Ad ist raus

Schon wieder Google? Ja, denn die Suchmaschine lehnt sich mit einem Statement ziemlich weit aus dem Fenster. Ich zitiere von ihrer About-Page:

And while we believe relevant ads can be as useful as actual search results, we don’t want anyone to be confused about which is which. Every ad on Google is clearly marked and set apart from the actual search results.

Blöd nur, wenn das in der Praxis, dann total anders aussieht. In der Timeline hier sehr gut beobachten.

Fanden offenbar so viel Leute ungeil, daß Google jetzt wieder ein Stück weit zurückrudern möchte. Oder es zumindest ankündigt. Who knows?

Update 1902-2020 // Der Tweet ist wohl gelöscht, die Visual Timeline findet sich hier auf searchengineland.com.

Don’t be sustainable

Die taz hat in ihrem Google-Text ein sehr fein zugespitztes Zitat von Edward Snowden:

„Zu sagen, dass du dir keine Sorgen um deine Privatsphäre machst, weil du nichts zu verbergen hast, ist so, als wenn du sagen würdest, dass du dir keine Sorgen über freie Meinungsäußerung machst, weil du nichts zu sagen hast.“

Was in dem Artikel noch keine Berücksichtigung gefunden hat: Auch sich gerne als Speerspitze des Fortschritts inszenierende Tech-Konzerne wie Google haben Öl an den gierigen Fingern kleben.

Maybe they just give a bloody catshit about it?

Most students can’t tell the difference between sponsored content and real news, berichten die Jungs von The Verge. So ist dann wohl auch t3n auf die Meldung aufmerksam geworden: 80 Prozent der Jugendlichen können News nicht von Werbung unterscheiden (Wer es deutsch braucht.) Vielleicht lesen sie ja wirklich die Uni-Website von Stanford täglich rauf und runter. Den Artikel des Wall Street Journals, auf den Verge sich bezieht, verlinken sie jedenfalls nicht. Ihre eigene Quelle übrigens auch nicht.

Es heißt, gerade Digital Natives können Native Advertising nicht erkennen. Das gilt nicht nur für Nachrichten, sondern auch in Bezug auf Suchmaschinen. Dabei wäre es wohl richtiger, statt von „können nicht unterscheiden“ schlicht von „unterscheiden nicht“ zu sprechen. Jugendlichen ist es einfach egal, ob etwas als gekaufte Google-Werbung oder organisches Suchergebnis erscheint. Ob der Text hinter dem Klick ein Artikel mit unabhängigem Informationswert oder geschicktes Content Marketing ist. Was die Diskussion um FakeNews in gewisser Weise ad absurdum führt.

Aber bleiben wir bei Google: “I thought they stopped offering autocomplete suggestions for religions in 2011.” zitiert Carole Cadwalladr einen Searchexperten in ihrem langen Text für The Guardian: Google, democracy and the truth about internet search. Was ein ziemlich billiger Weg der Problemkaschierung wäre. Sobald man nach Fakten sucht und einem Interpretationen präsentiert werden, können die Resultate (nicht nur für Juden und Frauen) abstrus bis ärgerlich werden.

Nun ist der Guardian nicht immun gegen die Versuchungen der netzweltlichen Aufmerksamkeitsmechanismen. Genau eine Woche später veröffentlicht Cadwalladr eine zugespitztere, erheblich kürzere Opinion zum selben Thema: Google is not ‘just’ a platform. It frames, shapes and distorts how we see the world. Was auch nichts daran ändert, daß besonders das Holocaust-Beispiel natürlich mehr als besorgniserregend ist. Gerade im Zusammenhang mit den eingangs erwähnten Studien. Die Auswirkungen falsch verstandener Meinungsfreiheit und sieht man auch in den USA, siehe Google won’t remove white supremacist site from top search result about Holocaust auf McClatchy DC.

Und noch einmal zwei Tage später dann auch endlich die Übersetzung auf deutsche Verhältnisse bei Vice | Motherboard: Fake News zum Holocaust sind noch immer Top-Treffer auf Google – natürlich ohne Hinweis auf den Auslöserartikel, dafür mit Screenshots in anderer Sprache und brav ergänzt um Standpunkte aus offiziellen Google-Publikationen. Wegen Ausgewogenheit und so, ne? Personalisierung ist übrigens weder hier noch da eine Argument oder auch nur erwähnt. Auf Englisch habe ich vor Tagen andere Ergebnisse bekommen als und gerade auf Deutsch scheint Google etwas getan zu haben.

