicht doch besser gleich kellnern gehen.)

’sch weiß

Vorgestern machte zu meinem Erstaunen dieses Stück die Runde: Trial Balloon for a Coup? Ein ziemlich wirres Zusammengeschreibsel aus Vermutungen und Möglichkeiten mit ziemlich vielen hätte, wäre, könnte drin. Gestern dann haben zwei Texte mein Unwohlsein damit bestätigt. Zum einen Weak and Incompetent Leaders act like Strong Leaders von Tom Pepinsky, der Yonatan Zungers Theorie einfach dadurch relativiert, wie es auch sein könnte. Und seine Sicht der Dinge klingt um einiges plausibler.

Der andere Text geht ins Grundsätzliche, Torsten Kleinz‘ Citation needed. Die von ihm erwähnte photoshopvergrößerte Hoaxhand ist nur ein Beispiel von in letzter Zeit gehäuft vielen. Leute, die sich bis vor zwei Monaten noch köstlich über Verschwörungstheoretiker amüsiert haben, retweeten nun fröhlich drauflos, wenn es nur stimmig genug ihren Weltbildschirm passt.

Das täglich in sozialen Medien zu beobachtende Gruppendenken und die damit verbundene Mob-Mentalität sind nicht mehr zu ertragen. Es spielt dabei keine große Rolle, ob die Intentionen „gut” sein mögen, oder ob es sich um böswillige Zusammenrottungen von Fanatikern und Trollen handelt. Die Effekte sind immer problematisch, weil sie Differenzierungen unmöglich machen.

Schreibt Martin Weigert in seinem Abgesang Social Media: * 2006, † 2016. Allerdings nicht gleich problematisch, so wie Hillary nicht genauso schlimm wie Trump gewesen wäre. (Und seine „nüchterne Kosten-Nutzen-Kalkulation“ sozialer Kontakte ist natürlich schlimmste Networking-Ökonomie-Denke.)

Wohl nur ein kurzzeitiger Erfolg: Wie Verschwörungstheoretiker die Google-Suche manipulieren.

Letztens gab es doch so einen Aufruhr, daß die jungen Menschen nicht mehr zwischen echten Suchergebnissen und GoogleAds, zwischen redaktionellem Inhalt und Content Marketing unterscheiden – die Studie(n) sagt/en „können“, ich bin eher für „wollen“. Nun heißt es auf Futurezone Jugendliche tun sich schwer, Fake News im Netz zu erkennen. Und das wird wohl in Zukunft nicht besser, wenn ich mir Trumps wissenschaftliche Streichliste ansehe oder andere Entwicklungen im US-Bildungssektor wie Betsy DeVos‘ approval as secretary of education sparks debate over future of education und Jerry Falwell Jr. Asked to Lead Trump Higher Education Task Force.

Vielleicht sollte man die ganze Böhmermann/Varoufakis-Sache im Lichte der letzten Zeit noch einmal durchdenken. Aktuellen Anlaß könnte auch Möchtegern-Breitbart Matthias Matussek liefern.

Social & Media

Socialmedia oder Social und Media ist als Interjektion ein redensartlicher Ausruf, der ursprünglich der mittelalterlichen Gerichtspraxis entstammt. Er steht für den dringenden oder lauten Ruf nach Hilfe.

Etymologie

Das Wort „Social“ ist vermutlich durch eine Zusammenziehung der Wörter „ze æchte her“ („herbei zur Vergeltung“) entstanden; der Rufer verpflichtete damit seine Mitbürger zur Mithilfe. „Media“ ist ein Hilfeschrei, der aus dem Wort Mord abgeleitet ist und wird in diesem – modern allerdings abgeschwächten – Sinne vermutlich seit dem 19. Jahrhundert verwendet. Für das alemannisch-rheinische Sprachgebiet ist diese Redewendung mit „Socialmedia“ belegt, im niederdeutschen entspricht ihm „to jodute“, im hessischen „heila“ und im fränkisch-oberdeutschen Bereich „wapen“ („Waffen!“ oder „zu den Waffen!“).

Der Ausruf „Social“ als Ruf nach den Nachbarn ist beispielsweise bei Hans Sachs als „soccial, waffen, helfft retten mich/ihr lieben nachtbawrn!“ zu finden.

