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Ich bin ja wirklich kein Fan von Shawn Mendes, dafür wirkt seine Musik auf mich einfach zu Plastik. Trotzdem habe ich mir sein neues Video angesehen. Was natürlich an dem Thumbnail gelegen hat. Der Titel hat meine Vermutung dann bestätigt.

Das ist wirklich visuell ganz nett gemacht. Weil ich Lost in Translation (Trailer) ein paar Jahre nicht mehr gesehen habe, dachte ich anfangs sogar bei 2-3 Szenen, sie hätten den Sänger in den alten Film reingeschnitten. Aber nein, es ist alles neu gedreht. Und zwar mit so viel Liebe zum Detail Aufwand, daß ich gar nicht mehr richtig böse sein kann, daß sie einen meiner Lieblingsfilme als singulärinspireirte Bewegtbildtapete für einen schleimigen Popsong mißbrauchen.

Vielleicht schaue ich mir diese Mini-Doku von Casey Neistat über Mendes irgendwann doch noch an. Und nach mal Japan möchte ich sowieso lieber heute als morgen.

vereinfacht gesägt

„Populisten sind immer die anderen“, hat Ralf Dahrendorf mal gesagt. Der Satz wird nicht unwahrer, weil ich ihn bei irgendeiner TV-Talkshow aus dem Mund eines Erzkonservativen vernommen habe, dessen Name mir entfallen ist. Vielleicht ist es der unsägliche Tichy gewesen, ich weiß nicht mehr.

Als Reaktion (sic!) auf die Erfolge der Rechten von Trump bis Brexit werden jetzt hier und da vereinfachte Botschaften seitens der Linken bis Liberalen eingefordert. Emotionalisierung der Inhalte, Reduzierung der Komplexität, damit vernünftige Politik die Leute wieder erreicht. Ich weiß auch nicht.

„Kein richtiges Lasern im falschen.“

Dabei sieht man doch, was z.B. in der Musik mit guten Ideen passiert, wenn sie im Mainstream ankommen. Also im Musikgeschäft. Wie nah das in den meisten Fällen an der Pervertierung vorbeischrappt, kann man exemplarisch an Beyoncé ablesen, anläßlich deren letzter Superbowl-Performance Seph Rodney schrieb:

So Che gets reduced to a poster, the renegade figure of Malcolm X to a choreographed arrangement, the struggles against AIDS to a song, and concerted, protracted protest to a hand signal for peace. This is what pop culture does.

Und wenn man der Spex glauben mag, scheint es auch beim neuem Album von Alicia Keys mißglückt zu sein. In der Review zu Here heißt es „ein gutgemeinter, aber öder Ritt entlang der Oberfläche, der allzu oft mit faden empowerment-Hülsen aufwartet“.

Siehe auch Tom Holerts Aufsatz zu Lecture Performance in Pop. Kultur & Kritik, Heft 9 2016, S. 64-68. Auch er kann die Einwände Diedrich Diederichsens und andere Kritiker gegen die VerTEDtalkisierung wissenschaftlicher Vorträge höchstens relativieren, aber nicht vollständig entkräften.

Die URL ist noch frei. Fast tut sie mir ja ein wenig leid, so wie nun von allen Seiten auf die Charta eingeprügelt wird.

Mehr bekommt derzeit wohl nur dieser Bombentext zu Big Data ab, exemplarisch aufgeführt seien hier mal WDR und Spiegel. Wie sie alle seit Wochen Fake News verteufeln und dann selbst (wer recherchiert und hinterfragt schon gerne am Wochenende) den ohne Beweise und lediglich auf Behauptungen einer Person beruhenden Schweizer Magazinartikel weiterverbreiten, das grenzt schon an Selbstdemontage. Selbst. Dämon. Tage. Montagsdemo.

„Wir sind das Klickvolk!“

Wir haben diesen einen Autoaufkleber immer noch nicht angebracht.

Diese Stelle in Faserland, wo ein Freund dem Protagonisten erklärt, Markenshirts wären die letzte Provokation. Also einfach T-shirts mit den Logos bekannter Marken drauf, keine ironische Verfremdung, kein Witz. Hat mich immer an die Besprechungen in Der Freund damals erinnert. Die haben noch das dämlichste Buch damals schlicht nacherzählt, das sind keine Rezensionen oder Kritiken gewesen. Allerhöchstens zwischen den Zeilen konnte man da schlau draus werden – und am Ende stand immer: »Der Freund empfiehlt XY uneingeschränkt.«

hebbel

Antwort heute: übertrieben affirmative Blogartikel. Einfach alles in den Himmel loben, ohne Geld dafür zu verlangen. Nur damit die ganzen Schranzen mal blöd aus ihrer gesponsorten Wäsche gucken. Können sich schleichen. Diese ganze Professionalisierungsscheiße hat die Blogosphäre doch erst zum Einsturz gebracht.

