Auftritt mit Getöse

Ich bin natürlich zu faul, die Artikel von damals rauszusuchen, erinnere mich aber noch relativ gut an das Lamento vieler deutscher Kommentatoren, so einer wie Obama fehle in hierzulande. Ja, das langweilige politische System der Bundesrepublik verhindere solche charismatischen Persönlichkeiten. Die USA hätten Mr Cool, wir nur Merkel.

Ein paar Jahre später sind „Change“ und „Yes We Can“ in Vergessenheit geraten. Daß dem Mann in der Euphorie der Friedensnobelpreis verliehen worden ist, wo er es bis zum heutigen Tag noch nicht einmal geschafft hat, das Wahlversprechen der Schließung Guantanamos umzusetzen, beschämt nicht nur ehemalige Anhänger. Dabei hat Obama in zwei Amtszeiten auf anderen Gebieten ordentlich abgeliefert: die Wirtschaft erholt, das große Projekt Krankenversicherung etc.

leckermaulhelden

Nur ist der Eindruck ein anderer. Außenpolitisches Versagen in Syrien, Waffengewalt im eigenen Land. Das Prestige sackt nun ausgerechnet die Chancellor Of The Free World ein. Derweil reduzieren die Analysten Obama auf seinen cleveren Wahlkampf. Weil Politik – zumindest als Vermittlung an das Wahlvolk – doch das Theater braucht. Und nun erscheint Donald Trump auf der Bühne und zieht alle Blicke auf sich.

Wie Prantl angesichts dessen behaupten kann, man brauche starke Persönlichkeiten, um der rechten Bedrohung durch die AfD etwas entgegenzusetzen, bleibt mir unverständlich.

Sinn, schwach (matt)

Schön ist anders.

Da wird erst mit den Providern, dann mit einem Gesetzesentwurf gerungen, wobei der Bürger weitgehend außen vor bleibt. Die größte je bei einer Petition gesammelte Anzahl an Unterschriften scheint die Politik kaltgelassen zu haben. Und just in dem Moment wird offenbar, daß der Routeranbieter Netgear sich ausgerechnet bei seiner Web-Filter-Software OpenDNS bedient, wie heise.de/ berichtet. Viele wissen (und einige werden es sehr schnell lernen), daß genau auf diesem Wege die von der Bundesregierung geplanten Netzsperren umgangen werden können.

Der Markt wird es richten, zur Not. Und irgendjemand muß es ja tun, der Politik wird sowas scheinbar nicht mehr zugetraut. Das es um die Umfragewerte so schlecht steht, daß ich hätte selbst ich nicht gedacht.

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Aber ich will hier nicht den Moralapostel videospielen. Rege mich ja auch nicht darüber auf, wie Politik zur Einnahme von Schauspielrollenposen verchromt. Hinnahme einer weiteren blitzenden, blitzlichtenden Tatsächlichkeit.
Erhellheiternd II // Bloß weil man Transparenz ausscheidet, ist aber noch lange nicht alles gut, lecker Spex – und besser wird es dadurch bestimmt nicht. Schöne Vorstellung, aber schade, daß ich woanders nicht dabeigewesen bin. So in echt.

Die gute Neuigkeit zum Schluß: faz.net/ verkündet den neuen Pynchon!