gleich & gleich

Stylebook widmet dem veränderten Look der Bachelor-Siegerin 2015 einen ganzen Artikel. Wobei dieser – wie bei gefühlten 90 % aller Stylebook-Postings – mindestens zur Hälfte aus eingebetteten Instagrams besteht, zwischen den es drei Absätzchen zu texten gilt. So wie diesen hier:

Auch die ehemalige Teilnehmerin der RTL-Kuppelshow ist längst auf den Contouring Trend aufgesprungen, den besonders Kim Kardashian (36) etablierte. Dabei modelliert man optisch durch dunkles Puder oder Cremes das Gesicht, etwa an den Wangenknochen oder der Stirn. Diesen Effekt mögen leider auch die meisten der Blogger- und YouTube-Stars, was zu leichten Verwechslungen führen kann. Influencer Pamela Reif (20) oder Kim Gloss (24) könnten Zwillinge von Liz Kaeber sein.

„Leider“? Wohl doch eher glücklicherweise. Denn wie wäre zwei Tage später Friederike Ostermeyer sonst auf die Idee für „Beauty-Klone: Warum sehen deutsche Instagram-Stars alle gleich aus?“ gekommen, wenn nicht durch diesen Gedanken ihrer Kollegin Daniela Garrasi?

Drei Wochen später ist diese Erkenntnis dann auch in Österreich angekommen. Christina Michlits schreibt über „Bloggerinnen: Warum seht ihr alle so gleich aus? Vicky Heiler, Caro Daur, NovaLanaLove“ hielten es allerdings nicht nur bei Haaren, Make-up und Klamotten so, auch ihre Inneneinrichtungen glichen sich auffallend. Dem Kurier fällt sogar auf, daß viele sogar einen „Einheitsbrei“ zu sich nähmen. (Als Antwort kann ich mal wieder diesen Guardian-Artikel unter der Hutschnur hervorziehen.

Mehr (und hoffentlich etwas grundsätzlicher) zu diesem geselligen Thema demnächst hier auf dem Kanal… Aber bis dahin:

Im Kölner Stadt-Anzeiger die viralste aller Kurzmeldungen dieser Woche gelesen. Experte warnt: Immer mehr Kopfläuse durch Selfies bei Teenagern.

ichanschauung

Passend zu letztem Monat ein lesenswerter, wenn auch relativ trockener Text von Robert Sakrowski über Identität und Soziale Netzwerke im SCHIRN MAG.

 Die Veröffentlichung der permanenten Selbstreflexion, der ununterbrochenen Dokumentation von Ereignissen, erschafft durch das Teilen im Sozialen Netzwerk eine Form der Zeugenschaft, die die eigene Präsenz und Existenz in der Welt beglaubigen soll. Der eigentliche Event, das Dokumentierte bzw. der Inhalt spielt dabei keine wirkliche Rolle. Das Ereignis ist austauschbar, einzig als Medium oder Dokument bedeutsam für die im Teilen angestrebte Zeugenschaft.

Der ganze Artikel, mehr noch als das hier herausgegriffene Zitat, verdeutlicht auch sehr gut, warum die jeweilige Plattform als Thema überall besonders reizend funktioniert, also Klatsch über Mark Zuckerberg auf Facebook ein Selbstläufer ist oder über die Fehler von Ello genau dort am hitzigsten diskutiert wird worden ist.

Aber ich schweife ab – typisch Blog. Nicht direkt zum anfangs erwähnten Sakrowski-Text, aber im weiteren Sinne dazu passend drei weitere Lektüren:
Twitter-Dämmerung? Spekulationen über Share-Count-API
Mark Twain: Überlegungen zur Kunst der Onanie
Für die Entwicklung von Kindern ist das Sammeln von Bedeutung

Selbstbildungsbürgertum

Nun ist die Große ein Teenie und wie die so sind, machen sie eine Tonne Selfies pro Tag. Ungelogin, eine Tonne. Ändern ihr Profilbild bei WhatsApp mindest dreimal täglich. Und was macht der Kleine? Nimmt sich das zum Vorbild und den Handspiegel und übt sich im Posen, mit Peacezeichen und allem. So daß ich kurz davor bin, dem Handspiegel mit Edding vorne einen Homebutton und hinten einen Apfel aufzumalen.