Mr. Anderson

Kleiner Servicepost für die Leser des fünften Heftes von »Pop. Kultur und Kritik«. Falls Sie dort auf den Seiten 52-56 den Artikel Werbe-Stil von Dietmar Kammerer gelesen haben, dann finden Sie untenstehend sämtliche TV-Commercials, auf die sich der Text bezieht.

Sollten Sie diesen Artikel nicht gelesen haben, können Sie sich die in der Mehrzahl recht unterhaltsamen Werbespots des Regisseurs Wes Anderson selbstverständlich trotzdem anschauen.

Ich habe keine Ahnung, ob die Spots chronologisch geordnet sind oder sonst einer systematischen Anordnung folgen. Ich habe sie hier einfach so aufgereiht, wie sie im Text vorkommen.

Und bitte, die mangelnde Qualität einiger der Clips zu entschuldigen. Ich habe sie wirklich nur eben hektisch in der Mittagspause zusammengegooglet. (Falls jemand bessere Exemplare findet: gerne als Hinweislink in den Kommentaren.)

Was soll ich zu Kammerers Artikel schreiben, wenn selbiger nicht zur Lektüre online steht? Er bedient sich für theoretische Überlegungen zum Thema Werbung einzig bei Roland Barthes.

Nur eine kurze Anmerkung: Ob man als Auftragsarbeiter ohne erkennbar eigene Handschrift wirklich schlechter im Werbegeschäft ist, möchte ich zumindest bezweifeln.

Der Spot mit Robert De Niro ist immerhin von Martin Scorsese inszeniert worden. Die Credits für den mit Kate Winslet finden sich hier. Beide können kaum mit Andersons Werk mithalten.

Ich habe die TVCs auch in einer Playlist zusammengefasst, damit man sie sich am Stück ansehen kann. Darin enthalten sind allerdings nicht diese Zugaben:
Wes Anderson’s Stop-Motion Sony Xperia™ TV Ad – „Made of Imagination“ – YouTube
Wes Anderson: SoftBank Commercial with Brad Pitt – YouTube
Wes Anderson and Roman Coppola’s Stella Artois Commercial – YouTube
American Express M. Night Shyamalan (My Life, My Card) – YouTube
American Express – My Life. My Card. Ken Watanabe – YouTube

Wortspielchen, Treibereien

Letzten Donnerstag also Unfun. Der Autor liest nicht selbst, er läßt lesen. Verständlich, denn auch wenn der Laden rappelvoll ist, so sind doch wohl die wenigsten im Publikum der norwegischen Sprache mächtig. Das ist okay, weil seine Vertretung nicht nur charmant vorträgt. Nach einer kurzen Einführung geht’s los.

Ich bin vorher noch nie im King Georg nahe des Ebertplatzes gewesen, aber die laut Eigenbezeichnung „Klubbar“ kommtt mir auf Anhieb gelegen. Im Kelleretablissement nimmt der riesige, freistehende Rundumtresen den Großteil des Raumes ein, dahinter gruppieren sich nur noch eine handvoll Tische um eine kleine Fläche, die wochenends wohl die Tanz- darstellen soll. Es darf geraucht werden.

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Die Lesung selbst ist kurz, vielleicht eine halbe Stunde Textausschnitte, welche mit angemessenem Applaus quittiert wird. Dann kommt der Einführer wieder auf die improvisierte Minibühne, ein zweiter Stuhl dazu und Auftritt Matias Faldbakken. Das Interview läuft dann in Englisch. Der berühmte Sohn kommt zweifelsohne ziemlich sympathisch rüber. Allerdings blitz zwischen all der zur Schau gestellten Abgeklärtheit das ein oder andere Mal erschreckend Unreflektiertes durch.
Aber was soll’s sagt man sich, wir sind ja nicht von der hermeneutischen Truppe, freuen uns aber doch irgendwie, als die anschließenden Publikumsfragen dann so banal werden, daß man nach mittlerweile so einigen Bieren getrost die Toilette aufsuchen kann, ohne etwas zu verpassen. Dann geht es weiter mit Schnaps und Solalamusik.

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Der deutsche Sportartikelhersteller Adidas hat vor ein paar Wochen urbanartguide.com/ gelauncht. Was man von diesem Selbstanwurf bezüglich (whole train!) Street Credibility zu halten hat, schreibt spiegel.de/.

Hier noch ein Text über Vornamen von Sufjan Stevens auf dem Blog seines Labels asthmatickitty.com/, am Ende gibt es noch ein kurzes Liedchen über/an (?) Sofia Coppola. (via @malomalo)

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Geht’s noch, Grüne?

Letzte Frage:
Was ist nur aus der gutenalten Pop-Literatur geworden?