Ich tippe auf manuellen Einzeleingriff statt komplexer Algorithmusänderung. Doch sobald konkret irgendwas gegen zuerst Hatespeech und jetzt FakeNews unter- oder nur in Angriff genommen wird, kann man sich des reflexhaft gerufener ZENSUR!-Vorwürfe sicher sein, selbst für die scheinbar gute Sache. Auf das mit dem Werbegeld ist dann weitere sechs Tage auch gekommen: How to bump Holocaust deniers off Google’s top spot? Pay Google. Denn wer sagt, daß man nicht gleichzeitig ein monothematischse Pferd zu Tode reiten kann, während damit die Sau durchs digitale Dorf getrieben wird?

Derweil nimmt der Deutschunterricht meiner Tochter das Thema Werbung durch. Und zwar genauso, wie das zu meiner Schulzeit gemacht worden ist – mit aus Zeitungen und Magazinen herausgerissenen 1/1-Anzeigen. Weil es materialtechnisch so schön einfach ist; die Schüler sollen einfach was mitbringen, was man dann gemeinsam analysieren oder einzeln hausaufgeben kann. Da lernen sie dann, was eine Headline ist. Nennen den Claim aber weiterhin Slogan. So soll mein Kind Medienkompetenz lernen.

Das war schon immer so – nur geht es mittlerweile (nicht nur) an der Mediennutzung einer 13jährigen vorbei, die sich alle Jubelmonate mal die Print-Mädchen kauft und höchstens einmal pro Woche vor dem Fernseher sitzt. Stattdessen mindestens fünf Stunden pro Tag am Smartphone. Aber davon haben die Lehrer keine Ahnung, da steht nix von in den Schulbüchern. Kein Wort über Influencer Marketing auf YouTube und Snapchat, das die Kids dermaßen bereitwillig aufnehmen, daß es selbst mir als Branchenzugehöriger gruselig den Rücken runterlief. Obwohl Greta bereits in der Grundschule wusste, welchen Text ich hören wollte, wenn bei SuperRTL oder Nickelodeon der Werbeblock anfing. Den musste sie abspulen, um nicht umschalten zu müssen.

Ob es sie interessiert oder nicht.

pupsquersitzplatz

Na, wer wirbt gerade auf dem GoogleWatchBlog? Zumindest umwirbt es mich in der Kategorie „Apps“. Es, das ist BING: die Konkurrenzsuchmaschine von Microsoft. Oder ist es die Suchmaschinenkonkurrenz?

Ist das witzig gemeint? Verspricht man sich bei MS da wirklich Erfolg von? Präsens zeigen kann ja nicht verkehrt sein. Zumal auch nicht die Suchmaschine generell, sondern ihr Werbenetz beworben wird. Und das eben auf einer Website, die den großen Wettbewerber im Auge behält.

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WatchBlog, das ist durchaus kritisch gemeint. Um so seltsamer finde ich die Tatsache, daß im Blog AdSense/AdWords zum Einsatz kommen – Googles Werbenetzwerk. Distanz ist anders.

Für Bing allerdings noch einmal fieser, hier Banner zu schalten.

Google war’s

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Daß Du, wie oben zu sehen (Screenshot echt bis zur Unterkante meines Fensters), Deine Suchergebnisse dermaßen unter Werbung begräbst, so daß man die wirklich für einen relevanten Links mittlerweile mit der Lupe (haha!) suchen muß, ist einer der Gründe, warum ich als Default-Suchmaschine in allen Browsern DuckDuckGo eingestellt habe – und damit leidlich zufrieden bin.

Kann Dir wahrscheinlich egal sein, ich nutze viele Deiner Services immer noch regelmäßig. Wenn auch die meisten davon über die Interfaces von Drittanbietern; die sind meist nutzerfreundlicher – und ich bleibe von Werbung z.B. bei der Bearbeitung von Mails verschont. Eine Tatsache, die Dir wohl nicht ganz so gut gefällt, Google. Oder wie ist es anders zu erklären, daß Du mir solche Termine direkt in meinen Kalender schreibst? Geht’s noch?

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Daß Du Dich an dem ganzen Star Wars Hype beteiligst: geschenkt. Ich lasse einfach so etwas wie den Lichtschwerterquatsch links liegen. Ich ertrage sogar die nervigen Fortschrittsbalken auf YouTube. Aber bloß, weil ich mich vor Wochen für die helle Seite der Macht entschieden habe, um mir aus beruflichem Interesse anzusehen, wie weit Du Deine Marketingaktivitäten treibst, kannst Du nicht einfachen dermaßen in meine Privatsphäre eindringen. Aktive Zustimmung meinerseits: Fehlanzeige.

So empfinde ich das Manipulieren meiner persönlichen Kalenderinhalte nämlich – als aufdringlich und unangemessen. Wie von sich selbst eingenommen muß man sein, um so eine Aktion wahrscheinlich für praktisch zu halten? Das ist nichts als creepy, Google. Du hast (mal wieder) eine Grenze überschritten.