Wo wir gerade beim Thema sind:

The Oatmeal fragt: Should you buy a selfie stick? Und die Antwort lautet vielleicht ja, wenn Du die Zukunft des Journalismus verkörpern möchtest. Oder auch nicht.

Google Glass ist jedenfalls tot.

Kunst kommt von können. Und weil letztens Museum-Selfie-Tag war, hier ein Zitat von Hans Ulrich Gumbrecht, der sich ein paar lesenswerte Gedanken zum Thema gemacht hat.

Neben dieser unterschwelligen Transformation des Verhältnisses zur Vergangenheit, deren Folgen wir noch nicht abschätzen können, markieren die Selfies speziell eine technologisch erneuerte – und sozusagen “verschärfte” — Version jener Momente, wo Weltwahrnehmung auf die Perspektive und Modalität von Selbstreflexivität umschaltet, das heißt: auf “Beobachtung zweiter Ordnung” (wie Niklas Luhmann gesagt hätte), eben auf Selbstwahrnehmung im Akt der Weltwahrnehmung.

Sich über Selfies lustig machen ist leicht. Aber lieber erst einmal an die eigene Nase fassen. Denn eigentlich sind Selfies Sport

Sonst noch was? Ja: Surprise is the new duckface.

Pest of Selfie

Das Time Magazine hat ein Selfie-Ranking mit Weltkarte erstellt. Demnach ist laut rp-online.de/ Düsseldorf die Selfie-Hauptstadt Deutschlands. Das kommt davon, wenn @karstenloh nur noch Frankfurt-Bilder knipst und nicht mehr sich selbst.

Wie 9to5mac.com/ berichtet, hat Apple in seinem Appstore eine eigene Selfie-Kategorie eingerichtet. Das ist doch sicher was für die #1 dieser Bildergalerie.

Im australischen Sydney geht man derweil andere Vermarktungswege. So ist auf augsburger-allgemeine.de/ über ein Hotel zu lesen, in welchem man einmal umsonst nächtigen kann, wenn man mehr als 10.000 Instagram-Follower aufzuweisen hat. Was der Herberge allerdings ganz klar fehlt, ist ein Restaurant mit Spiegeln an jedem Tisch, damit man sein Essen als Teil eines Selfies photographieren kann.

Fleischverhalten

Mehrere Studien sind also zu dem Schluß gekommen, daß eine bestimmte Weise der Facebook-Nutzung depressiv macht. In den Überschriften der Artikel dazu wird daraus natürlich „Facebook macht depressiv“, klar. Einige davon sind am Beginn dieses Posts auf slate.com/ verlinkt. Falls das jemanden interessiert. Eigentlich kommen die Studien lediglich zu dem wenig überraschenden Ergebnis, daß Stalking für die Psyche wenig förderlich ist – also derjenigen des Stalkers.

Das ist alles immer schön nutzerzentriert geschrieben, die Benutzten kommen dabei allenfalls am Rande vor. Schon klar, man kann nicht in jedem Text die ganze Welt erklären, aber was diese Hinterherspionage mit den Gestalkten anstellt, das wäre auch in diesem Fall eine Erwähnung wert. Worauf ich aber eigentlich hinauswollte: Der Slate-Post hat so eine interessante Überschrift und dann geht es da mit keinem Wort drum. Stattdessen wird nur behauptet, daß Instagram noch viel schlimmer sei als Facebook. Ein Unterschied zwischen Selfies und anderen Photos wird überhaupt nicht thematisiert.

Instagram kann jetzt Web Embeds.

Wozu da ein Faß aufmachen, wenn eh alles in einen Topf geschmissen wird? Jedes Bild ist eine Inszenierung, wissen wir doch. Ob wir nun selbst drauf sind, den Auslöser betätigt haben oder beides. Also zumindest dann, wenn wir es im Internet veröffentlichen. Überhaupt Worte.

Grober Schnitzer

DIY ist doch immer nich in – und wird als Trend auch so schnell nicht wieder verschwinden. Jeder ist sein eigener Authentischler. „Das Netz vergisst nichts“ klingt für viele mittlerweile wie eine Verheißung. Im Onlinezeitalter ist jede Form der Selbstdarstellung ein Absatz der eigenen Biographie.