Geld schießt doch Tore

Preise haben starke biodynamische Wirkungen – sie verändern den Geschmack eines Weines oder steigern die Performance eines Energy-Drinks. So sinkt etwa die kognitive Leistung von Testpersonen, die Red Bull im Sonderangebot gekauft haben. Mit anderen Worten: Ein hoher Preis kann den Nutzen steigern.

„Marketing ganz neu denken“: Wie der Ex-Henkel-Marketer Martin Andree die Werbung mit Placebo-Effekten pushen will.

Rauchen mindert Ihre Furchtbarkeit

Jemand fragt nach: „Peter, welcher Peter?“ Du befindest Dich in der Kindergarten-/Grundschulblase, wenn Du statt „Peter Meier“ ganz selbstverständlich „Der Vater von Jule“ antwortest. Und es kommt Dir noch nicht einmal seltsam vor, weil man ja nur noch für den Nachwuchs da ist. Wegen des Nachwuchses.
Kann denn nicht wenigstens einmal niemand an die Kinder denken?

Einer seiner Freunde fragte ihn, ob er sich manchmal sein Leben als Film vorstelle, und der Mensch bejahte. Auch das ist normal, das machen Menschen oft, völlig unabhängig davon, wie wenig spannend das eigene Leben gerade scheint. Makroaufnahmen von sich beim einkaufen, beim Fluchen, weil man sich wieder den kleinen Zeh angestoßen hat, beim googlen, ob dieser seltsame Schmerz im Oberschenkel nicht doch auf eine lebensgefährliche Krankheit hindeutet. Aber wie die meisten anderen, sah auch der Mensch sich immer in der Hauptrolle. Man selbst ist nie eine Nebenrolle, egal wie unbedeutend man sich vorkommen mag. Der Mensch ist des Menschen Mittelpunkt.

Ronja von Rönne weiß alles über Menschen.

Ossis sind die neuen Frauen

Zum und nach dem Mauerfall-Jubiläum jede Menge Ostversteher unterwegs. Denen sind jetzt zur Abwechslung in der Zeit mal die Leviten gelesen worden.

Man gewinnt den Eindruck, dass zwischen Berlin-Marzahn und Bitterfeld, Görlitz und Gardelegen posttraumatische Belastungsstörungen den Minderwertigkeitskomplex als schlimmstes Ostleiden abgelöst haben. Plötzlich hat jeder viel oder gar alles verloren.

Autorin Maren Hobrack ist damit auf einem guten Weg, die nächste Ronja von Rönne zu werden. Zumindest klingt mir der Nestbeschmutzer-Vorwürfelhusten schon in den Ohren.

Inzwischen wurden wohl schon alle Ostdeutschen mindestens dreimal zur Lage in ihrem Bundesland interviewt. Hätten ZDF, ARD und die Privaten jedem Ossi, den sie samt Funktionswetterjacke vor eine laufende Kamera zerrten, hundert Mark, äh, Euro in die Hand gedrückt – der ostdeutsche Rückstand in Sachen Kaufkraft wäre aufgeholt.
Wirklich jeder, der irgendwie ostdeutsch ist oder mal am Leipziger Hauptbahnhof stand, wird nun zum Experten für die ostdeutsche Seele. Viele Autoren können endlich, endlich eine Marke aus ihrem Ostdeutschsein machen. Hey ho, man nennt das Identitätspolitik.

Ach ja: Außerdem #TeamSchnibben.

Verspielte Muster

1) In der Spielewelt sind Skins mittlerweile Standard. Von Minecraft bis Fortnite kann man seinen Spielfiguren ein individuelleres Aussehen verleihen. Wobei „leihen“ das falsche Wort ist – viele Gamer lassen sich einen besonderen Look mittlerweile sogar etwas kosten:. Sie bezahlen mitunter für rare und coole Skins.
Jungs achten auch im Internet auf ihr aussehen.

2) Virtuelle Lookbooks haben eine lange Online-Tradition. Zwar hat das Flagschiff Polyvore letztes Jahr dichtgemacht, aber seinen Stil über die Wahl der Kleidung zur Schau zu stellen, ohne die Klamotten dafür kaufen zu müssen, ist und bleibt verlockend. Nur hat sich das User-Verhalten in Zeiten von Social Media eben geändert.
Mädchen reicht für Instagram ein Photo aus der Umkleidekabine.

3) eCommerce versucht bereits länger, das Kauferlebnis echter Geschäfte nachzuahmen. Brillen aufsetzen bei misterspex.de, jede Make-up-Marke hat mindestens eine Beauty-App und der heißeste Sneaker-Drop sold out ist, bleibt einem immerhin noch ein Screenshot.
Kunden kaufen halt immer noch ungern die Katze im Sackkleid.

4) Fast Fashion, nur mit weniger Müll: Digital Clothing ist das Ding der Stunde. Man schickt z.B. Carlings ein Bild von sich und die maßprogrammieren einem ein Kleidungsstück aus ihrer Kollektion direkt auf den abgebildeten Leib.

Das alles kommt immer mehr zusammen.

Man konnte damals schon in Second Life mit seinen Designs Geld verdienen. Es hat etwas gedauert, aber durch Mobile Gaming auf dem Smartphone ist das so langsam keine Nische mehr. Klares Anzeichen dafür: Die großen Luxus-Marken steigen jetzt ins Geschäft ein.

In China sind sie ja immer mindestens einen Schritt weiter. Dort ist Ada bereits auf dem Markt – nicht nur einem Avatar Klamotten anziehen können (für Credits), sondern diese auch real kaufen können. Wobei hier sogar die Kleiderständer mitverdienen. (Wir reden hier nicht über Amazons Speaker.)

“You’re not buying Alexa,” von Guttman says a little peevishly. “You’re engaging with her. Instead of dressing your avatar, you create an outfit for Alexa.” The way it works is that you can access their avatar (with the featured celebrity taking a rake, obviously), dress them up in whichever collection they’re fronting, and then take a virtual selfie with your newly hired virtual friend.

In Europa muß man sich derweil mit einer ähnlichen App namens Drest begnügen. Hier sind nicht so viele Marken mit an Bord und nach einigen Rumgespiele bin ich alles andere als überwältigt. Und das nicht, weil es in der App nur um Frauensachen geht.

Die UX ist dürftig, die Aufgaben sind manchmal unklar und die Bewertungen meistens random. Beim Look gingen die einzelnen Kleidungsstücke offenbar einem stimmigen Gesamtbild voraus. Und man ist schnell mit seinem Startkapital am Ende. Ob das reicht, um das „Haben Wollen“ in Gewinne umzumünzen? Für die App-Macher ist da hoffentlich mehr drin als ein paar Affiliate-Prozente von Farfetch.