fwd: re:

In schnöder Regelmaßlosigkeit beschweren sich Leute über Anrufe. Nicht nur über Werbeanrufe, nein, generelle über jegliche Kontaktaufnahme via Telephon. Vor einigen Monaten erst bin ich wieder über zwei Texte gestolpert, die sich darüber echauffiert haben. Überhaupt sei synchrone Kommunikation ja strukturelle Gewalt etc. Ich finde sie jetzt leider nicht mehr wieder, wollte aber schon damals einwerfen, daß beide Rants hinter einer Fassade des sich kontaktscheu gebenden Nerds eigentlich nur so vor Selbstbeweihräucherung gestrotzt haben. Der kaum verhohlene Tenor bei beiden: Ich bin so busy und habe Wichtigeres zu tun.

Sowas wird zumindest in meiner Filterbubble gerne geteilt oder wenigstens aufgegriffen. Jemand schreibt irgendwas auf Facebook über einen verspäteten Flieger oder Boardingprobleme und sofort überbieten sich die Businesskasper in den Kommentaren von wegen Senatorstatus wäre nichts mehr wert. Und wenn man den nicht aufweisen kann, wird eben irgendeine an den Haaren herbeigezogene Analogie zum Schienenverkehr herbeigezogen – nur um hierbei superbeiläufig seine Bahncard 100 ziehen erwähnen zu können. (Denn ja, es sind nahezu ausschließlich Männer.)

Egal wie Firmen auf Kritik reagieren, irgendjemand verlinkt sofort den Wikipedia-Artikel zum Streisand-Effekt. Und worauf sich die digitale Achso-Avantgarde ebenfalls allzeit einigen kann, ist das E-Mail-Bashing.

Dem modernen Sisyphus würde man keinen Stein mehr geben, damit er ihn auf ewig erfolglos einen Berg hinaufrollen muss. Stattdessen würde man ihm einfach eine Mail-Adresse geben und Inbox Zero verordnen.

So weit, so unterhaltsam Jan Tißler in seinem Upload Magazin. Daß dann aber nicht subtil zwischen den Zeilen, sondern dick und fett zwischen den Absätzen für den Upload-Newsletter geworben wird, scheint mir alles andere als ironisch gemeint. Aber wie gesagt, am schlimmsten sind die vier Kommentare unter dem Artikel. Hölle, das sind die Reaktionen der anderen.

beyonce

Übrigens heiße ich auf Snapchat nicht drikkes.

über strömend

Jahresende im Internet, Zeit der Prognosen und Vorhersagen. Genau so wird es nicht laufen.

Das Buzzword “Social Media” verschwindet (was einige auch mit Erleichterung zu Kenntnis nehmen), denn die Kommunikation im Web ist nun etwas Alltägliches. Die ersten Telefone der Welt wurden bestaunt, heute nervt es nur noch, wenn es besetzt ist. Der frühe Zauber der Netzwerktechnologie ist verflogen, in den Vordergrund ist der tatsächliche Nutzen gerückt. Es ist normal sich mitzuteilen. In 2014 wird diese Selbstverständlichkeit so weit zugenommen haben, dass wir uns wundern, wenn der Kumpel nach dem grauenhaften Italiener-Besuch keinen Yelp-Rant von der Stange lässt.

So sieht dann wohl doch eher die Gegenwart aus, wie Webevangelikale sie gerne hätten. Bzw. ihren Kunden gerne verkaufen. Wobei das negative Rantbeispiel am Ende des Zitats natürlich nicht zur Abschreckung dienen soll, sondern eine zwingende Aufforderung an kuscheligere Unternehmenskommunikation 2.0 darstellt. Ein Drohszenario, das allerdings immer weniger zu verfangen droht. Der Effekt unablässiger Empörungsabnutzung ist dafür einfach schon zu augenfällig.

Da kann die Problematik noch und nöcher als Filtereinstellungssache abgetan werden. Bei aller überbehaupteten -souveränität: Filterblase bleibt Blase. Auf Twitter sowieso, da scheint die Diskrepanz zwischen Netzgemeinde und RealLife am klaffendsten.

Don’t call it Social Müdia! // Dieser Tage sind die Abgesänge auf Facebook Legion. Entweder in form von noch zu Lebzeiten veröffentlichter Nachrufe oder ganz persönlichem Abgang. Dafür werden einem verschiedene Gründe angeboten, wobei dann noch darüber gestritten werden kann, was Ursache und was Wirkung ist.

The amount of sharing that Facebook is trying to cram through its News Feed is now starting to turn into a problem for Facebook, argues freelance analyst Benedict Evans.

Kehren die User Facebook den Rücken, weil es zu groß und unübersichtlich geworden ist? Oder ist die seit Jahren allein seligversprochene Timeline doch nicht der Weisheit letzer Schluß, der Newsfeed generell vielleicht doch nicht der heilige Gral der Onlinekommunikation? Warum wenden sich gerade Jüngere vom Social Network Nummer eins ab und Messenger-Plattformen neuerer Generation wie WhatsApp und Snapchat zu?

Weil es allgemein als uncool wahrgenommen wird? Weil kein Teenager gerne eine Party mit seinen Eltern feiert? Oder wird am Ende doch nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird? Kein Wachstum ist in der Wirtschaftswelt zwar so gut wie tot. Im Ansehen ganz normaler Menschen aber einfach nur gesättigt. Und womöglich hält sich das pseudomessianische Sendungsbewußtsein des Mainstreams doch in Grenzen. Und das ist nicht die Rückkehr des passiven Medienkonsums – der war nämlich nie weg, nur hat er seine Form geändert.

Und am Ende weiß man doch nicht, was kommt. Und das liegt nicht am unsäglichen Trend zum endless scrolling.