Notes KW 47/17

aus: How I Got My Attention Back · Wired · by Craig Mod

It’s become common to talk of the “weaponization” of attention. As in: The attention of Americans was weaponized to make facts out of falsities. I think this framing does a disservice to the crux of the problem. It’s not that our attention has been weaponized, a word that vanishes in hyperbole, but rather, mechanized. As in: Our attentions have been wrest from our control, like a flock of android starlings, or a million IP enabled toasters. We were reasonably autonomous things. Now we’re indifferently synchronous, easily manipulated.

Obigen Text habe ich tatsächlich komplett gelesen, von vorne bis hinten. Hat sich rückblickend allerdings nicht ganz gelohnt. Das obige Zitat ist schon der Hitparagraph aus einem ansonsten recht vorhersehbaren Artikel.

Was sich dagegen so in den letzten Wochen auf der Leseliste angestaut hat:

Zum Jahresende also quasi eine Wiederbelebung meiner Links-Serie unter geänderten Vorzeichen. Eben keine nach Konsum für gut befundenen Tipps, sondern eine Erinnerung an mein zukünftiges selbst. Vielleicht komme ich ja zwischen Weihnachten und Silvester zum abarbeiten.

In Klammern die Angabe der ungefähren Lesedauer laut Instapaper. Bin dem Service seit der Übernahme durch die Pest Pinterest gegenüber ja skeptisch eingestellt. Jetzt, da ich browsertechnisch von Chrome zurück zu Firefox bin, könnte ich eigentlich auch gut zu Pocket wechseln, oder?

Medienwandel

Vor einiger Zeit ging dieses Photo oder ein ähnliches oder ein anderes mit einer Waggonladung lesender Asozialer rum. Das sollte dann ganz treffend die Mär vom vor der Durchsetzung des Smartphones ach so geselligen Zugreisen entkräften. Und teilweise hat das auch ins Schwarze getroffen; vielleicht sind die Kritiker einfach nur genervt davon, daß es mit Display statt Zeitung schwieriger geworden ist, bei den Mitpassagieren mitzulesen.

Nun ist Zugreise nicht gleich Zugreise; das weiß jeder, der schon einmal gemeinsam im selben Abteil mit einem Kegelclub unterwegs gewesen ist. Das hat mal so gar nichts mit dem allwochentäglichen Morgen- bzw. Abendpendelverkehr zu tun, den die oben verlinkten Schwarzweißbilder widerspiegeln. Auch wenn einem der Nebenmann weder im einen, noch im anderen Fall so etwas wie Tolstois Kreutzersonate erzählen wird. Remember the Rahmenhandlung?

Nun ist die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel nicht die einzige Situation, in der Vielen (über 36 Mio. Views!) das ständige Starren auf ein Smartphone Anlass zu zivilisatorischer Technikfeindlichkeit und generellem Kulturpessimismus bietet. Was sich allerdings in seiner akuten Aufgeregtheit wieder ein wenig zurechtrückt, wenn man sich die Kritik gegenüber medialen Innovationen durch die Jahrhunderte anschaut. Exemplarisch sei hier auf die Warnungen vor der Lesesucht im ausgehenden 18. Jahrhundert verwiesen.

Und das gilt nicht nur für sämtliche bisher angeführten Rezeptionsweisen. Auch auf Produktionsseite werden neue Techniken regelmäßig skeptisch gesehen. So ist von Truman Capote die Einschätzung überliefert, es gebe zwei Arten von Schreibern – echte Schriftsteller und bloße Schreibmaschinenbenutzer. Oder dieses aus heutiger Perspektive besonders absurd erscheinende Beispiel:

Andere mögen hier gerne noch einmal den alten Plato zur Lektüre herausholen, ich freue mich derweil auf den neuen Film von Spike Jonze. Und krame derweil, um den Bogen zum Beginn dieses Posts zu schlagen, eine alte Studienarbeit von mir hervor: Die Bahn kam – Implikationen einer Erfindung.

Nachtrag // Heute morgen erst diesen interessanten Artikel beim Guardian zum Thema gelesen. Lag schon länger auf Instapaper gespeichert rum.