Money in Mode

Schon vor einiger Zeit den Artikel „Payment instalments are now a fashion marketing play“ gelesen, darin geht es um die Zahlungsmöglichkeiten in Onlineshops. Das werden immer mehr, neben Kreditkarte und PayPal tauchen da nun Services wie Klarna auf bzw. drängen aggressiv auf den Markt. Bei allen handelt es sich um sogenannte Laterpay-Optionen – Kunden bekommen gegen Gebühr die Möglichkeit, den Rechnungsbetrag später zu bezahlen oder in Raten gestückelt. Shoppen auf Pump, wenn man ehrlich ist.

Modemmarken sind die Speerspitze dieser Entwicklung, besonders nicht gerade lebensnotwendige Luxusartikel leistet man sich vielleicht eher nebenher, wenn man sie nicht sofort und auf einen Schlag bezahlen muß. Kein Wunder also, daß Fashion-Brands die Implementierung solcher Services als Marketinginstrument begreifen, senkt das Anbieten doch bei vielen die Kaufschwelle. Klarna, Afterpay et al. wiederum tun momentan viel, um nicht nur ihre Userzahlen, sondern in erster Linie ihre Sichtbarkeit zu erhöhen. Warum?

In 2019, payments-related companies accounted for $12 billion of the total $40 billion in financial tech funding in 2019, tripling in the last five years.

Stimmt das wirklich? Die entscheidende Frage ist wahrscheinlich, was alles zu „financial tech“ dazugezählt wird und was nicht. Aber mehr als ein Viertel investiert in verschleierte Kreditanbieter finde ich schon ziemlich erschreckend. Das hat für mich nichts mehr mit digitalem Fortschritt zu tun. Wenn man dann noch im Artikel liest, daß vor allem junge Leute darauf anspringen, sortiert man diese Entwicklung irgendwo zwischen convenienter Schuldenfalle und Abzocke as a Service ein.

Rauchen mindert Ihre Furchtbarkeit

Jemand fragt nach: „Peter, welcher Peter?“ Du befindest Dich in der Kindergarten-/Grundschulblase, wenn Du statt „Peter Meier“ ganz selbstverständlich „Der Vater von Jule“ antwortest. Und es kommt Dir noch nicht einmal seltsam vor, weil man ja nur noch für den Nachwuchs da ist. Wegen des Nachwuchses.
Kann denn nicht wenigstens einmal niemand an die Kinder denken?

Einer seiner Freunde fragte ihn, ob er sich manchmal sein Leben als Film vorstelle, und der Mensch bejahte. Auch das ist normal, das machen Menschen oft, völlig unabhängig davon, wie wenig spannend das eigene Leben gerade scheint. Makroaufnahmen von sich beim einkaufen, beim Fluchen, weil man sich wieder den kleinen Zeh angestoßen hat, beim googlen, ob dieser seltsame Schmerz im Oberschenkel nicht doch auf eine lebensgefährliche Krankheit hindeutet. Aber wie die meisten anderen, sah auch der Mensch sich immer in der Hauptrolle. Man selbst ist nie eine Nebenrolle, egal wie unbedeutend man sich vorkommen mag. Der Mensch ist des Menschen Mittelpunkt.

Ronja von Rönne weiß alles über Menschen.

Ossis sind die neuen Frauen

Zum und nach dem Mauerfall-Jubiläum jede Menge Ostversteher unterwegs. Denen sind jetzt zur Abwechslung in der Zeit mal die Leviten gelesen worden.

Man gewinnt den Eindruck, dass zwischen Berlin-Marzahn und Bitterfeld, Görlitz und Gardelegen posttraumatische Belastungsstörungen den Minderwertigkeitskomplex als schlimmstes Ostleiden abgelöst haben. Plötzlich hat jeder viel oder gar alles verloren.

Autorin Maren Hobrack ist damit auf einem guten Weg, die nächste Ronja von Rönne zu werden. Zumindest klingt mir der Nestbeschmutzer-Vorwürfelhusten schon in den Ohren.

Inzwischen wurden wohl schon alle Ostdeutschen mindestens dreimal zur Lage in ihrem Bundesland interviewt. Hätten ZDF, ARD und die Privaten jedem Ossi, den sie samt Funktionswetterjacke vor eine laufende Kamera zerrten, hundert Mark, äh, Euro in die Hand gedrückt – der ostdeutsche Rückstand in Sachen Kaufkraft wäre aufgeholt.
Wirklich jeder, der irgendwie ostdeutsch ist oder mal am Leipziger Hauptbahnhof stand, wird nun zum Experten für die ostdeutsche Seele. Viele Autoren können endlich, endlich eine Marke aus ihrem Ostdeutschsein machen. Hey ho, man nennt das Identitätspolitik.

Ach ja: Außerdem #TeamSchnibben.

Notes 08/19

Doch mal wieder kommentarlos drei Texte empfehlen, weil ich gerade nicht zum selbst Schreiben komme.

Without drawing attention to it, they’d made a subtle tweak to the phone screens, with some displaying a 100 percent phone battery life, some 20 percent, and some five percent. They wanted to see if this seemingly irrelevant detail would affect the men’s decision making — and lo and behold, the lower the screen’s displayed battery life, the more likely men were to agree to the hookup.

Apps are definitely changing our sexual behavior, we’re just not sure how | The Outline

Ein lineares Fernsehprogramm, so kurios das für ein Unterhaltungsunternehmen eigentlich ist, erfüllt da schon eine fast sakrale Aufgabe: Es leistet, was in ganz früheren Zeiten Kirchen und ihr fein abgestuftes Gebets- und Messprogramm geleistet haben, die Kirchenglocken erzählen noch davon: Ordnung und Struktur, Halt und Orientierung.

Warum feste Fernsehprogramme heilsam für die Gesellschaft sind – WELT

„Capitalist ideology imparts the idea that we are only worthy of love and belonging once we buy into their product or service,“ says Manchester-based Purnell. „Advertising reinforces this idea with the assumption that we are inadequate – essentially stealing our love of ourselves, and selling it back to us at a price.“

‚Billboards are harming our wellbeing‘, Micah Purnell’s empowering message against advertising

speicHHerstadt by -drik S. on 500px.com

Mal 500px als Flickr-Ersatz ausprobieren, da gefällt mir die Embed-Funktion auf den ersten Blick am besten.