Maybe they just give a bloody catshit about it?

Most students can’t tell the difference between sponsored content and real news, berichten die Jungs von The Verge. So ist dann wohl auch t3n auf die Meldung aufmerksam geworden: 80 Prozent der Jugendlichen können News nicht von Werbung unterscheiden (Wer es deutsch braucht.) Vielleicht lesen sie ja wirklich die Uni-Website von Stanford täglich rauf und runter. Den Artikel des Wall Street Journals, auf den Verge sich bezieht, verlinken sie jedenfalls nicht. Ihre eigene Quelle übrigens auch nicht.

Es heißt, gerade Digital Natives können Native Advertising nicht erkennen. Das gilt nicht nur für Nachrichten, sondern auch in Bezug auf Suchmaschinen. Dabei wäre es wohl richtiger, statt von „können nicht unterscheiden“ schlicht von „unterscheiden nicht“ zu sprechen. Jugendlichen ist es einfach egal, ob etwas als gekaufte Google-Werbung oder organisches Suchergebnis erscheint. Ob der Text hinter dem Klick ein Artikel mit unabhängigem Informationswert oder geschicktes Content Marketing ist. Was die Diskussion um FakeNews in gewisser Weise ad absurdum führt.

Aber bleiben wir bei Google: “I thought they stopped offering autocomplete suggestions for religions in 2011.” zitiert Carole Cadwalladr einen Searchexperten in ihrem langen Text für The Guardian: Google, democracy and the truth about internet search. Was ein ziemlich billiger Weg der Problemkaschierung wäre. Sobald man nach Fakten sucht und einem Interpretationen präsentiert werden, können die Resultate (nicht nur für Juden und Frauen) abstrus bis ärgerlich werden.

Nun ist der Guardian nicht immun gegen die Versuchungen der netzweltlichen Aufmerksamkeitsmechanismen. Genau eine Woche später veröffentlicht Cadwalladr eine zugespitztere, erheblich kürzere Opinion zum selben Thema: Google is not ‘just’ a platform. It frames, shapes and distorts how we see the world. Was auch nichts daran ändert, daß besonders das Holocaust-Beispiel natürlich mehr als besorgniserregend ist. Gerade im Zusammenhang mit den eingangs erwähnten Studien. Die Auswirkungen falsch verstandener Meinungsfreiheit und sieht man auch in den USA, siehe Google won’t remove white supremacist site from top search result about Holocaust auf McClatchy DC.

Und noch einmal zwei Tage später dann auch endlich die Übersetzung auf deutsche Verhältnisse bei Vice | Motherboard: Fake News zum Holocaust sind noch immer Top-Treffer auf Google – natürlich ohne Hinweis auf den Auslöserartikel, dafür mit Screenshots in anderer Sprache und brav ergänzt um Standpunkte aus offiziellen Google-Publikationen. Wegen Ausgewogenheit und so, ne? Personalisierung ist übrigens weder hier noch da eine Argument oder auch nur erwähnt. Auf Englisch habe ich vor Tagen andere Ergebnisse bekommen als und gerade auf Deutsch scheint Google etwas getan zu haben.

Ich tippe auf manuellen Einzeleingriff statt komplexer Algorithmusänderung. Doch sobald konkret irgendwas gegen zuerst Hatespeech und jetzt FakeNews unter- oder nur in Angriff genommen wird, kann man sich des reflexhaft gerufener ZENSUR!-Vorwürfe sicher sein, selbst für die scheinbar gute Sache. Auf das mit dem Werbegeld ist dann weitere sechs Tage auch gekommen: How to bump Holocaust deniers off Google’s top spot? Pay Google. Denn wer sagt, daß man nicht gleichzeitig ein monothematischse Pferd zu Tode reiten kann, während damit die Sau durchs digitale Dorf getrieben wird?

Derweil nimmt der Deutschunterricht meiner Tochter das Thema Werbung durch. Und zwar genauso, wie das zu meiner Schulzeit gemacht worden ist – mit aus Zeitungen und Magazinen herausgerissenen 1/1-Anzeigen. Weil es materialtechnisch so schön einfach ist; die Schüler sollen einfach was mitbringen, was man dann gemeinsam analysieren oder einzeln hausaufgeben kann. Da lernen sie dann, was eine Headline ist. Nennen den Claim aber weiterhin Slogan. So soll mein Kind Medienkompetenz lernen.

