I put the fahr in Erfahrung.

Mehr als 4,5 Jahre Pendeln zwischen Köln und Düsseldorf gehören nun bald der Vergangenheit an. Zeit also, weniger ÖPNV-superkräftige Leute an meinem Erfahrungsschatz teilhaben zu lassen.

Hinweg ist einfach.

Morgens entweder zur Haltestelle Chlodwigplatz (Kind früher zur Kita bzw. jetzt zur Schule gebracht) oder Ubierring. Dort entweder in die 15 oder die 16 steigen.
– 16 vorne, weil sie bis zum Hauptbahnhof fährt und man von dort schneller an den Zügen ist.
– 15 hinten, weil man dann beim Umstieg schneller an der 18 ist.
Am Barbarossaplatz Richtung Hauptbahnhof immer vorne einsteigen, sowohl in die 18 als auch in die 16. (15 und 18 fahren häufiger als die 16, aber es kann natürlich trotzdem passieren, daß beim Umstieg die erste Bahn eine 16.)
Am Hauptbahnhof Richtung Düsseldorf eher hinten einsteigen, dann hat man es nicht so weit zu den Treppen.
In die Straßenbahnen 708 oder 709 hinten einsteigen, man ist näher an den Ampeln zur Breite Straße.

Rückweg ist kompliziert.

Erster Schritt ab Graf-Adolf-Platz ist derselbe, 708 oder 709 hinten einsteigen – also falls man noch Brezeln kaufen oder im Hauptgang auf die große Anzeigentafel schauen möchte. Wenn nicht, ist man beim Ausstieg vorne schneller am Nebengang.
Jetzt kommt es darauf an, wohin man in Köln fährt, Messe/Deutz oder Hauptbahnhof. Abends nehme ich immer den ersten, der kommt.
– Nach Deutz vorne einsteigen, man ist zu Fuß schneller an der Haltestelle Lanxess-Arena.
– Zum Hbf kommt es zusätzlich noch darauf an, in welchen Zug man steigt. Ist es ein RE, steigt man besser vorne ein. Bei einem ICE sollte man eins der hinteren Abteile wählen. Bei ICs ohne E ist mir in all den Jahren keine Regelmäßigkeit der Ankunftsgleise aufgefallen.

Hintergrund: Spätestens ab Gleis 7 ist es praktischer, die U-Bahn ab Breslauer Platz via Hinterausgang zu nehmen. Bei Gleisen näher am Hauptausgang ist man schneller an der Haltestelle Dom/Hbf. In beiden Fällen nimmt man allerdings die 16 oder 18 Richtung Bonn – je nachdem, welcher zuerst kommt.
– Die 16 bis Bad Godesberg fährt ohne Umstieg bis zum Chlodwigplatz (falls noch Erledigungen anstehen) bzw. Ubierring (direkt nach Hause).
– Bei der 18, wie auf dem Hinweg auch, ist noch ein Umstieg am Babarossaplatz nötig. In dem Fall vorne einsteigen, um einen kürzeren Fußweg zur 15 zu haben.

Bonusmaterial

Bei Ankunft Messe/Deutz in der Regel vorne aussteigen, weil man schneller bei den U-Bahnen ist. Es sei denn, man möchte noch was im Bahnhof kaufen, dann besser so mittig.
U-Bahntechnisch empfehle ich je nach Wetter zwei Optionen:
– Gut: An der Haltestelle Lanxess-Arena die 3 oder 4 nehmen (Einstieg vorderer Wagen hintere Tür), an der Severinstraße in die 17 umsteigen (hinterer Wagen vordere Tür für Ausgang Alteburger Wall) und bis Bonner Wall fahren. (Es sei denn, die nächste Abfahrt ist in neun Minuten, dann lieber den Rest komplett laufen – denn das Wetter ist ja gut genug.)
– Regen oder schlechter: An der unterirdischen Haltestelle die 1 oder 9 und am Rudolfplatz in die 15 steigen und bis Ubierring fahren (beide vorne).

So, das war’s. Ab 02. Januar geht’s von der Südstadt aus statt nach Düsseldorf nach Ehrenfeld.

In Richtung

Typ hat sich vor der ICE-Tür breitgemacht mit Rollkoffer, dickem Rucksack und einer Tüte Wegzehrung. Kurz vor dem Halt Düsseldorf Hbf fragt er die Schaffnerin, auf welcher Seite der Ausstieg sein werde. Sie antwortet „rechts“ – seine Seite. Also steht er auf und fängt an, seine Siebensachen zusammenzuklauben, um die Tür freizumachen. Derweil schiebt die Schaffnerin ein „glaub ich“ hinterher und wenige Sekunden später erscheint in den Fenstern zur linken Zugseite schon der Bahnsteig. Also beginnt sich die Schaffnerin mit Gestammel wie „sonst immer anders“ und „heute wohl ausnahmsweise links“ für ihre Falschauskunft zu rechtfertigen.

