Wem steht es besser?

Auf bildliche Unterstützung zur Beantwortung dieser Frage habe ich bewußt verzichtet, denn sonst wäre ich womöglich in die Verlegenheit gekommen, auch nur eine der abgebildeten Personen als „links“ bezeichnen zu müssen. Stattdessen also nur die beiden Headline-Links untereinander; nicht zu Artikeln in Modemagazinen wohlgemerkt, sondern der FAZ:

Hannelore Kraft soll Aufsichtsrätin bei Steinkohlekonzern RAG werden

oder

Torsten Albig wird Lobbyist für die DHL in Brüssel

Wie muß man sich das bei der SPD eigentlich vorstellen? Beruft da jemand in der Kommunikationsabteilung ein Meeting ein und dann brainstormen alle, wie man den Markenkern der Partei stärken könne? Briefing:

Auf die Frage „Wer hat uns verraten?“ darf es nur eine Antwort geben!

Neu denken äh wählen oder noch nicht

Für jemanden, dessen Namen FDPiger nicht klingen könnte, war das sofort auf den Punkt gebracht. Deshalb hier noch einmal als schlecht gemachte Grafik, bei der weder Farben, noch Font stimmen.

Und reflexartig schreiben alle den schwarzen Peter den Liberalen zu. Dabei steht das P für Pest, darin ist sich das Internet einig. Ich war auch schnell damit, im Kopf bereits Sachen zu formulieren wie:
„Wahrscheinlich würde es sich der größenwahnsinnige Lindner noch als höchsteigenen Verdienst anrechnen, wenn eine sich selbst zerlegende AfD in demnächsten Bundestag mit 2-3 % weniger Abgeordneten säße.“

Und wenn es einfach keine Neuwahlen geben wird? Wenn sich die SPD unter leicht bis mittelschwer geänderten Vorzeichen doch wieder zu einer Regierungsbeteiligung breitschlagen läßt? Dann hätte die FDP ziemlich viel richtig gemacht.

Wählen gähnen

Der mittlerweile schon klassisch zu nennende Wahl-O-Mat geht erst am 30. August online. Die Leute sharen derweil munter das (nach Eigenaussage) „Quiz“ DeinWal.de. Viele preisen es allerdings als „Alternative“ zum Wahl-O-Mat an, wobei sie das abweichende Konzept mitunter recht offen als überlegen hervorheben. Denn statt der Wahlprogramme von Parteien stellt DeinWal vergleichende Fragen zum zum wirklich geleisteten Abstimmungsverhalten der letzten Jahre.

Mal abgesehen davon, daß ich – ganz subjektiv – die Fragen mitunter etwas tendenziös formuliert finde, scheint mir das Demokratieverständnis dieser Aufbereitungsart doch recht problematisch. Oder sagen wir genauer: die Art und Weise, mit welchen Worten das Tool auf Facebook und Twitter geteilt wird. Da werden die Programme der Parteien als Wahlversprechen gewertet, wobei diese oft noch nicht einmal komplett in einer Legislaturperiode umzusetzen sind, selbst wenn die jeweilige Partei am Abend der Bundestagswahl auf 100 % Zustimmung käme. Eingegangene Kompromisse durch Koalitionsvereinbarungen werden pauschal als Verrat hingestellt. Aus der Opposition heraus läßt es sich hingegen völlig folgenlos, dafür aber öffentlichkeitswirksam dagegensein; man muß ja selbst nicht zeigen, wie man es besser machen würde.

Ich möchte da nur drauf hinweisen, nicht anfangen von Einladung zur Politikverdrossenheit schreien. Aber wenn man sich so vor Augen führt, daß beispielsweise die SPD in den letzten Jahrzehnten jeder einzelnen Verschärfung der Asylgesetze zugestimmt hat… Da gucken wir uns doch vielleicht lieber bunte Bildchen an. Oder lassen das jemand anders für uns machen.

Ich habe übrigens noch eine App ausprobiert: den „tinderleichten“ WahlSwiper. Der gefällt mir einfach nicht, weil er auf den Beispielscreenshots im AppStore die FDP vorne hat. Und außerdem ist da ein blödes Ergebnis bei mir rausgekommen. So.

prez.ppt

Eure plakativen Powerpoint-Präsen sind Teil des Problems.

I think we tend to use the terms “left” and “right” in a sloppy fashion, because it’s the familiar way that we classify parties in the post-war era in Europe where you see the difference, for example, between social democrats and communists versus conservatives and liberals.
What we’ve got now is a new cultural cleavage which overlays that, and populists therefore can be left-wing or right-wing or in the middle. Basically they’re very vague on economics, but it’s the cultural values which are the critical aspects which differ for them.

Why Trump’s populist appeal is about culture, not the economy – Vox

1 Frage der Technik

The bro C.E.O. does what you’d expect an immature young man to do when you give him lots of money and surround him with fawning admirers — he creates a culture built on reckless spending and excessive partying, where bad behavior is not just tolerated but even encouraged.

Jerks and the Start-Ups They Ruin – The New York Times stellt fest, daß Machokultur jetzt nicht so die beste die Art der Unternehmensführung ist. Und nicht etwa, weil es damit kein Alleinstellungsmerkmal gibt.

Ein weiterer Artikel der New York Times schreibt unter der Überschrift How White House Echoes Tech:

The Trump campaign intended to remain sparse and decentralized. Borrowing a Silicon Valley mantra from Facebook, he told his shocked listeners that “your job is to move fast and break things,” according to a person who was present. “Figure out what needs doing, and then just do it. Don’t wait for permission.”

Ein und eins zusammengezählt: Peter Thiel und Elon Musk gefällt das.

Mr. Trump is, in many ways, the first genuine Silicon Valley start-up candidate and president. But is it a good or a bad thing if Mr. Trump becomes the first political unicorn?

Nicht zuletzt, weil auch nach dem Amtsantritt Trumps viel Kommunikation über Social-Media läuft, bemerkt die Washington Post: „In many ways, the first weeks of the Trump White House have resembled a chaotic tech start-up.“

Mathias Richel bescheinigt in einem Gastkommentar auf capital.de, „Trumps Twitter-Manie zerstörerische Wirkung auf die frei Meinungsbildung (…) Aus Marketingsicht könnte man also sagen, dass er alles richtig macht.“ Möge sich Richels Hoffnung auf eine wehrhafte Demokratie bewahrheiten.

Seiner Intrepretation der seit einiger Zeit wieder steigenden Auflagenzahlen als Rückkehr des Qualitätsjournalismus „vielleicht stärker als jemals“ kann ich nicht ganz so zustimmen. Natürlich bringen rechte Aufreger Quote. Und was ich weiß ist, die zum Glück sinkenden Umfragewerte der AfD haben wohl unterschiedliche Ursachen – aber ihre Dauerauftritte in deutschen TV-Talkshows stehen da sehr weit unten auf der Liste. Wenn sie nicht sogar kontraproduktiv sind.