Verwendung in Gerichtsprozessen des Mittelalters

In den Gerichtsprozessen des Mittelalters rief der Ankläger formal „Social(media)“ zu Beginn der Gerichtsverhandlung. Im Sachsenspiegel, einem Rechtsbuch aus dem 13. Jahrhundert, heißt es: „so fure en vor den richter und schry obir den schuldigen szocial obir mynen media und ober des landes media, ader wy der bruch geschen (sinngemäß etwa: „so führe ihn vor den Richter und rufe über den Schuldigen „social“ über meinen (d. h. des Anklägers) Missetäter und über den Landesverbrecher, oder wie der [Rechts-]Bruch geschehen“).

Verwendung als allgemeiner Schmerzensausruf

Der Begriff hat auch außerhalb der gerichtlichen Praxis eine Bedeutung als eher allgemeiner Schmerzensruf und wird in diesem Fall gern mit den Ausrufen „Weh“ oder „Ach“ verbunden. So zum Beispiel in „sozial ach/wo sal ich blyben“ (sinngemäß: „Ohje, wo soll ich hingehen“).

(Quelle)

über strömend

Jahresende im Internet, Zeit der Prognosen und Vorhersagen. Genau so wird es nicht laufen.

Das Buzzword “Social Media” verschwindet (was einige auch mit Erleichterung zu Kenntnis nehmen), denn die Kommunikation im Web ist nun etwas Alltägliches. Die ersten Telefone der Welt wurden bestaunt, heute nervt es nur noch, wenn es besetzt ist. Der frühe Zauber der Netzwerktechnologie ist verflogen, in den Vordergrund ist der tatsächliche Nutzen gerückt. Es ist normal sich mitzuteilen. In 2014 wird diese Selbstverständlichkeit so weit zugenommen haben, dass wir uns wundern, wenn der Kumpel nach dem grauenhaften Italiener-Besuch keinen Yelp-Rant von der Stange lässt.

So sieht dann wohl doch eher die Gegenwart aus, wie Webevangelikale sie gerne hätten. Bzw. ihren Kunden gerne verkaufen. Wobei das negative Rantbeispiel am Ende des Zitats natürlich nicht zur Abschreckung dienen soll, sondern eine zwingende Aufforderung an kuscheligere Unternehmenskommunikation 2.0 darstellt. Ein Drohszenario, das allerdings immer weniger zu verfangen droht. Der Effekt unablässiger Empörungsabnutzung ist dafür einfach schon zu augenfällig.

Da kann die Problematik noch und nöcher als Filtereinstellungssache abgetan werden. Bei aller überbehaupteten -souveränität: Filterblase bleibt Blase. Auf Twitter sowieso, da scheint die Diskrepanz zwischen Netzgemeinde und RealLife am klaffendsten.

Don’t call it Social Müdia! // Dieser Tage sind die Abgesänge auf Facebook Legion. Entweder in form von noch zu Lebzeiten veröffentlichter Nachrufe oder ganz persönlichem Abgang. Dafür werden einem verschiedene Gründe angeboten, wobei dann noch darüber gestritten werden kann, was Ursache und was Wirkung ist.

The amount of sharing that Facebook is trying to cram through its News Feed is now starting to turn into a problem for Facebook, argues freelance analyst Benedict Evans.

Kehren die User Facebook den Rücken, weil es zu groß und unübersichtlich geworden ist? Oder ist die seit Jahren allein seligversprochene Timeline doch nicht der Weisheit letzer Schluß, der Newsfeed generell vielleicht doch nicht der heilige Gral der Onlinekommunikation? Warum wenden sich gerade Jüngere vom Social Network Nummer eins ab und Messenger-Plattformen neuerer Generation wie WhatsApp und Snapchat zu?

Weil es allgemein als uncool wahrgenommen wird? Weil kein Teenager gerne eine Party mit seinen Eltern feiert? Oder wird am Ende doch nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird? Kein Wachstum ist in der Wirtschaftswelt zwar so gut wie tot. Im Ansehen ganz normaler Menschen aber einfach nur gesättigt. Und womöglich hält sich das pseudomessianische Sendungsbewußtsein des Mainstreams doch in Grenzen. Und das ist nicht die Rückkehr des passiven Medienkonsums – der war nämlich nie weg, nur hat er seine Form geändert.

Und am Ende weiß man doch nicht, was kommt. Und das liegt nicht am unsäglichen Trend zum endless scrolling.