Zurückgespult

Ein paar Hintergrundinfos zum heute Morgen geposteten Stöckchen.

Die Reihenfolge bildet schon die Konsumhäufigkeit ab. Ich kann mit Sicherheit sagen, daß ich keinen Film öfter gesehen habe als Clerks – Die Ladenhüter. Wenn ich schätzen müßte, würde ich auf mehr als 37 Mal ungefähr 50 Mal tippen. Ich konnte den unsynchronisiert wirklich von der ersten bis zur letzen Minute auswendig.

Einschub: Wir reden hier über die Prä-Onlinestreaming-Ära. Seit ich 15 war, hatte ich einen eigenen Fernseher in meinem Zimmer; ab 16 dann auch einen Videorekorder. Ich habe Unmengen aufgenommen, viele Klassiker von arte oder 3sat, aber auch Blockbuster, die zur Primetime bei den Privaten liefen.

Manche Videos liefen einfach jeden Nachmittag wieder und wieder nebenher, während ich Hausaufgaben gemacht oder gegessen habe. Bei Platz 2 bin ich mir auch ziemlich sicher: C’est arrivé près de chez vous, wie der belgische Film im Original heißt, würde ich auf etwa 20 Sichtungen veranschlagen.

Daß Pulp Fiction mitten in den Top5 landet, ist wohl keine große Überraschung. Tarantinos Regiedebüt würde ich als einzigen wirklichen „Kultfilm“ meiner Generation bezeichnen. Er ist auch der einzige Film in dieser Liste, den ich bei Erstveröffentlichung direkt im Kino gesehen habe. Und mir seitdem vielleicht noch ein Dutzend Mal angeschaut habe.

Platz 4 ist der erste Film, der nicht aus der ersten Hälfte der 90er-Jahre stammt. Harry und Sally finde ich allerdings bis heute stöhnend schreiend komisch, genrebildend und seitdem von keiner anderen RomCom erreicht. Bis zu 10 Mal gesehen, schätze ich.

Ab hier ist die Schätzung nicht mehr möglich. Schlußlicht der Liste könnten genauso gut Casino, Kentucky Fried Movie, The Player, Citizen Kane, Akira, Tote tragen keine Karos oder alles von Kubrick sein – alle mehr als fünf Mal gesehen. Letztlich habe ich Spiel mir das Lied vom Tod auf Platz 5 gesetzt, weil ich keinen Film öfter auf der ganz großen Leinwand gesehen habe, nämlich vier Mal – darunter auch mein einziger Kinobesuch zusammen mit meinem Vater überhaupt.

Ausschub: Die Sammlung Hunderter Videokassetten habe ich übrigens vor ein paar Jahren weggeschmissen, es war eine ganze Mülltonne voll. Der Videorekorder hatte bereits geraume Zeit davor den Geist aufgegeben.

Film ab!

Kleine Geschichtsstunde bei quotenmeter.de über die Flut der sogenannten „Vanity Plates“:

Bis einschließlich in die 1980er-Jahre war es eine absolute Rarität, dass ein Film mit mehr als einem Studiologo beginnt. Etwa bei den frühen «Star Wars»-Filmen, wo Lucasfilm die Produktion und Fox den Vertrieb übernahm. Die Produktionshäuser namhafter Produzenten, die sich am Projekt beteiligten, wurden üblicherweise aber erst am Ende des Films gezeigt – auch Steven Spielbergs Amblin Entertainment hatte sich bis zum letzten Augenblick einer Kinovorführung zu gedulden. Ein Produzentenduo wollte sich damit jedoch nicht zufrieden geben: Don Simpson und Jerry Bruckheimer, deren Filme in den 80ern für Paramount Pictures über eine Milliarde Dollar weltweit generierten.

Als 1990 Simpson/Bruckheimer und Paramount Pictures einen neuen Vertrag schlossen, forderten die Erfolgsproduzenten, dass sie ihr Studiologo direkt nach dem Paramount-Logo an den Anfang von «Tage des Donners» setzen dürfen. So sollte es auch geschehen – und obwohl das Rennfahrer-Actiondrama keinen Hit darstellte, setzte es einen Präzedenzfall, was andere namhafte Produzenten nicht ignorieren wollten.

Der protzige Bruckheimer, wer sonst… Der Artikel liefert noch ein paar weitere interessante Fakten.

Gangster Squad

Ich mag ja so Retro-Gangsterfilme. Scorseses Goodfellas oder Casino, selbst Boardwalk Empire gefällt mir als Serie. Mein Lieblingsfilm der Coen-Brüder ist der zu Unrecht etwas unbekanntere Miller‘s Crossing. Ich habe als Kind schon Die Unbestechlichen in schwarz/weiß gesehen. Dick Tracy als Comic und dann hatte auch die Verfilmung mit Warren Beatty und Madonna bei mir Bonuspunkte. Später dachte ich dann, Al Pacino als Gangsterboss und Dustin Hofmann als Murmler haben sich absichtlich bis zur Unkenntlichkeit schminken lassen, damit man nicht sofort erkennt, daß sie sich für solch ein quietschbuntes Popcornkino hergegeben haben. Und als ich neulich meine ausufernde, zugestaubte VHS-Sammlung in die Tonne gekloppt habe, da war ein nicht unerheblicher Anteil der Kassetten mit Film-Noir-Klassikern dabei.

