Wahre Worte, Teil 17

Der Hass vieler Journalisten auf die Gewichtung nach Likes und Algorithmus ihrer Inhalte kommt auch davon, weil diese Gewichtung wie ein Spiegel ihnen die abgründige Fratze des Geschäftsmodells ihrer Publikationen vorhält.

Massenmedien & Social Media: „Cybernetic feedbackloop predicated on sensationalism“

Update:
Dazu auch sehr interessant: Georg Seeßlen auf neues-deutschland.de) über den Rechtsruck im Journalismus.

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Da kann sich die Titanic selbst auf die Schulter klopfen. Da hat sie es dem Bild so richtig gegeben. Durch eine Undercover-Meisterleistung hat sie tatasächlich aufgedeckt, daß beim Kampfblatt der Springer-Presse tatsächlich hier und da an Recherchequalität gespart wird, wenn es ihm gerade politisch in den Kram passt. Wie hätte man sonst darauf kommen können? Investigativsatire auf Weltklasseniveau.

Die Steigerung von „jubeln“?

Die Sache hat nur einen Haken und der war vorher wohlbekannt. Da können jetzt noch so viele Medien mit aller verdienten Häme über den Fall berichten. Sie alle zusammengenommen haben wahrscheinlich nicht die Auflagenstärke von Bild. Und erst recht nicht die Klickzahlen. Der erst neulich emporgeverkommene ChefRed J. Reichelt mag sich in diesem Moment zwar auf Twitter (so wortreich, wie es der Dienst zulässt) versuchen herauszureden; seine Zeitung wird sich zu der peinlichen Sache ziemlich bedeckt halten und über den Kreis der Brancheneingeweihten hinaus der breiten Rezipienten-Öffentlichkeit gegenüber nur die nötigsten Verfehlungen eingestehen.

Quasi ein umgekehrter Streisand-Effekt. Jeder weiß, gerade im Internet erreicht die spätere Richtigstellung einer (viral gegangenen) Falschmeldung nur einen Bruchteil der ürsprünglichen Leserschaft. Und so wird beim gemeinen Publikum schon irgendetwas hängenbleiben – SPD, Russen, Mailserver. Irgendwas war da doch…

Richtig: „unterjubeln“.

Verstehen wir uns nicht falsch: Ich mag Bild wirklich überhaupt nicht. Aber ob das hier nicht doch eher ein Bärendienst aus Selbstprofilierungsantrieb (gewesen) ist, wird man wohl erst mit ein wenig AnAbstand entscheiden können.

Im Blitzlichtgewitter

Das ist der Name dieser Phantomias-Geschichte aus dem orangen LTB-Heftchen dieser Rewe-Sammelreihe. Darin liefern sich die von Onkel Dagobert und Erzkonkurrent Klever einen boulevardjournalistisches Kräftemessen. Hier die beste Seite aus einer der besseren Stories dieser Limited Edition.

Die Namen der beiden Klatschblätter lauten übrigens „Skandal“ und „Spanner“.
Now reading: Topf voll Gold.

Die Springerin

Seit gerade einem Monat ist die Freischreiber-Kampagne Jedes Wort ist’s wert draußen. Der Berufsverband freier Journalistinnen „foppt“ damit die Verleger und ihre Bemühungen, in Zeiten von Fake-News und Abo-Rückgängen das Image von Zeitungen allgemein zu verbessern: Jedes Wort wert.

Die Werbung wird einfach mit ähnlichen Motiven gekapert – was ganz gut funktioniert hat, weil die Verleger zwar per Print, auf Plakaten, im Kino und vereinzelt sogar online geschaltet haben, aber Social Media außen vor geblieben ist.

Apropos Werbung: hier mein Lieblingsmotiv der freigeschriebenen Kaperkampagne gegen miese Bezahlung. Silke Burmester ist sich zu fein für Werbung.

Nun ist Burmester seit einigen Tagen wohl keine „freie Journalistin“ mehr, wie vermeldet wird heuert die ehemalige Medienkolumnistin der TAZ ausgerechnet bei Axel Springer an. (Allerdings nicht festangestellt, s.u.) Der Umstand, daß sie die redaktionelle Verantwortung der dort erscheinenden Zeitschrift DIE DAME übernimmt, ist ihr immerhin eine sich recht windende Erklärung in eigener Sache wert.

Aber für mich entscheidend ist die Möglichkeit, eine Situation – zumindest temporär – verlassen zu können, die zusehends perspektivlos wird.

Ach ja, das liebe Geld. Silke Burmester ist sich nicht zu fein für Springer. Anscheinend zahlen die besser als die Werbebranche.

Update 14:26

Die Klarstellung hier kam als Antwort. Danke dafür.