Das war schon immer so – nur geht es mittlerweile (nicht nur) an der Mediennutzung einer 13jährigen vorbei, die sich alle Jubelmonate mal die Print-Mädchen kauft und höchstens einmal pro Woche vor dem Fernseher sitzt. Stattdessen mindestens fünf Stunden pro Tag am Smartphone. Aber davon haben die Lehrer keine Ahnung, da steht nix von in den Schulbüchern. Kein Wort über Influencer Marketing auf YouTube und Snapchat, das die Kids dermaßen bereitwillig aufnehmen, daß es selbst mir als Branchenzugehöriger gruselig den Rücken runterlief. Obwohl Greta bereits in der Grundschule wusste, welchen Text ich hören wollte, wenn bei SuperRTL oder Nickelodeon der Werbeblock anfing. Den musste sie abspulen, um nicht umschalten zu müssen.

Ob es sie interessiert oder nicht.

klippen und klären

No one owns the news – gut zu wissen, aber heute möchte ich mich mal sowieso nicht mit dem heißen Scheiß beschäftigen. Aufhänger ist das dritte (?) Video – Gibt es so etwas wie „Singleauskopplungen“ noch bzw. ist das Wort überhaupt noch gebräuchlich? – zum aktuellen The Streets-Album „Everything Is Borrowed“. Drauf aufmerksam geworden bin ich durch diese exzellente Zusammenstellung neuerer Musikclips auf stylespion.de/.

Das hier soll keine fundierte Musikkritik sein. Ich höre zumindest die erste Hälfte der Platte recht häufig, der zweite Teil fällt irgendwie ab. Und an das Debüt „Original Pirate Material“ kommt die Scheibe ohnehin nicht ran. Im Vergleich zum großartigen Clip zum Titeltrack des vierten (?) Studioalbums bietet das Video zu „On The Edge Of A Cliff“ abgesehen von Skinners (sic!) Barthaar wenig Highlights.
Sein Neuerscheinen ist auch nur der Aufhänger, um ein paar Worte zu den Lyprics zu verlieren. Der überaus eingängige Refrain des Songs lautet folgendermaßen:

For billions of years
Since the outset of time
Every single one of your ancestors survived
Every single person on your mums and dad’s side
Successfully looked after and passed onto you life
What are the chances of that like
It comes to me once in a while
And everywhere I tell folk
It gets the best smile

Nun bin ich weder Mathematiker noch Statistiker, aber ich brauche nicht erst meinen Logik-Grundkurs aus dem Philosophiestudium zu bemühen, um mir zusammenzureimen, daß die erwähnten Chancen so schlecht nicht stehen können, wenn die Aussage auf jedes einzelne Lebendmitglied der gesamten Erdenbürgerschaft zutrifft. Eigentlich auch auf jeden toten Menschen, doch will ich nicht zu kleinkariert erscheinen.
Im Lied wird durch die paar Zeilen der ein oder andere Selbstmord verhindert. Gute Sache – keine Frage, aber irgendwie ist das ja nur die Mindestanforderung. Leben ist die Grundbedingung und so gedacht bekommt der Refrain keine positive Gedanktionierung, sondern alles, was mir dazu einfällt – oder zumindest das erste, was mir in den Sinn kommt – ist: Drückeberger.
Wer noch nie sein Leben aufs Spiel gesetzt hat, von dem ist – pathetisch gesprochen – sicher keine Revolution zu erwarten.

klipp unklar

Ganz gleich, wie ernst man Mike Skinners Stilisierung zum Gossenphilosophen auch nimmt, es ist bestimmt nicht seine Absicht gewesen, eine Hohelied auf eine Generationenabfolge von selbstsüchtigen Opportunisten zu singen. Schon auf seinem Debütalbum stehen sich der stressende Alki und der kiffende Slacker unversöhnlich gegenüber. Doch auch wenn die Sympathien klar verteilt sind, klar ist auch, daß man auch im Internetzeitalter vom Wohnzimmersofa aus die Verhältnisse schwer zum Tanzen bringen kann. „Lebe wild und gefährlich!“ taugt eben oft nur als theoretisches Lebensmotto, sogar für Rockstars. Also setz‘ Dich und nimm‘ Dir ’nen Keks.

Einen Tipp kann ich mir dann aber doch nicht verkneifen…