Und jetzt also Gangster Squad.

Eine Szene. Wegen einer Szene mußte ich fast ein halbes Jahr auf den Streifen warten. In dieser Szene haben wütende Mafiosi in einem Theater unschuldige Zuschauer während einer Vorstellung erschossen. Das war den Produzenten wohl zu nah an den tatsächlichen Geschehnissen in einem Kino der US-Stadt Aurora, als dort im Sommer 2012 ein Amokläufer mitten in der Premiere des letzten Batman-Movies den Saal stürmte und zwölf Menschen tötete und viele weitere verletzte. Insofern finde ich die Verschiebung mehr als nachvollziehbar. Besagte Szene ist dann sogar für mehrere Millionen umgedreht worden. Obwohl Gangster Squad eigentlich auf einer wahren Begebenheit basieren soll.

Nun hat das Warten ein Ende. Der Film ist endlich in Deutschland angelaufen und kann mit einer beachtlichen Besetzungsliste aufwarten: Sean Penn, Nich Nolte, Ryan Gosling, Emma Stone oder Giovanni Ribisi, allein das macht ihn wahrscheinlich sehenswert. Ich bin gespannt, was Regisseur Ruben Fleischer (bisher außer für TV-Sendungen nur durch Zombieland aufgefallen) aus der scheinbar soliden Story rausgeholt hat. Es geht um eine geheime Spezialeinheit, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg das organisierte Verbrechen in Los Angeles bekämpft. Wegen des verschobenen Start wird der Film bei den Oscars jedenfalls leer ausgehen.

Der dritte Mann

Wie unten zu sehen, gibt es The Third Man von Grahem Greene (Buch) und Carol Reed (Regie) jetzt komplett online. Ich wußte gar nicht, daß Reed eigentlich James Stewart für die Rolle des Holly Martins wollte, aber Produzent Selznick bestand auf Joseph Cotton.
Der Film befindet sich in bester Gesellschaft anderer Klassiker, wie etwa Fritz Langs M – eine Stadt sucht einen Mörder.

(via)

Titelangabe Tempuswechsel

Nicht wirklich vorsätzlich // Gestern warf ich 164 VHS-Kassetten weg. Darauf hatte ich so etwa zwischen 1994 und 2004 an die 300 Filme aus dem Fernsehen aufgenommen. Wenn man (falls vorhanden) die Werbung herausgeschnitten hatte, dann passten meist nicht nur zwei Spielfilme auf eine 240er, oft war danach noch Platz für ein gutes Musikvideo (Die liefen früher mal im TV nicht nicht auf YouTube, remember?) oder einen gelungenen Kurzfilm. Und früher waren die Filme in der Regel sowieso kürzer.

Aus dem Fernsehen, wie sich das anliest. Fing ungefähr mit sechzehn an, als sich zu der eigenen Glotze im Kinderzimmer auch ein eigener Videorecorder gesellte. Schnell war ich mit großem Enthusiasmus dabei. Jeden Freitag wartete ich darauf, daß meine Mutter mit den Wochenendeinkäufen auch die Hörzu für die kommende Woche mitbrachte. Der Cineastengeschmack bildete sich erst mit der Zeit, noch wurden oft Filme überspielt. Und wenig kam dem Triumph gleich, einen bereits von den Privaten aufgenommenen Film durch eine öffentlich-rechtliche Ausstrahlung ersetzen zu können. Festgehalten wurde das alles fein nummeriert in einer Loseblattsammlung auf Kästchenpapier.

Dreimal lief ich also gestern nach Anbruch der Dunkelheit auf den Hof zu den Aschetonnen und leerte die vollgepacke Riesenplastiktüte aus. Mehr Kassetten, als in eine einzele Mülltonne passten. Es waren einige Raritäten dabei, die bestimmt noch nicht auf DVD rausgekommen sind – und es wohl auch höchstwahrscheinlich niemals werden. Italienischer Neorealismus, viel Film Noir, amerikanisches Independentkino, aber auch Blockbuster wie Star Wars oder die Batman-Reihe. Regisseure wie David Lynch, Jean-Luc Godard und immer wieder Woody Allen.

Erst wollte ich einzelne Kassetten aussortieren, doch kam ich so natürlich nicht weiter. Also alles weg, ohne Ausnahme. Auch meinen absoluten Lieblingsfilm, obwohl der selbst in einer französischen Fassung mit englischen Untertiteln ein digitales Schweinegeld kosten soll. Ich sah sie mir einfach nichtniemehr an. Zuletzt standen sie relativ ungeordnet in zwei großen verstaubenden Kisten in einer Schlafzimmerecke. Und ob es der Videorecorder überhaupt noch tut, das wage ich zu bezweifeln.

Seit einigen Jahren nun sehe ich nur noch selten fern. Ich gehe auch nicht mehr so häufig ins Kino wie zu Studienzeiten. Ich wollte Dir nur sagen, daß ich Dir deswegen keine Vorwürfe mache, liebes Internet.

Anderes Thema // Völlig an mir vorbeigegangen, während ich gerade den neuesten Pynchon Natürliche Mängel verschlinge: Die Freitag-Community liest Gravity’s Rainbow.