Noch beim Aussteigen klopfe ich mir innerlich auf die Schulter, daß ich nicht besserwisserisch meinen Senf dazugegeben habe. Schließlich fahre ich mitunter diesen ICE 545 von Köln Hbf nach Berlin Ostbf seit mehr als vier Jahren und der fahrplanmäßige Halt in D’dorf befindet sich seitdem (glaub ich) an Gleis 18, was bei dieser Fahrtrichtung eben links bedeutet. Welchen Sinn hätte es gehabt, die Schaffnerin noch dümmer dastehen zu lassen?

Außer dem Typen, der so freundlich war, mit seiner Gepäckmenge nicht die anderen Reisenden – um diese Uhrzeit in der Mehrzahl Pendler wie ich – in den Abteilen zu nerven, die ganze Rumräumerei zu ersparen, wie mir eine Minute später eingefallen ist.

Im Verzug

Das Pendeln zwischen den Hauptbahnhöfen Köln und Düsseldorf ist ein besonderes. Weil ein RE – laut Fahrplan – „nur“ zehn/elf Minuten länger braucht als ein IC oder ICE (33 zu 23/24 Min.), nehme ich oft den langsameren Regionalzug und bin trotzdem schneller zuhause. Je nachdem, wann ich am Bahnhof ankomme. Theoretisch. In der Praxis sieht das so oder so aus:

  1. Ich erreiche Gleis 16, der RE1, der eigentlich um 18:39 Uhr Abfahrt hat, fährt ein um 18:42 Uhr. Ich steige nicht ein, denn für 18:48 Uhr steht ein ICE im Fahrplan – und laut Anzeige am Bahnsteig ist er pünktlich. Also lasse ich den überfüllten RE stehen, um eine Zigarettenlänge auf den ICE mit quasi Sitzplatzgarantie zu warten. Ich zünde mir eine Kippe an, die Türen des Regional-Express’ schließen sich und just in diesem Moment – der RE hat sich gerade in Bewegung gesetzt – ertönt die Durchsage, „wegen Verzögerungen im Betriebsablauf hat der ICE nach München über Köln und Frankfurt aktuell etwa 20 Minuten Verspätung.“
  2. Ich bin pünktlich am Gleis 16 für den IC um 19:21 Uhr, der wie üblich Ankunfts- mit Abfahrtszeit verwechelt. Solche Verspätungen um zwei bis drei Minuten werden nicht einmal erwähnt. Noch bevor ich einsteigen kann, fährt der ICE für 19:27 Uhr überpünktlich ein. Welcher der beiden Züge wird wohl schneller in Köln sein? Das Bahnpersonal kann die Frage nicht beantworten, mehr als ein „Der IC fährt zuerst ab“ bekommt man nicht heraus. Also einsteigen, zügig abfahren, dann im Schneckentempo durch Deutz gondeln – und schließlich kurz vor dem Hauptbahnhof auf der Hohenzollernbrücke zum Stehen kommen. Während der Durchsage „Weil unser Ankunftsgleis noch belegt ist, verzögert sich unsere Einfahrt noch wenig“ sehe ich den vorhin abgewägten ICE an mir vorbeifahren.

Meinten Sie: Opfer-Passage

Das sind wirklich keine Sonderfälle, irgendwas ist immer – Personen im Gleis, Stellwerksschaden, technische Störungen, Polizei- oder Noteinsatz am Gleis, verzögerte Bereitstellung des Zuges, Verspätung durch einen vorausfahrenden Zug oder meine Lieblingsdurchsage: „Verspätung im Ausland“. Dabei sind die Durchsagen mit holländischem Akzent im ICE International von bzw. nach Amsterdam die besten.

Aber es vergeht keine Woche ohne Zwischenfälle und Komplikationen. Und wenn bei der DB alles glatt läuft, dann hakt es entweder bei der Rheinbahn oder der KVB.

nur ’ne Idee

Gerne auch die Ansage von Zugführern in Regional-Expressi der DB: »Werte Fahrgäste, sehen Sie den ICE, der gerade an uns vorbeifährt? Das ist der Grund, warum wir hier seit mehreren Minuten am Bahnhof Deutz stehen.« Oder so ähnlich, erst gestern wieder gehört.

Weißt Du was, Deutschen Bahn? Wenn Du es auf die Kette kriegen würdest, mir am Düsseldorfer Hbf zu verraten, mit egal welchem der – zugegeben nicht wenigen – Züge Richtung Süden ich am schnellsten in Köln wäre, dann müßtest Du mir nicht zweifach auf den Sack gehen.

Denn natürlich hätte ich eigentlich genau den verspäteten ICE genommen, der mich dann kurz vor dem Ziel doch noch überholt hat. Vielleicht ein Fall für Deine neue Ideenschmiede?